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Bückeburg Stadt Viel Leerstand, viel Fluktuation an der Braustraße in Bückeburg
Schaumburg Bückeburg Bückeburg Stadt Viel Leerstand, viel Fluktuation an der Braustraße in Bückeburg
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19:38 28.02.2019
Der alte Aldi-Markt: Er wäre der Frequenzbringer, sollte er wieder vermietet werden – etwa an die Drogeriemarkt-Kette dm. Quelle: rc
Bückeburg

Beide Cafés leer, der Döner-Laden erst seit Kurzem wieder geöffnet, am Ende glänzt der ehemalige Aldi-Markt seit Monaten mit großen leeren Schaufenstern. Und wenn man den Anfang von Neuer Straße, Sackstraße und dem Sablé-Platz mit hinzuzählt, dann hat die Braustraße Probleme mit reichlich leer stehenden Ladenlokalen und einer hohen Fluktuation – nicht massive, noch nicht, aber doch spürbare. Sechs von 15 Ladenlokalen stehen leer, ein weiteres wird Anfang April hinzukommen, wenn die Hirsch-Apotheke schließt.

Grundsätzlich ist die Lage aber nicht so schlecht, auch wenn sie besser sein könnte. Darüber sind sich die von dieser Zeitung Befragten einig, die an der Braustraße ihr Geschäft haben oder aber von Amts wegen mit Gewerbeansiedlungen beschäftigt sind wie Wirtschaftsförderin Annika Tadge, in Personalunion auch Vorstand des Bückeburger Stadtmarketing (BSM): „Es ist nun mal eine B-Lage, aber als Teil der Fußgängerzone allemal besser dran als Obertorstraße oder Schulstraße. Grundsätzlich aber geht es.“

Ähnlich äußert sich der Immobilienmakler Joachim Scheffler, der an der Ecke von Braustraße und Sablé-Platz sein Büro hat und Eigentümer des gegenüberliegenden Ladenlokals ist, in dem bis vor Kurzem Bückeburgs einziges Baby- und Kinderbekleidungsgeschäft war, ehe es aus Altersgründen geschlossen wurde. Scheffler: „Die Braustraße ist gut und funktioniert, auch wenn es im Moment durch einige persönliche Entwicklungen schwierig ist.“

Innenstadt stärken

Auch der Immobilienmakler Dennis Roloff, dem bis vor Kurzem die Immobilie gehörte, in der die ehemalige Gaststätte „Wolke“ und die Fahrschule Bemfert zu Hause waren, ist vom Potenzial der Straße überzeugt. Aber auch er warnt, ebenso wie die Wirtschaftsförderin, dass nicht nur an der Braustraße etwas gemacht werden müsse.

Es gelte generell, die Innenstadt zu stärken und vor der Konkurrenz auf der Grünen Wiese in den Gewerbegebieten zu schützen – Stichwort: Einzelhandelsgutachten und die Diskussion um einen möglichen Wegfall der Sortimentbeschränkung, die bisher den Einzelhandel in Bückeburgs Innenstadt schützt. Roloff: „Wenn die wegfällt, wäre das der Tod der Stadt.“ Annika Tadge: „Die Sortimentbeschränkung muss bleiben. Es darf nichts Innenstadtschädliches in Gewerbegebieten genehmigt werden.“

Nicht nur die beiden haben in diesem Zusammenhang den seit Monaten leer stehenden Aldi-Markt am Ende der Braustraße im Visier. „Das zentrale Objekt“, so Roloff. Beide schlagen vor, dass sich dort der dm-Markt ansiedelt, der seit Jahren mit einem Neubau in der Kreuzbreite liebäugelt, bisher aber an der Sortimentbeschränkung scheiterte.

„Bei „Kids“ warten die Schaufensterpuppen auf neue Bekleidung – und einen neuen Mieter.

