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Bückeburg Stadt Zu viele Beschränkungen durch „Natura 2000“ für die Hofkammer?
Schaumburg Bückeburg Bückeburg Stadt Zu viele Beschränkungen durch „Natura 2000“ für die Hofkammer?
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23:19 09.08.2019
15.000 statt wie üblich 3000 Raummeter Nadelholz sind in diesem Jahr bereits im Schaumburger Wald in der Verantwortung der Hofkammer gefällt worden. Quelle: rc
Bückeburg

Den Beschluss fasste der Kreistag als das zuständige parlamentarische Gremium. Dem Kreis gehört selbst ein nicht unbeträchtlicher Teil des Schaumburger Waldes.

Eine Entscheidung, die Alexander zu Schaumburg-Lippe als der zweite wesentliche Eigentümer eines großen Teiles des Schaumburger Waldes und die Fürstliche Hofkammer bereits bei der Entscheidung heftig kritisiert hatten. Er beziehungsweise die Hofkammer strengen seitdem ein Normenkontrollverfahren vor dem Oberverwaltungsgericht Lüneburg an. Von „kalter Enteignung“ und „massiven Eingriff in die Möglichkeiten der Waldbewirtschaftung“ war damals bei der Entscheidung des Kreistages die Rede.

Keine Douglasien

Vorwürfe, die jetzt beim Ortstermin wiederholt wurden und mit konkreten Beispielen unterfüttert wurden. Der Assistent der Geschäftsführung der Hofkammer, Alexander Trapp, wies darauf hin, dass laut der FFH-Richtlinie im Schaumburger Wald keine Douglasien angepflanzt werden dürfen – „der Baum mit dem höchsten Wertzuwachs“ und als Ersatz für Fichte und Kiefer ein Nadelbaum, der künftig eine wichtige Rolle übernehmen muss.

Die Eiche darf nur auf einem halben Hektar aufgeforstet werden, obwohl sie viel Licht braucht und in der Regel auf mindestens einem Hektar aufgeforstet werden soll, um sich durchsetzen zu können. Holzabfuhr darf nur im Winter erfolgen, obwohl es dringend nötig ist, dass etwa vom Borkenkäfer befallenes Holz jetzt im Sommer aus dem Wald geholt wird, bevor der Käfer auf andere Bestände überspringt. Abholzen im Sommer, um dem Borkenkäfer zuvorzukommen, wird ebenfalls von der FFH-Richtlinie untersagt.

Ins Korsett gezwungen

Trapps Fazit zur Neufassung des Landschaftsschutzgebietes Schaumburger Wald: „Wir sind nicht handlungsfähig, wenn wir auf den Klimawandel reagieren wollen. Wir werden in ein Korsett gezwungen.“ Es dürfe nicht sein, dass der Forstwirtschaft vorgeworfen wird, nicht rechtzeitig auf den Klimawandel reagiert zu haben.

Die Antwort Beermanns: Das komme dabei heraus, wenn Politik nicht begreife, dass auf die Expertise von Fachleuten zurückgegriffen werden sollte und nicht nur auf zum Teil auch noch selbst ernannte Naturschützer gehört werde. „Das ist ein Problem.“ Und Thomas Weßling ergänzte: „Wir sind jetzt an einem Punkt, wo Land- und Forstwirtschaft gleichgesetzt werden müssen.“ Beermanns Lösungsvorschlag: Es müsse Prozessdenken hereinkommen, es müsse auf Veränderungen geachtet und es müsse das Handwerkszeug angepasst werden.

Von Raimund Cremers