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Bückeburg Stadt Tommy Hansen darf nicht im Museum sprechen
Schaumburg Bückeburg Bückeburg Stadt Tommy Hansen darf nicht im Museum sprechen
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00:25 18.03.2018
Im Hubschraubermuseum Bückeburg wird Tommy Hansen nun doch nicht auftreten.
Im Hubschraubermuseum Bückeburg wird Tommy Hansen nun doch nicht auftreten. Quelle: Archiv
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BÜCKEBURG

Bei Hansen handelt es sich um einen investigativen Journalisten, der über die von ihm gegründete Homepage „Free21“ sowohl eigene Artikel als auch Texte anderer, zum Teil durchaus renommierter Autoren verbreitet. Kritiker heften ihm allerdings das Etikett „Verschwörungstheoretiker“ an – unter anderem wegen seiner Thesen zum Anschlag auf das World Trade Center, zum Nationalsozialismus, zu den Bilderbergern, den Illuminaten und „gesteuerten Migrationsströmen“.

Es brodelt hinter den Kulissen

Wegen dieses Sachverhalts brodelte es nach Informationen dieser Zeitung schon seit geraumer Zeit hinter den Kulissen. Angemeldet hat die Veranstaltung Helmuth Groeneveld, Mitglied des Seniorenbeirates der Stadt und in dieser Funktion „sachkundiger Bürger“ in einem Ausschuss der Stadt sowie ehemaliger Leiter des Katasteramtes Schaumburg mit Sitz in Rinteln.

Anfang der Woche erklärte Thomas Mallwitz, Vorsitzender des Hubschrauberzentrums als Trägerverein des Museums, den Saal für den Vortrag nur mit „erheblichem Bauchgrummeln“ zur Verfügung zu stellen. Man sei von Groeneveld angesprochen worden, habe zugesagt, ehe man aufgrund eigener Recherchen auf die Hintergründe Hansens und „Free21“ gestoßen sei.

Mit Zähneknirschen

Das Medienprojekt „Free21“ beschreibt sich selbst auf seiner Internetseite folgendermaßen: „Mit Free21.org als alternatives spendenfinanziertes Medienprojekt veröffentlicht der ‚Verein zur Förderung unabhängiger journalistischer Berichterstattung’ freie Texte von Journalisten und Autoren und stellt primär (und kostenfrei) durchlayoutete ausdruckbare PDF-Dateien dieser Texte zum Download zur Verfügung.“

Angesichts der in der Zwischenzeit fortgeschrittenen Vorbereitungen vonseiten Groenevelds und dem bereits erfolgten Druck von Flyern habe man sich letztlich „zähneknirschend“ entschieden, dem Veranstalter den Vortragssaal zur Verfügung zu stellen, konstatierte Mallwitz. Er betonte, dass das Hubschrauberzentrum auf keinen Fall die Ansichten des Vortragenden, der Autoren auf dieser Homepage sowie des diese Seite betreibenden Vereins teile.

Museum ändert seine Meinung

Nachdem sich auch der „Infoladen“, ein Zusammenschluss linker Jugendlicher und junger Erwachsener aus Bückeburg, schriftlich an den Hubschraubermuseums-Verein wandte, entschied sich Mallwitz, Hansen doch keine Plattform bieten zu wollen.

„Aufgrund der sich mehrenden Informationen / Anfragen wird der Vorstand Hubschrauberzentrum e.V. der geplanten Veranstaltung des Herrn Tommy Hansen NICHT zustimmen können. Es gilt nunmehr, möglichen Schaden vom Hubschraubermuseum abzuwenden“, heißt es in der Mail, die Groeneveld Mittwochabend übermittelt wurde und die auch unserer Redaktion vorliegt.

Am nächsten Morgen mietete Groeneveld telefonisch den städtischen Joël-Le-Theule-Saal bei Pächterin Jennifer Mohme-Xhata. Diese erklärte auf Nachfrage, dass sie von Groeneveld nicht darüber in Kenntnis gesetzt worden sei, wer dort einen Vortrag worüber halten wolle.

Zum Streit gekommen

„Das fand ich schon komisch“, sagt sie. Die Veranstaltung könne aber dennoch stattfinden. „Denn jeder kann hier seinen Vortrag halten. Das heißt ja nicht, dass ich dem Inhalt zustimmen muss.“

Angesichts des Vortragsthemas und der Person des Referenten hat Groeneveld nach Informationen dieser Zeitung massive Schwierigkeiten gehabt, die Einladung für den Vortrag in Umlauf zu bringen. Parteigliederungen, Vereine und Einrichtungen, bei denen Groeneveld Mitglied ist, weigerten sich, ihre Einladungs-Verteiler für diesen Vortrag zu Verfügung zu stellen.

In einem Fall soll es zu einem regelrechten Streit gekommen sein. Andere ließen sich nur nach langer Diskussion breitschlagen, zumindest einen kurzen Hinweis zu geben.

1000 Flyer gedruckt

Groeneveld äußerte gegenüber dieser Zeitung seinen Unmut über die Entscheidung des Hubschraubermuseums. „Zwei Wochen lang haben sie mir zugesagt, jetzt sagen sie plötzlich ab.“ Er habe aber bereits 1000 Flyer gedruckt – alle mit dem nun falschen Ort.

 Gefreut habe er sich dagegen über den Anruf von Bürgermeister Reiner Brombach, der zugesagt habe, dass der Vortrag im städtischen Joël-Le-Theule-Saal stattfinden könne. Beginn ist um 18.30 Uhr. rc, jak, r