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Bückeburg Stadt „Wir weisen niemanden ab“
Schaumburg Bückeburg Bückeburg Stadt „Wir weisen niemanden ab“
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08:53 24.10.2018
Quelle: kk
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Bückeburg

Gerade unter häuslicher Gewalt leiden nach wie vor zahlreiche Frauen und Kinder, häufig bleibt als Ausweg nur die Flucht aus der gewohnten Umgebung. Das hiesige Frauenhaus ist auf Unterstützung angewiesen. Der Erlös des alljährlichen „Kunstbazars“ in der Landfrauenschule ermöglicht Anschaffungen, die der „normale“ Etat nicht hergibt.

In einem Pressegespräch informierten jetzt Heidemarie Hanauske (Geschäftsführerin Awo-Kreisverband) und Gudrun Wolter (Vorsitzende Frauenhaus-Beirat) über den Basar und aktuelle Entwicklungen im Frauenhaus. 24 Künstlerinnen stellen am Sonntag, 4. November, aus. Besonders dankbar ist Hanauske dem Landkreis, dass die Awo keine Miete bezahlen muss. Daher wird für die Aussteller auch kein Standgeld fällig, sie spenden dafür 20 Prozent ihres Umsatzes ans Frauenhaus.

Viele Künstlerinnen halten der Awo schon seit Jahren die Treue. Für sie ist die Teilnahme inzwischen eine Herzensangelegenheit. Auch bei den Besuchern habe sich die Qualität der angebotenen Erzeugnisse und die tolle Atmosphäre in der Landfrauenschule herumgesprochen. Sie wüssten, dass sie dort auch manch nette Geschenkidee erwartet – obwohl Hanauske und Wolter ausdrücklich betonen, es handele sich nicht um einen Weihnachtsmarkt.

Eine weitere Einnahmequelle ist das üppig bestückte Kuchenbuffet, zu dem die Ausstellerinnen, der Frauenhausrat-Beirat und ehemalige Bewohnerinnen beitragen. Zum Kaffee spielt auch in diesem Jahr wieder Little Jazz.

Vor 30 Jahren ein illegitimer Eingriff

Der Erlös des Basars wird unter anderem zum Kauf von Spielzeug verwendet. Viele Frauen suchen nämlich gemeinsam mit ihren Kindern Schutz im Frauenhaus. Wie Wolter berichtet, wird die Einrichtung inzwischen allgemein akzeptiert, ihre Notwendigkeit nicht mehr wie in den Anfangsjahren infrage gestellt.

Noch vor 30 Jahren galt ein Eingriff in die Familie als nicht legitim, auch die Politik habe häusliche Gewalt kleingeredet. Inzwischen sei das „Standing“ der Frauenhäuser viel besser geworden. Am eigentlichen Problem, Gewalt und Missbrauch in der Familie oder Beziehung, habe sich jedoch wenig geändert.

Die Nachfrage nach Plätzen im Frauenhaus ist groß, kann nicht immer befriedigt werden. „Wir weisen aber niemanden ab, schicken niemanden nach Hause“, versichert Wolter. Die Frauenhäuser seien gut miteinander vernetzt, die vier Schaumburger Mitarbeiterinnen sehr engagiert. Es werde telefoniert und recherchiert, bis geeignete Plätze gefunden worden seien.

Zurzeit seien gar nicht unbedingt gestiegene Fallzahlen das Problem, sondern die längere Verweildauer der schutzbedürftigen Frauen und Kinder im Haus. Es werde nämlich immer schwieriger, für alle nach ihrem Aufenthalt geeigneten und vor allem bezahlbaren Wohnraum zu finden. kk