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Bückeburg Stadt ver.di ruft zum Warnstreik am Krankenhaus auf
Schaumburg Bückeburg Bückeburg Stadt ver.di ruft zum Warnstreik am Krankenhaus auf
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19:43 23.01.2012
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Bückeburg (kk). Der Hintergrund: Diakonische Träger bezahlen ihre Mitarbeiter zum Teil schlechter als andere Arbeitgeber – und sprechen ihnen auch das Streikrecht ab. Es wäre der erste Streik am Krankenhaus Bethel überhaupt.

Um die Beeinträchtigungen für Patienten so gering wie möglich zu halten, hat ver.di der Krankenhausleitung den Abschluss einer „Notdienstvereinbarung“ angeboten, damit die Versorgung zumindest auf Sonn- und Feiertagsniveau festgeschrieben werden kann. „Wir haben allerdings darauf keine Rückmeldung erhalten“, bedauert Brigitte Horn von ver.di in Hannover. Sonderlich verwundert ist die Gewerkschaftlerin darüber allerdings nicht: In ähnlichen Fällen hätten Krankenhausleitungen in Niedersachsen genauso reagiert. Nach ihren Angaben ist im Krankenhaus Bethel ungefähr ein Drittel der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gewerkschaftlich organisiert.

Horn ist zuversichtlich, dass diese auch von ihrem Streikrecht, auf dem die Gewerkschaft beharrt, Gebrauch machen werden. Diese müssten nur ihre Vorgesetzten von ihrer Teilnahme am Streit informieren, die müssten die Vertretung organisieren.

Im April 2011 sind nach Gewerkschaftsangaben die Verhandlungen über einen sogenannten „Dritten Weg“ für die rund 30 000 Diakonie-Beschäftigten in Niedersachsen ergebnislos beendet worden. Die Arbeitgeber hätten sich, trotz mehrfacher Aufforderung, mit ver.di einen Tarifvertrag abzuschließen, unbeweglich gezeigt, so die Gewerkschaft. Forderungen nach einer Lohnerhöhung, einer Arbeitsentlastung, verbessertem Gesundheitsschutz und einem Tarifvertrag sei eine Absage erteilt worden.

„Wir lassen uns unser Streikrecht nicht nehmen. Diakoniebeschäftigte müssen auch alle negativen Folgen von Wettbewerb und Kostendruck tragen. Auch für sie steigen die Lebenshaltungskosten. Ihnen stehen die gleichen Rechte zu, wie allen abhängig Beschäftigten in Deutschland“, so Aysun Tutkunkardes, ver.di Gewerkschaftssekretärin. Der Hintergrund: Das Landesarbeitsgericht Hamm hatte entschieden hat, dass das Streikrecht auch für Beschäftigte in Kirchen und Diakonien gilt. Synoden der evangelischen Kirche dagegen beschlossen, Streiks im kirchlichen Arbeitsrecht zu verbieten.

Tutkunkardes: „Deshalb greifen die Beschäftigten nun zum letzten Mittel, um ihre berechtigten Forderungen durchzusetzen – und sie tun dies auch zum ersten Mal in der Geschichte des Krankenhauses Bethel.“

Günter Hagenhoff, Verwaltungsleiter des Krankenhauses Bethel, erklärte gestern auf Nachfrage, dass sich überhaupt noch nicht abschätzen lasse, wie viele Mitarbeiter überhaupt am Streik teilnehmen würden. In jedem Fall werde die Patientenversorgung aber sicher gestellt. Wer für Mittwoch einen Termin im Krankenhaus Bethel habe, solle sich nicht verunsichern lassen und diesen ganz normal wahrnehmen.