Vergewaltigung: 22-jähriger Bückeburger kommt mit Bewährung davon
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Vergewaltigung: 22-jähriger Bückeburger kommt mit Bewährung davon

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09:00 25.02.2021
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Symbolbild Quelle: dpa
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Bückeburg

Das allgemeine Strafrecht für Erwachsene sieht härtere Sanktionen vor, kam jedoch nicht zum Tragen. „Vergewaltigung ist ein äußerst schweres Verbrechen“, betonte Richterin Uta Freese-Schmidt. „Wenn Sie etwas älter gewesen wären, hätten Sie eine Freiheitsstrafe ohne Bewährung bekommen“, machte sie dem Angeklagten klar. Gemeint waren weniger als zwei Monate, dann wäre der Mann über 21 gewesen.

Freese-Schmidt und ihre beiden Schöffen sind davon überzeugt, dass der Bückeburger im Juni 2019 eine junge Frau, mit der er schon seit Längerem ein Verhältnis hatte, auf einem Parkplatz am Oberstenhof zuerst gegen ihren Willen geküsst hat und dann in sie eingedrungen ist. Beide hatten sich gegen 2 Uhr per WhatsApp auf eine Zigarette verabredet. Die Frau war unter den Gästen einer Feier im Rathaussaal.

Zentraler Satz im Chat-Verlauf

Später schickte sie dem 22-Jährigen diese Nachricht aufs Handy: „Warum machst du das, wenn ich Nein sage?“ Richterin Freese-Schmidt sieht darin „den zentralen Satz“. Dieser Satz passe genau zu dem, was die Frau vor Gericht geschildert habe. „Warum sollte sie das sonst schreiben?“

Eine Anwohnerin hatte in jener Nacht eine Frau rufen hören: „Nein, ich möchte das nicht.“ Anschließend bekam sie mit, wie ein Auto mit Vollgas wegfuhr. Zuvor hatte die Zeugin damit gedroht, die Polizei zu rufen. Zu dem sexuellen Übergriff soll es außerhalb des Autos gekommen sein.

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Die junge Frau wirkte danach völlig verstört, brachte zunächst keinen Ton hervor und wollte nicht berührt werden. „Dieses Verhalten ist typisch für Vergewaltigungsopfer“, so Staatsanwältin Karin Dubben: „Man will das erst einmal wegschieben.“ Dubben hatte eine Jugendstrafe von 20 Monaten mit Bewährung gefordert.

Das Urteil ist bisher nicht rechtskräftig und kann noch angefochten werden. Verteidiger Oliver Laxner hatte auf Freispruch plädiert. Er geht von einem anderen Täter aus. Laxners Mandant hatte sinngemäß erklärt, die Frau habe ihn nach einem Kuss stehen gelassen und sei weggegangen.

Aussage unter Tränen

Zugunsten des Bückeburgers wertete das Gericht, dass der 22-Jährige keine einschlägigen Vorstrafen hat und die Tat nicht geplant war. Gegen ihn sprachen vor allem die schwerwiegenden Folgen für das Opfer. Im Prozess sagte die Frau unter Tränen aus. Sie hat das Geschehen offenbar bis heute nicht verarbeitet.

Dennoch kann Opferanwalt Volkmar Mirsch bei seiner Mandantin keine übermäßige Belastungstendenz erkennen. „Sie musste erst durch eine Freundin überredet werden, überhaupt eine Strafanzeige zu stellen“, sagte Mirsch.

Der Bückeburger und die Frau hatten damals eine sogenannte „Freundschaft plus“. Das heißt, sie verbanden die Vorzüge einer Freundschaft mit gelegentlichem Sex – bis die Freundschaft endete. ly