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Bückeburg Stadt Vorhang im Bückeburger Rathaussaal muss für 250.000 Euro repariert werden
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Vorhang im Bückeburger Rathaussaal muss für 250.000 Euro repariert werden

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19:21 17.06.2020
Der Eiserne Vorhang, eine Konstruktion aus Wellblech und Stahl, die hinter dem brandfesten braunen Vorhang versteckt ist, muss aus Sicherheitsgründen saniert werden. Quelle: Raimund Cremers
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Bückeburg

Weil der Eiserne Vorhang defekt ist, kann die Bühne des Großen Rathaussaals in Bückeburg bis auf Weiteres nur eingeschränkt genutzt werden. Die Vorbühne steht zur Verfügung und kann bespielt werden. Die Hauptbühne dagegen ist aus Sicherheitsgründen gesperrt, dort darf nichts aufgeführt werden.

Nicht betroffen ist der eigentliche Saalbetrieb. Dort dürfen nach wie vor alle Veranstaltungen durchgeführt werden, wenn es die Corona-Beschränkungen erlauben.

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250.000 Euro Kosten, bis zu 42 Wochen Sanierungsdauer

250.000 Euro kostet es, den Defekt zu beheben und noch diverse Brandschutzauflagen zu erfüllen, die im Zuge einer Begutachtung festgestellt worden waren. Einstimmig gab der Betriebsausschuss der Wirtschaftsbetriebe jetzt eine Empfehlung zu dieser außerplanmäßigen Ausgabe.

Die Sanierung soll schnellstmöglich über die Bühne gehen – denn nach den ersten Schätzungen eines Planers kann es bis zu 42 Wochen dauern, bis alles auf den Stand der Dinge gebracht ist. Allein 20 Wochen soll die Lieferung von speziellen Ersatz- beziehungsweise Neuteilen dauern.

Wie sowohl Betriebsleiter Jürgen Sobotta als auch Ratskeller-Pächterin Jennifer Mohme-Xhata im Nachgang zu der Sitzung betonten, sind Veranstaltungen, bei denen nicht die gesamte Bühne benötigt wird, von der Sanierung und Sperrung der Bühne nicht betroffen: „Alles, was im Rahmen von Corona-Beschränkungen erlaubt ist, darf, kann und wird stattfinden.“

Alles, was im Rahmen von Corona-Beschränkungen erlaubt ist, darf, kann und wird stattfinden.

Jürgen Sobotta , Betriebsleiter

Von "überschaubarer Angelegenheit“ zu "hohem Sanierungsbedarf"

Die Probleme mit dem Vorhang, der noch aus der Errichtung des Rathauses im Jahr 1906 stammt, hatten nach Angaben von Sobotta kurz vor Weihnachten begonnen. Damals ließ er sich nicht richtig herauf- und herunterfahren. „Eine überschaubare Angelegenheit“, sei zunächst gedacht worden. Bis ein Handwerker einer Spezialfirma nach einer ersten Besichtigung im Rathaus vorstellig wurde und Hinweise gab, dass deutlich mehr im Argen liege.

Hinweise, die ein hinzugezogener Fachmann bestätigte: „Es gibt einen hohen Sanierungsbedarf.“ Bei der Bühne handele es sich um eine Großbühne, und das in einer Versammlungsstätte, für die es extrem hohe Vorgaben gebe und die auch nicht dem Bestandsschutz unterliege. Es seien sicherheitsrelevante Mängel festgestellt worden.

Vorhang stellt eine Gefahr dar - auch bei Brandschutz einiges im Argen

Dazu zähle, dass an dem Eisernen Vorhang, der in den achtziger Jahren das letzte Mal saniert worden sei, kein zweiter Motor angebracht sei, der Vorhang unvermittelt während einer Vorstellung herunterrauschen und Künstler unter sich begraben könne, wie Marc Sigges vom zuständigen Gebäudemanagement der Stadtverwaltung im Ausschuss schilderte. Das Torblatt könne nicht sichergestellt werden, weil entsprechende Bremsen fehlten. Es sei nicht gewährleistet, dass das Bauteil im Brandfall oben und an den Seiten dichthalte.

