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Ahnsen Altes Sägewerk in Ahnsen: Entstehen hier Ein- und Mehrfamilienhäuser?
Schaumburg Eilsen Ahnsen Altes Sägewerk in Ahnsen: Entstehen hier Ein- und Mehrfamilienhäuser?
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09:03 05.09.2019
Auf dem Gelände des ehemaligen Sägewerkes sollen neue Ein- und Mehrfamilienhäuser gebaut werden. Quelle: wk
Ahnsen

Ein Aushängeschild für das Dorf Ahnsen ist das an der Schulstraße gelegene ehemalige Sägewerk nicht. Ganz im Gegenteil: Die heruntergekommenen Gebäude und das ungepflegte Gelände sehen mittlerweile geradezu trostlos aus – ein Schandfleck im Dorf. Doch scheint es nun eine vielversprechende Entwicklungsperspektive für das rund 1,6 Hektar große Areal zu geben.

Denn nach Information der Gemeinde gibt es einen Investor, der auf dem Gelände mehrere Ein- und auch Mehrfamilienhäuser für den sozialen Wohnungsbau errichten möchte. Entstehen sollen insgesamt circa zwanzig Wohneinheiten. Zuvor müssen laut der Verwaltung freilich erst die vorhandenen Altgebäude, ein dort noch stehender hoher Schornstein und eine Krananlage abgerissen sowie die Fundamente und die auf dem Gelände angelegten Verkehrswege zurückgebaut werden. Zudem muss all dies entsorgt werden.

Beteiligt sich die Gemeinde?

Bei der jüngsten Sitzung des Gemeinderates war zu entscheiden, ob sich die Gemeinde an den Abrisskosten beteiligen sollte, um die Entwicklung des Sägewerk-Geländes zu unterstützen. Laut Beschlussvorlage ist für den Abriss der Gebäude und Anlagen gegebenenfalls ein finanzieller Zuschuss in Höhe von bis zu 50000 Euro aus dem sogenannten Leader-Förderprogramm der EU möglich. Voraussetzung sei, „dass sich die Gemeinde mit einer öffentlichen Kofinanzierung von 6250 Euro beteiligt“. Die Gesamtbruttokosten für die Maßnahme bezifferte die Verwaltung auf 291550 Euro. Seitens der Gemeinde wurde daher vorgeschlagen, die Kofinanzierung für den Abriss sicherzustellen und sich zu 50 Prozent (höchstens 10000 Euro) an den entstehenden Planungskosten für das Baugebiet zu beteiligen.

„Ich sehe das als große Chance für Ahnsen, wenn diese Industriebrache verschwindet“, sagte Gemeindedirektor Bernd Schönemann. Die Zufahrt zu dem neuen Wohngebiet sollte dann über den Schlesierweg erfolgen, nicht jedoch über die Schulstraße. An möglichen Vorteilen für die Gemeinde nannte er ferner die infolge des Wohnungsbaus steigende Einwohnerzahl sowie dadurch bedingte Steuermehreinnahmen hinsichtlich des Gemeindeanteils an den Einkommensteuern.

Abriss mit Risiken verbunden

Der Abriss der Gebäude und Anlagen sei die Voraussetzung für den Neubau, betonte Schönemann. Ihm zufolge sei das Ganze allerdings auch mit Risiken verbunden, da das Gelände beispielsweise mit Öl belastet sein könnte. Denn früher soll dort mal eine kleine Tankstelle gestanden haben.

Auf Anfrage dieser Zeitung berichtete Schönemann später, dass das Sägewerk-Gelände im Eigentum zweier Brüder, Hans und Fritz Möller, stehe; diese hätten eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) gegründet.

Kein persönlicher Kontakt zu Möller

Weniger begeistert zeigte sich bei der Ratssitzung Wolfgang Faulhaber, Ahnsens stellvertretender Bürgermeister: Er sei „nicht uneingeschränkt dafür“, dass sich die Gemeinde finanziell beteilige, erklärte der Sozialdemokrat. Seine Haltung begründete er damit, dass „Herr Möller“ mit dessen Bruder eine GbR gegründet habe, sich bislang nicht beim Gemeinderat habe sehen lassen, wohl aber jetzt das Geld haben wolle. „Da hätte ich schon erwartet, dass sich Herr Möller hier mal blicken lässt und seine Planungen vorstellt“, verdeutlichte Faulhaber.

Hierauf erwiderte Schönemann, dass Herr Möller dies durchaus vorgeschlagen habe. Doch habe er Möller gesagt, dies sei nicht notwendig, er könne selbst über die Pläne informieren. Kritisch äußerte sich zudem Volker Wiehe (SPD-Ratsfraktion): Er habe „nicht so ein gutes Gefühl“. Denn das Geld fließe an eine Person, der man damit „auf die Füße“ helfe, obwohl das Ganze deren Problem sei.

Chance für Ahnsen

„Es ist ja auch die Aufgabe unserer Ratsarbeit, die Gemeinde nach vorne zu bringen“, wandte Robert Pavlista ein, der in eben dieser Ratssitzung neu ins Amt gewählte zweite Bürgermeister. Mit dem ehemaligen Sägewerk habe man „mitten im Ortskern eine Industrieruine“, die nicht besser werde. Und rund 300000 Euro für den Abriss seien von einer Privatperson schwer zu stemmen. Zudem glaube er nicht, dass Möller mit diesem Vorhaben einen großen Reibach mache.

Für das Dorf Ahnsen sei dies eine Chance, pflichtete Dieter Gutzeit (CDU) bei, und schob hinterher: „Sind Bauchschmerzen nun wichtiger als das Fortkommen der Gemeinde, eine Ruine wegzubekommen?“ „Es ist eine Chance, unser Dorf weiterzuentwickeln“, bekräftigte Ahnsens Bürgermeister Harald Niemann. Dabei müsse Möller hinsichtlich der Abrisskosten gut 250000 Euro selber aufbringen, auch trage Möller das Risiko. Die Gemeinde indes würde im schlimmsten Falle lediglich rund 16000 Euro zahlen.

Gemeinde beteiligt sich

„So was kann man sich eigentlich nicht entgehen lassen“, warb Schönemann. Und die Frage sei doch: Wolle man Möller ermöglichen, über das Leader-Förderprogramm 50000 Euro für den Abriss zu erhalten?

Bei der Abstimmung votierte der Gemeinderat mit sechs Ja- bei zwei Nein-Stimmen (Faulhaber und Wiebe) dafür, dass sich die Gemeinde mit einem Betrag in Höhe von 6250 Euro an dem Leader-Projekt „Abriss des ehemaligen Sägewerks in Ahnsen“ sowie mit 50 Prozent (höchstens 10000 Euro) an den Planungskosten für das dann folgende Baugebiet beteiligt. von Michael Werk