Tadge bestätigte, dass es seitens der Stadt Gespräche mit den dm-Verantwortlichen gibt. Es gebe allerdings keineswegs eine feste Planung, es sei auch nicht absehbar, ob es eine Lösung gebe. Sollte der Markt wieder belegt sein, wäre er ein Frequenzbringer, der die ganze Straße beleben würde.

Groß genug ist er: Immerhin hat er 788 Quadratmeter Verkaufsfläche, allerdings wenige eigene Parkplätze. Es habe Gespräche über die Vermietung gegeben, sagte Gerrit Meyer von der Immobilienfirma Altros, der die Aldi-Immobilie gehört: „Leider ist nichts daraus geworden.“ Auch er bezeichnete die Braustraße – als „nicht ganz so schlecht“. Warum es nicht funktioniere, wisse er nicht.

Was tut sich sonst an der Straße?

Im seit einigen Monaten leer stehenden Efes-Dönergrill hat vor Kurzem ein neuer Döner-Laden eröffnet.

Nebenan im Café Hilal, das aus persönlichen Gründen der Betreiberin geschlossen wurde, wird am 8. März, ein neues Café eröffnet.

Die Hirsch-Apotheke allerdings schließt zum 1. April (siehe Bericht unten).

Der Arzt Dr. Thorwald Hey dementiert Gerüchte, dass er seine Praxis schließt: „Die kommen immer mal wieder auf.“ Er wolle vor seinem 70. Geburtstag in den Ruhestand und im kommenden Jahr seinen Nachfolger einarbeiten. Noch sei aber nichts in trockenen Tüchern.

Für das 110 Quadratmeter große Ladenlokal „Kids“ ist Scheffler optimistisch, schon bald einen Mieter zu finden. Erste Gespräche sind geführt.

Die unter Denkmalschutz stehende Immobilie des Salon Schatz ist von einem Mindener gekauft worden. Was dort passiert, ist offen.

Das Ladenlokal an der Ecke von Neue und Trompeterstraße steht zur Vermietung.

Für das Café Jola, die Ex-Wolke“, ist aktuell ein Restaurant im Gespräch.

von Raimund Cremers

„Wir werden stiefmütterlich behandelt“

Sicherlich ist die Braustraße eine gute Adresse“, sagt Peter Harttrumpf, Eigentümer des dortigen Lotto-, Presse-, Tabak- und Geschenkeladens: „Wir sind nicht die Hauptstraße, aber wir gehören dazu.“ Im Gespräch mit dieser Zeitung klagt er, dass die Straße und ihre Belange stiefmütterlich behandelt würden. Bei der Autoschau sei der Bereich außen vor. Bei Frühlings- und Herbstmarkt fehle es an attraktiven Fahrgeschäften oder Buden.

Die Weihnachtsbeleuchtung lasse zu wünschen übrig. Er fragt: „Warum wird nicht mal ein kleines, aber feines Fest in der Braustraße gefeiert? Mit Bühne vor dem Salon Schatz und schönem Angebot in der Straße?“ Es gebe genügend Ansätze. Seitens der Stadt habe sich bisher niemand bei ihm blicken lassen, um sich auszutauschen oder Gespräche zu führen: „Wir sind ja nur kleine Händler und keine großen Gewerbesteuerzahler. Wir werden nicht gut behandelt.“ rc

 

Hirsch-Apotheke schließt zum 1. April

Die Hirsch-Apotheke wird zum 1. April aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen, wie Inhaber Klaus Bellwinkel sagt. Der Braustraße fehle es an Attraktivität und mit dem leer stehenden Aldi der Frequenzbringer. Die Entwicklung der Arztpraxis nebenan sei ein „Unsicherheitsfaktor“. Zudem habe sich das Verbraucherverhalten geändert, Kunden erwarteten auch in Apotheken ein Einkaufserlebnis, Parkplätze, bequemen Zugang und ein umfangreiches Angebot.

Dies sei an diesem Standort nicht darstellbar. Alles zusammen habe ihn bei der anstehenden Verlängerung des Pachtvertrags bewogen, „die Reißleine zu ziehen“. rc