Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Bückeburg Stadt Von Sucht und Gier nach Bitcoins
Schaumburg Bückeburg Bückeburg Stadt Von Sucht und Gier nach Bitcoins
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:30 26.04.2018
Anzeige
Bückeburg

Ein aktuelles Beispiel, das Axel Bergmann, Sprecher der Polizei Schaumburg, einfällt, wenn er an die Kryptowährung denkt, über die seit Monaten viele Menschen reden. „Ich rate ihnen dringend von dem Kauf von Bitcoins ab“, sagt denn auch Sparkassenbetriebswirt Martin Brandt während eines Vortrages im Bückeburger Museum, zu dem der Gesprächskreis „Nachgefragt“ eingeladen hatte. Zu „unseriös, zu undurchsichtig“ sei die digitale Währung. „Bis heute weiß niemand, wer sich hinter dem Synonym des Erfinders versteckt. Es ranken sich nur einige Mythen darum“, erzählt Brandt.

Bitcoin sei kein „staatlich kontrolliertes und reguliertes Zahlungsmittel, sondern im Gegenteil ein anonymes Zahlungsmittel, das auch Verbrecher gerne nutzen“ würden, so der Experte. „Allein diese Tatsache sollte jeden nachdenklich machen“, meint Brandt.

Der Sparkassenbetriebswirt vergleicht Bitcoins mit dem Glücksspiel im Casino. „Es ist die Sucht und die Gier, die die Menschen antreibt, sich Bitcoins zu kaufen. Die Menschen trauen zudem oftmals dem alten System nicht mehr und versuchen ihr Glück.“ Die Kryptowährung ist dennoch beliebt. „Das zieht natürlich auch viele Betrüger an“, sagt Brandt.

Gefälschte Handelsplattformen

„Wer Bitcoins kauft, tut dies auf Handelsplattformen im Internet. Hier gibt man seine Kontodaten an und kauft sich mit Echtgeld die digitalen Münzen“, erklärt Maximilian Schulze. Genau an dieser Stelle würden auch die Täter ansetzen, sagt Schulze. Der Banker kennt sich mit der digitalen Währung gut aus. „Die Betrüger erstellen gefälschte Handelsplattformen. Gerät man als potenzieller Käufer von Bitcoins auf solch eine gefälschte Internetseite, zahlt man sein Geld an Kriminelle, die einen lediglich in dem Glauben lassen, man hätte Bitcoins erworben“, sagt Schütte, der zusammen mit Brandt in einer Diskussionsrunde die Fragen von besorgten Bürgern beantwortet.

Genauso war es auch bei Oliver B. Die Betrüger hatten ihm weiß gemacht, er besitze nun Bitcoins, nachdem er große Mengen Echtgeld überwiesen hatte. Der Schwindel war dem Bückeburger zunächst nicht aufgefallen. Erst als er seine Bitcoins wieder in Euro umwandeln wollte, fiel der Betrug auf. B. ging zu Polizei, zeigte den Fall an. Dort haben Spezialisten für Cyberkriminalität der Polizeiinspektion Schaumburg/Nienburg die Ermittlungen übernommen. Das Problem sei jedoch, dass „die Täter meist im Ausland sitzen und von dort aus agieren. Auch die Konten sind im Ausland. Deswegen ist es schwierig, die Täter zu fassen“, erklärt Polizeisprecher Axel Bergmann. Auch er rät zu erhöhter Vorsicht im Umgang mit Bitcoins und warnt davor, sich „von Versprechungen leiten zu lassen“. „Der Handel und der Umgang mit Bitcoins sind gesetzlich nicht verboten. Er ist allerdings sehr risikoreich“, sagt Bergmann. Der Polizeisprecher rät, sich vor dem Kauf bei mehreren vertrauenswürdigen Quellen zu informieren und Werbeanzeigen nicht per se zu vertrauen.

Für Oliver B. kommen diese Ratschläge zu spät. Er will sich in Zukunft vorher besser informieren und von windigen Angeboten lieber die Finger lassen. leo