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Bückeburg Stadt Zwei Langfinger, die es nicht können
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21:57 11.10.2019
Die beiden Brüder haben acht Sonnenbrillen für insgesamt rund 1050 Euro mitgehen lassen. Quelle: dpa
Bückeburg

Einer von ihnen hat bereits zehn Vorstrafen im Register, sechs davon wegen einschlägiger Delikte. Zuletzt war er nach einem anderen Ladendiebstahl erwischt worden. „Sie sollten das besser lassen, denn sie können es nicht“, gab Richter Dr. Dirk von Behren dem Portaner (36) mit auf den Weg.

Der ältere Bruder (39) des Mannes ist ebenfalls vorbestraft, wenn auch nicht so häufig. Außerdem liegt die letzte Verurteilung bei ihm rund 13 Jahre zurück. Aus diesen Gründen muss er weniger zahlen. Verhängt hat das Gericht gegen die arbeitslosen Täter Geldstrafen von 1200 und 700 Euro, was in einem Fall vier Monatseinkommen entspricht, im anderen 70 Tagessätzen. Strafen von mehr als 90 Tagessätzen tauchen im polizeilichen Führungszeugnis auf.

Flucht durch Bückeburg

Im Prozess ging es um zwei Taten am frühen Abend des 11. Oktober 2018, verübt im Abstand von einer Viertelstunde in verschiedenen Brillengeschäften. In beiden Läden zusammen hatten die Diebe acht Sonnenbrillen für insgesamt rund 1050 Euro mitgehen lassen.

Der jüngere Bruder konnte damals zunächst entkommen. Er hatte in einem Geschäft an der Langen Straße fünf Brillen eingesteckt, während sein älterer Bruder das Verkaufspersonal in ein Gespräch verwickelte. Auf seiner Flucht wurde der Langfinger vom Ladeninhaber und einer zufällig anwesenden Polizistin aus Minden verfolgt. Im Bereich der Stadtkirche verloren die Verfolger ihn vorübergehend aus den Augen.

Später kamen Beamte aus Bückeburg hinzu, die dem Mann über die Parkpalette in Richtung Schloss nachjagten, ihn einholten, zu Boden brachten und festnahmen. Bei der Durchsuchung des Mannes wurden auch die drei Sonnenbrillen aus einem anderen Geschäft gefunden, die der 36-Jährige vorher gestohlen hatte.

Gewerbsmäßigkeit hätte zu höherer Strafe geführt

Gewerbsmäßigkeit ließ sich vor Gericht nicht nachweisen. Dies hätte zu einer höheren Strafe geführt. Verurteilt wurden beide Männer wegen einfachen Diebstahls. Die Anklage war zunächst von einer gewerbsmäßigen Begehung der Taten ausgegangen, weil der 36-Jährige bei der Polizei zu Protokoll gegeben hatte, er habe Geldprobleme wegen seiner Ex-Frau.

„Da lag es nahe, dass der Angeklagte die Taten begangen hat, um sich eine Einnahmequelle zu verschaffen“, so Richter Dirk von Behren in der Urteilsbegründung. „Aber bei gewerbsmäßigem Diebstahl muss dies eine fortlaufende Einnahmequelle von einer gewissen Dauer sein. Und das konnten wir dem Angeklagten nicht nachweisen.“ Beide Männer hatten die Taten eingeräumt, den Vorwurf der Gewerbsmäßigkeit jedoch stets bestritten. ly