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Bückeburg Stadt Timo Kelichhaus aus Bückeburg rettet junger Dänin das Leben
Schaumburg Bückeburg Bückeburg Stadt Timo Kelichhaus aus Bückeburg rettet junger Dänin das Leben
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07:06 30.10.2019
Erst im Oktober dieses Jahres, nach zweijähriger vorgeschriebener Anonymitätsphase, haben sich die Dänin Bjørk Ellegaard, heute 17, und der Bückeburger Timo Kelichhaus kennengelernt. Quelle: pr.
Bückeburg

Nicht etwa bei einem Unfall oder gar im Krieg. Der Feind, der die Dänin Bjørk Ellegaard im Alter von 14 Jahren bereits zum zweiten Mal heimsuchte, heißt Blutkrebs. Und Kelichhaus ist der Retter.

Im Alter von 17 ließ er sich bei der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) typisieren. Das ist sehr simpel: „Man bekommt ein Set zugeschickt, macht mit den Wattestäbchen Abstriche von der Mundschleimhaut und schickt dann alles zurück“, erklärt Kelichhaus. Dennoch sind in Deutschland nur rund 5,9 Millionen Menschen bei der DKMS registriert. Dazu kommen allerdings andere Organisationen, die sich auf die Gewinnung und Vermittlung von Stammzellen spezialisiert haben.

Einerseits war ich natürlich aufgeregt. Andererseits konnte ich noch gar nicht begreifen, was das nun möglicherweise für mich und einen Erkrankten irgendwo auf der Welt bedeuten kann.

Timo Kelichhaus , Stammzellen-Spender

Nur rund zwei Wochen nach seinem 18. Geburtstag und der damit einhergehenden Aufnahme in die DKMS-Datenbank erhielt Kelichhaus einen Anruf. Einen Anruf von der DKMS, die ihm mitteilte, dass er möglicherweise der passende Spender für einen Blutkrebs-Erkrankten sei. Ein Anruf, der in dem 21-Jährigen einiges auslöste: „Einerseits war ich natürlich aufgeregt. Andererseits konnte ich noch gar nicht begreifen, was das nun möglicherweise für mich und einen Erkrankten irgendwo auf der Welt bedeuten kann.“

Zu diesem Zeitpunkt gab es nämlich zwei mögliche Spender, die infrage kamen. Jedoch passte das genetische Material des Bückeburgers besser zu dem des Mädchens, dem er später das Leben retten sollte und sie zwei Jahre später persönlich kennenlernte.

Auch interessant: Registrierte Retter - Schüler lassen sich Typisieren

Zunächst ging es für Kelichhaus nach Köln in die MediaPark-Klinik, die die Entnahme der Stammzellen betreut und durchführt. Nach einer Voruntersuchung folgte im Dezember 2016 die Operation. Hierbei entnahmen die Ärzte Kelichhaus Knochenmarkblut aus dem Beckenkamm. Laut DKMS wird das entnommene Knochenmark innerhalb weniger Wochen nachgebildet, der Eingriff stelle kein Risiko dar. Der Spender hatte danach lediglich eine Woche Rückenschmerzen: „Wenn man das mit dem Leid der Erkrankten vergleicht, ist es ehrlich gesagt ein Witz.“

Schauplatz-Wechsel: Kopenhagen. Hier wird die Dänin Bjørk Ellegaard am Abend des Tages behandelt, an dem Kelichhaus in Köln operiert wurde. Das Bückeburger Blut wurde noch am selben Tag nach Dänemark geflogen, um Ellegaard zugeführt zu werden – samt den darin enthaltenen Stammzellen als Lebensretter. Alles, was nötig war, um das junge Leben zu retten, war ein einfacher Abstrich der Mundschleimhaut.

Ellegaard erholte sich langsam, ohne ernst zu nehmende Rückfälle, die durchaus auftreten können. Nun, nach einer zweijährigen Anonymitätsphase, erfuhren Kelichhaus und Ellegaard Details über den jeweils anderen. Die Identitäten müssen so lange geheim gehalten werden, damit die Familien Erkrankter die Spender nicht zu weiteren Spenden drängen – denn alles basiert auf Freiwilligkeit.

Aufregung, Freude, Dankbarkeit

Im Oktober reisten Kelichhaus und seine Mutter ins süddänische Hadersleben, den Wohnort der mittlerweile 17-jährigen Ellegaard, die wieder normal zur Schule gehen kann und Zeit mit Freunden verbringt. Begleitet wurden sie vom dänischen Fernsehsender TV-SYD, der die Begegnung mit der Kamera verfolgte.

Kelichhaus beschreibt das Treffen wie folgt: „Das lässt sich mit Worten gar nicht beschreiben, was einem da alles durch den Kopf geht: Freude, Dankbarkeit, Aufregung. Es war einfach überwältigend.“ Die beiden halten den Kontakt inzwischen via E-Mail und Facebook.

Neue Haarfarbe und Fingerabdrücke

Bjørk Ellegaard lebt. Sie lebt zwar mit einer anderen Haarfarbe – ihre eigene hat sich der von Kelichhaus angepasst –, mit einer anderen Blutgruppe und sogar einem anderen Fingerabdruck, aber sie lebt. Kelichhaus rührt das im Gespräch immer wieder zu Tränen. Er rät jedem dazu, sich typisieren zu lassen, „Es ist ein minimaler Aufwand für den größten Ertrag: das Leben“, erklärt der 21-Jährige.

Er kann die zu Beginn aufgeworfene Frage nach wie vor nicht beantworten. Dafür aber eine andere: Was ist schöner, als einem Menschen das Leben zu retten? „Bisher nichts. Der Tag, an dem ich sie gesund getroffen habe, war der schönste Tag meines Lebens“ – sagt Timo Kelichhaus, der Lebensretter aus Bückeburg.

Von Malick Volkmann