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Bückeburg Stadt Urlaub beim MPS
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18:05 15.07.2018
Michaela und Matthias Krause genießen gemeinsam mit Steve Kirk als Heerlager Malacia das Lagerleben auf dem MPS. Quelle: jp
Bückeburg

Auch die Geschwister Michaela Krause und Matthias Krause aus Röcke und ihr Freund Steve Kirk genießen im Sommer fast jedes Wochenende den Urlaub vom Alltag und den Zeitreisefahrstuhl zurück ins Mittelalter. Als Heerlager Malacia nehmen sie seit fünf Jahren am Mittelalterlich Phantasie Spectaculum teil, um für das Publikum lebendiges Mittelalter darzustellen und ihr Wissen und ihre Kenntnisse der Vergangenheit mit den Besuchern zu teilen.

Die 35-jährige Michaela Krause hat sich als gelernte Pharmazeutisch-Technische Assistentin dabei auf den Bereich historischer Kräuterkunde spezialisiert. Besucher können dabei nicht nur die Benennung und Einsatzmöglichkeiten vieler alter und selten gewordener Kräuterarten erfahren, sondern auch, was es zu Zeiten des Mittelalters alles noch nicht gab: „Viele Kräuter wurden von den Römern nach Europa gebracht und waren daher im Mittelalter bekannt. Aber so etwas heute Alltägliches wie Kapuzinerkresse stammt aus Peru und kam daher erst während der Neuzeit über den Atlantik zu uns.“ Ihr Bruder sowie Steve Kirk halten es dagegen mehr mit mittelalterlicher Waffenkunde und Ausrüstungsgegenständen.

Heerlager haben Sonderrolle

Die sogenannten Heerlager nehmen auf mittelalterlichen Veranstaltungen wie dem MPS stets seine Sonderrolle ein. Sie zählen formal nicht zu den gebuchten Künstlern, nehmen aber als Akteure und Darsteller an den jeweiligen Veranstaltungen teil und präsentieren dem Besucher zu verschiedenen ausgesuchten Themen (wie zum Beispiel Schwertkampf, Bogenschießen, Axtwerfen oder auch historische Kochkunst) das Mittelalter hautnah zum Anfassen.

Auf dem MPS wirken sie zudem bei Vorführungen und Aktionen wie der Morgenmesse, dem Bruchenballturnier, dem Umzug der Heerlager oder dem Pestumzug mit, und nicht selten erwachsen aus ihrem Kreis spätere reguläre Künstler der Großveranstaltung, wie zum Beispiel der sensenschwingende „Tod“ alias Mirco Lehmann aus Osterholz-Scharmbeck oder die Feuerartistengruppe Danse Infernale aus Espelkamp.

Den Antrieb für die Heerlagerleute bildet stets die Begeisterung für die Darstellung des Mittelalters, der sie sich in der Regel mit genauso viel Akribie und Leidenschaft widmen wie zum Beispiel Roleplayer oder Reenactor anderer Epochen. Das bedeutet: Bekleidung, Ausrüstung und Zeltunterkünfte müssen zwar nicht bis aufs kleinste Detail historisch exakt sein, aber zumindest optisch einem strengen Reglement gehorchen. Technische Einrichtungen und Gegenstände sowie moderne Accessoires wie Uhren oder Handys sind völlig tabu.

Lieblingtermin Bückeburg

Ihr erstes Heerlager schlugen die Geschwister 2012 beim Mittelalterlich Phantasie Spectaculum im sachsen-anhaltinischen Ballenstedt auf. Zum ersten und auch einzigen Mal gastierte das riesige reisende Mittelalter-Event seinerzeit auf dem Flugplatzgelände im Ostharz. Das Wetter war eiskalt und regnerisch und überhaupt nicht dazu angetan, den Krauses aus Röcke ihre Heerlager-Premiere angenehm in Erinnerung behalten zu lassen. „Aber dann kam Hamburg-Öjendorf, und das war einfach nur überwältigend“, erinnert sich Matthias Krause.

Seitdem lassen sich die drei Bückeburger kaum einen MPS-Termin, sofern er sich zeitlich für sie einrichten lässt, mehr entgehen. Ihr Lieblingstermin ist und bleibt dabei Bückeburg. Das besondere Herausstellungsmerkmal an Bückeburg ist, dass es an zwei Wochenenden stattfindet und die meisten Heerlager an den Werktagen dazwischen auf dem Gelände bleiben.

Und erst dann, abseits des riesigen Trubels der Großveranstaltung MPS mit seinen Publikumsmassen und seinen unzähligen Programm-Events, komme das Lagerleben und der Austausch der Heerlager untereinander richtig in Gang, freut sich Michaela Krause: „Für die meisten von uns sind diese fünf Tage Bückeburg zwischen den beiden Veranstaltungswochenenden unser Sommerurlaub, an denen man wirklich mal zur Ruhe kommt, sich austauscht oder einfach nur die Seele baumeln lässt.“ Was sie dabei besonders schätzt: „Dass es hier im Lager keinen elektrischen Strom gibt, also auch kein Telefon, keinen Computer und keinen Fernseher.“ jp