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Bückeburg Stadt Zwischen Moral und Rationalität
Schaumburg Bückeburg Bückeburg Stadt Zwischen Moral und Rationalität
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17:55 04.03.2013
Karl-Hinrich Manzke (von links), Gerhard Ulrich und Friedrich Weber berichten von der Bischofskonferenz der VELKD. Quelle: bus

Von Herbert Busch

Bückeburg. Gastgeberin der nicht öffentlichen Tagung war, zum zweiten Mal nach 2004, die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Schaumburg-Lippe.

 Weitere Themen der Zusammenkunft, an der auch Vertreter lutherischer Partnerkirchen teilnahmen, waren die Arbeit der VELKD im Rahmen des kirchlichen Verbindungsmodells mit der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der Union Evangelischer Kirchen (UEK). Darüber hinaus hörten die Tagungsbesucher Vorträge von Ulrich Thielemann (Berlin, „Integrative Wirtschaftsethik als kritische Reflexion des Geltungsanspruchs ökonomischer Rationalität“) und von Professor Heinrich Bedford-Strohm (München, „Theologische Impulse Martin Luthers für die ethische Urteilsbildung der Kirchen angesichts von ökonomischen Herausforderungen in der Gegenwart“).

 Wie Gerhard Ulrich (Kiel, Leitender Bischof der VELKD), Professor Friedrich Weber (Wolfenbüttel, Catholica-Beauftragter der VELKD) und der Bückeburger Bischof Karl-Hinrich Manzke im Rahmen einer Pressekonferenz hervorhoben, hat in den Debatten der Widerspruch zwischen Moral und Rationalität eine der dominierenden Rollen gespielt. „Wer Gewinnmaximierung nicht nur als ein anzustrebendes Ziel allen Wirtschaftens in den Raum stellt, sondern auch noch sagt, das ist ethisch und moralisch gut, weil es rational ist, weil es der Rationalität des Marktes folgt, der hat sich eigentlich schon außerhalb jeder ethischen Debatte gestellt“, erläuterte Ulrich.

 Der Leitende Bischof: „Die Spannung zwischen Moral und Rationalität betrifft einen Bereich, in dem wir als Kirchen mit einem klaren Menschenbild, mit einem klaren Bild vom Miteinander und mit einer klaren Positionierung, was Gerechtigkeit bedeutet, unsere Stimme zu erheben haben.“ Die Argumentation von Martin Luther, das habe Bedford-Strohm vor Augen geführt, ziele immer auf den Menschen. Wir benötigten eine Wirtschaft, die dem Menschen diene und nicht umgekehrt, und „ein Wirtschaftskonzept, das nicht nur den Gewinn und das grenzenlose Wachstum, sondern immer auch den Menschen, der Teil des Wirtschaftens ist, im Blick hat.“

 „Wir werden“, kündigte Ulrich an, „weiterhin Partei ergreifen für die, die in der Ökonomisierung aller Lebensbereiche über den Tellerrand kippen, die nicht wissen, wie sie zurecht kommen sollen.“ Und: „Wir müssen zu einer Form des gerechten Wirtschaftens kommen, welche die Starken stärker belastet als die Schwachen.“ Solange Geiz als geil gelte, sei die Gier die einzige konsequente Lebensform.

 Mit Blick auf den Veranstaltungsort meinte der Leitende Bischof, dass es wichtig für die Konferenz sei, in die Regionen hineinzugehen und die Nähe zu den Gemeinden und Landeskirchen zu suchen. „Größe allein kann kein bestimmendes Argument für die Zukunft unserer Kirchen sein“, betonte Ulrich. Gerade auch die kleineren Landeskirchen könnten für die lutherische Familie einen großen Beitrag leisten. „Sie dürfen gerne wiederkommen“, gab Landesbischof Manzke den Gästen zu verstehen.