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Bückeburg Stadt Wegen Baukonjunktur: Herder-Quartier ist noch immer nicht fertig
Schaumburg Bückeburg Bückeburg Stadt Wegen Baukonjunktur: Herder-Quartier ist noch immer nicht fertig
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17:38 08.10.2019
Markante Architektur: Der Neubau des Herder-Quartiers wirkt stadtbildprägend. Allerdings lief bei der Fertigstellung nicht alles nach Plan. Quelle: kk
BÜCKEBURG

Auf Nachfrage dieser Zeitung sagte Hein vom Projektentwicklungs- und Planungsbüro „VISION 12!“, dass einige „Juckepunkte“ inzwischen erledigt werden konnten. So sei der Kfz-Fahrstuhl in die Tiefgarage inzwischen in Betrieb genommen worden. Wie so häufig steckte auch hier der Teufel im Detail: Ein Ersatzteil sei nur mit Verzögerung lieferbar gewesen.

Gerade die Stellplätze in der Tiefgarage waren von vielen Mietern schmerzlich vermisst worden, die teilweise schon einige Monate in ihren Wohnungen leben. Ganz bewusst waren die 37 Wohnungen im Herder-Quartier nämlich auch für ältere und behinderte Nutzer barrierefrei konzipiert worden, acht sogar rollstuhlgerecht. Andere Beanstandungen würden jetzt nach nachgearbeitet.

Soziale Förderung

Ein Großteil der Wohnungen ist inzwischen bezogen, für einige werden noch Mieter gesucht. Eine Reihe von Wohnungen sind sozial gefördert, für diese müssen ein Wohnberechtigungsschein oder ein Behindertennachweis vorgelegt worden. Die Mietkosten fallen dann vergleichsweise günstig aus. Einige Interessenten hätten diese Dokumente allerdings nicht vorlegen können. Sie hätten wohl den Grad ihrer Bedürftigkeit überschätzt, so Hein. Leer stehen zum Beispiel noch einige Maisonette-Wohnungen über zwei Etagen, für Hein die schönsten im ganzen Haus.

Die TerraNova GmbH des Bremer Investors Norbert Dittel bewirbt das Herderquartier als Mehrgenerationenhaus in unmittelbarer Nähe von Stadtkirche, Fußgängerzone und Schlosspark. Besonders hingewiesen wird auf die barrierefreie oder behindertengerechte Ausstattung, Niedrigenergiestandard, ein günstiges Mieterstrommodell und eine große Gemeinschaftsdachterrasse.

Für Spätherbst 2018 geplant

Bei der Grundsteinlegung Ende 2017 – zu diesem Zeitpunkt liefen die Bauarbeiten bereits eine ganze Weile – war ein Fertigstellungstermin im Spätherbst 2018 avisiert worden. Dieser Plan habe sich nicht halten lassen, informierten Dittel und Hein bei einem Ortstermin vor gut einem Jahr. Grund: Hochkonjunktur auf dem Bau und die damit verbundene Schwierigkeit, Handwerker zu kalkulierbaren Preisen finden. Neue Zielvorgabe für den gesamten Komplex damals: Februar 2019. Bereits im Dezember 2018 hatte die Tagespflege der Diakonie ihr neues Domizil im ehemaligen Herderhaus bezogen, das ins „Quartier“ einbezogen ist.

Mit diesem Termin hatte auch Emidio Gaudioso geplant. Er will im Geschäftslokal im Erdgeschoss einen 300 Quadratmeter großen Friseursalon eröffnen. Er hat die Räume zwar inzwischen übernommen, seinen Angaben nach gibt es aber immer noch Unstimmigkeiten über Nachbesserungsarbeiten. „Ich bin traurig und enttäuscht“, so Gudioso im Gespräch mit dieser Zeitung. Für ihn seien die Verzögerungen „existenzgefährdend“ gewesen, da er ohne Salon dagestanden habe. Man habe improvisieren müssen und frisiere derzeit im Esszimmer seines Hauses in Obernkirchen. Ein dickes Lob: Mitarbeiter und Kunden zögen toll mit.

Defizite in der Bauleitung

Derzeit wartet Gaudioso noch auf die Einrichtung für seinen Salon, die er in Italien bestellt hat: „Das ging natürlich erst, nachdem ein Ende der Probleme absehbar war.“ Er rechnet nun für November mit der Neueröffnung. Noch bestehende Unstimmigkeiten, hofft er, im Gespräch mit Dittel ausräumen zu können. Defizite sieht er in Handwerkerleistungen und Bauleitung.

Grundsätzlich lobt Gaudioso das Herderquartier aber für Lage und Konzeption: „Supertop!“ Auch aus Mieterkreisen gibt es Lob, insbesondere für den Zuschnitt der Wohnung und die Zusammenarbeit mit dem Vermieter.

Eine rot-weiße Barke versperrt noch den kleinen Hofbereich zu Stadtbücherei. Dort soll in der zweiten Oktoberhälfte das historische Pflaster wieder hergestellt werden. Auch der Innenhof sei weitgehend fertiggestellt, so Wolfgang Hein. Von Karsten Klaus