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Auslöser rechts und links der Bühne, um im Brandfall einen Alarm auslösen zu können, seien nicht mehr vorhanden, sondern könnten nur von Hand im Keller betätigt werden. Dort müsse jemand sitzen, um das zu tun, erläuterte Sigges weiter. Zudem müsse der Eiserne Vorhang im Brandfall mit Sprühwasser besprüht werden können, einer Unterart einer Sprinkleranlage. Diese Sprühanlage müsse zwingend über die Brandmeldeanlage ausgelöst werden.

Und dann gebe es noch im Bühnenhaus Rauchklappen, die über das Dach entlüftet werden. Diese seien derzeit ebenfalls nur von Hand auszulösen – was aber nach den Vorgaben heute automatisch erfolgen müsse. Alles im allem: Ausschlusskriterien. Vorstellungen sind auf der Hauptbühne nicht mehr zulässig. Sie bleibt bis auf Weiteres gesperrt.

Der Schnürboden der Bühne: Irgendwo hier muss eine Sprühanlage samt Tank und Zuleitungen montiert werden, um für den Brandfall gewappnet zu sein. Foto: Cremers

Wie Sigges nach ersten Rücksprachen mit dem Fachmann berichtete, geht er derzeit von den erwähnten Bau- und Lieferzeiten aus. Denn während der Corona-Krise und wegen der Absage aller Kulturprogramme hätten zahlreiche Anbieter und Veranstalter in Deutschland die Gunst der Stunde genutzt, um ihre Spielstätten ohne größere Beeinträchtigungen auf Vordermann zu bringen. Es sei daher Eile geboten, möglichst schnell ein Fachbüro zu beauftragen, um die Planungen erstellen zu lassen und Aufträge vergeben zu können.

Kulturverein-Programm nicht bedroht - aber freie Veranstaltungen fraglich

Das sah der Ausschuss auch ein. Zuvor hatte Ratsfrau Johanna Harmening (SPD), die in Personalunion auch Geschäftsführerin des Kulturvereins ist, der die Bühne regelmäßig nutzt, eindringlich dafür plädiert, die Sanierung in Angriff zu nehmen: „Der Rathaussaal ist das Herz der kulturellen Identität der Stadt. Wir müssen uns dafür einsetzen, dass er nutzbar ist und bleibt.“

Der Rathaussaal ist das Herz der kulturellen Identität der Stadt. Wir müssen uns dafür einsetzen, dass er nutzbar ist und bleibt.

Johanna Harmening , SPD-Ratsfrau und Geschäftsführerin des Kulturvereins

Der Kulturverein könne die Sperrung überbrücken, da die Vorbühne nutzbar sei. Kleinere Sinfonien könnten zu Gehör gebracht werden, etwa, weil Musiker in Logen gesetzt werden könnten. Auch andere kleinere Produktionen seien machbar.

Anders sehe es mit Theater oder Musicals freier Produzenten aus, die die ganze Bühne benötigen würden – wie etwa das Weihnachtsmärchen oder aber die Kindermusicals. „Eine Frage des Programms. Wir können damit leben“, so Harmening. Zumal davon auszugehen ist, dass in Zeiten von Corona ohnehin nicht mehr so viele Zuschauer in den Saal dürfen wie bisher.

Abschreibung der Kosten über 20 Jahre

„Wir müssen für Sicherheit sorgen, der Rathaussaal ist ein ganz entscheidender Saal für alles, auch für die Feuerwehr, die dort ihre Hauptversammlungen abhält“, brachte der Ausschussvorsitzende Axel Wohlgemuth (CDU) die Stimmung in der Politik auf den Punkt, die sich bei einer Gegenstimme des Ratsherrn Benjamin Stahlhut (SPD) für die außerplanmäßige Ausgabe aussprach.

Wie der Betriebsleiter zuvor ausgeführt hatte, wird der Wirtschaftsplan der Wirtschaftsbetriebe bei einer Abschreibungszeit von 20 Jahren jährlich nur mit rund 12.500 Euro belastet.

Von Raimund Cremers

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