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Ahnsen Zeitzeugen-Berichte im Ahnser Harrlstollen
Schaumburg Eilsen Ahnsen Zeitzeugen-Berichte im Ahnser Harrlstollen
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23:14 28.05.2019
 An rustikalen Tischen lauschen die Besucher der Lesung. Quelle: wk
Ahnsen

Als Ort diente der Ahnser Harrlstollen, in dem während des Zweiten Weltkriegs eine geheime Kopieranlage von Focke-Wulf untergebracht war. Der deutsche Flugzeugherstellers betrieb im Kurort Bad Eilsen eine Entwicklungsabteilung.

Die Resonanz überstieg die Erwartungen der Organisatoren. Schon lange vor dem Termin war diese besondere Ausgabe der Veranstaltungsreihe ausverkauft gewesen. Mehr als 80 an der Geschichte des ehemaligen Steinkohlebergwerks Interessierte wollten dabei sein. Aufgrund des begrenzten Platzangebots konnten jedoch nur rund 40 Besucher teilnehmen.
Zur Stärkung gab es erst einmal eine Suppe. Angesichts der kühlen Temperatur, die in der Unter-Tage-Anlage herrscht, dürfte den Teilnehmern diese warme Mahlzeit genau recht gewesen sein.

Dann lasen die Initiatoren und Vorstandsmitglieder des Vereins, Friedrich Winkelhake und Dieter Gutzeit, aus Aufzeichnungen zweier damaliger Focke-Wulf-Mitarbeiter. Ein Franzose und eine Estin berichteten von ihrer Arbeit in Bad Eilsen sowie im Ahnser Harrlstollen. Zu der urigen Atmosphäre in dem nur spärlich beleuchteten, langen, schmalen Raum trugen kleine Lichter bei, platziert auf rustikalen Tischen. Sitzen konnten die Teilnehmer auf einfachen Bänken.

Dieter Gutzeit liest einige Passagen aus den Aufzeichnungen zweier damaliger Focke-Wulf-Mitarbeiter. wk

„Es ist ein besonders toller, historischer Ort“, erklärte Winkelhake zum Auftakt. Zudem würdigte er das Engagement des neuen Harrlstollen-Eigentümers Daniel Schmidt und dessen vieler Mitstreiter, die die Untertage-Anlage in ihrer Freizeit zu einem Besucherbergwerk ausbauen. Was diese gemeinsam leisten, sei „große Klasse, das kann man kaum beschreiben“.
Zu der Lesung der Zeitzeugen-Berichte steuerte Winkelhake zudem eigene Recherchen und auch ein paar Anekdoten bei. So erinnerte er etwa an seinen vor etlichen Jahren in der Zeitung veröffentlichten und von einigen Lesern tatsächlich ernst genommenen April-Scherz, das legendäre Bernsteinzimmer sei im Harrlstollen versteckt.

Schmidt informierte darüber, dass in dem Ahnser Bergwerk um 1885 herum mit dem Abbau der Steinkohle begonnen worden sei. Herausgeholt wurde demnach Kohle aus der sogenannten Wealden-Zeit, also Kohle, die rund 145 Millionen Jahre alt ist. Zum Vergleich: Die im Ruhrgebiet geförderte Steinkohle stammt aus der Karbon-Zeit und ist somit etwa 365 Millionen Jahre alt.
Erstmals ist der Betrieb im Harrlstollen Schmidt zufolge 1925 eingestellt worden. Während des Dritten Reichs sei der Kohleabbau kurzzeitig wieder aufgenommen worden. 1942 sei dann der für die Nutzung der Anlage durch Focke-Wulf erforderliche Ausbau erfolgt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ist nach Aussage von Schmidt bis ungefähr 1948 noch ein bisschen Notbergbau „auf eigene Faust“ im Harrlstollen betrieben worden. Danach sei die Anlage in einen Dornröschenschlaf verfallen, bis im Jahr 2017 „ein paar Verrückte aus dem Ruhrgebiet“ gekommen seien, um den Harrlstollen zu einem Besucherbergwerk auszubauen. Wenn das Projekt fertiggestellt ist, wird es dort nach seinen Worten zusätzlich zu den Räumen der ehemaligen Focke-Wulf-Anlage eine rund 2,4 Kilometer lange Strecke zu besichtigen geben. Besucher können sie auf einem Rundweg begehen. wk