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Bad Eilsen 100 Pakete im Gepäck
Schaumburg Eilsen Bad Eilsen 100 Pakete im Gepäck
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08:32 21.06.2018
Informationen direkt vor Ort: Reinhard Meier im Gespräch mit Schülerinnen und Schülern aus Swonez.
Informationen direkt vor Ort: Reinhard Meier im Gespräch mit Schülerinnen und Schülern aus Swonez. Quelle: pr.
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Bad Eilsen

So reisen etwa jedes Jahr Gemeindemitglieder in durch die Reaktorkatastrophe stark verstrahlte Regionen, um Familien und sozialen Einrichtungen Geschenke (diesmal 100 Pakete) und Spendengelder zu überbringen. Mit dem Geld können Eltern Medikamente, Obst sowie Vitamin- und Mineralpräparate für ihre Kinder kaufen.

Acht Tage waren Pastor Hendrik Blank sowie die ehrenamtlichen Mitstreiter Reinhard Meier, Bianca Meier-Heimstädt, Günther Bergmann und Christel Bergmann diesmal unterwegs. Davon gingen allein für die Hin- und Rückfahrt je zwei Tage drauf. Die mit der insgesamt rund 3800 Kilometer langen Tour verbundenen „Strapazen“ in Form der langen Wegstrecke, hohen Außentemperaturen und Grenzproblemen wurden durch die „positiven Erlebnisse, die dankbaren Menschen, die schöne, aber leider verstrahlte Landschaft und die herzliche Gastfreundschaft“ mehr als aufgewogen, resümiert Christel Bergmann.

Treffen mit Patenkindern

Das erste Ziel der Reise war die in circa 150 Kilometer Entfernung vom havarierten Tschernobyl-Reaktor gelegene Stadt Mozyr. Dort sei vor 32 Jahren ein Großteil der radioaktiven Wolke niedergegangen, erklärt die Bad Eilserin. „Wir trafen uns mit Patenkindern, die in dieser Gegend wohnen, und führten Interviews, um ihre jeweilige Situation kennenzulernen und unsere Kartei zu vervollständigen.“

Weiter ging es nach Retschyza, wo die Helfer ebenfalls Gespräche mit Kindern und deren Eltern führten. Dabei hörten sie, dass die Anzahl der Krebserkrankungen wieder gestiegen sei, unter anderem würden vermehrt Augen-, Nieren- und Gehirntumore auftreten.

„Die Eltern fragten nach Vitaminen, Kalzium, Magnesium und guten Medikamenten, da meist auch die Abwehrkräfte fehlen und ständig Nebenerkrankungen auftreten“, erzählt Bergmann. „Mehrere Kinder sind als Invaliden eingestuft worden.“ Dabei würden die meisten betroffenen Mädchen und Jungen von den Ärzten als „austherapiert“ eingestuft – mit der Folge, dass sie keine Hilfe mehr erhalten.

Besucht wurde zudem eine lokale Hilfsorganisation, die derzeit mehr als 400 krebskranke Kinder betreut: „Alle haben sich riesig über die mitgebrachten Patengeschenke gefreut und ihre Dankbarkeit gezeigt – durch herzliche Umarmungen, liebe Worte, kleine Aufführungen und oft auch Tränen in den Augen“, so Bergmann. Außerdem habe man ein neun Jahre altes, querschnittsgelähmtes Kind kennengelernt, das „Hilfe dringend nötig“ habe und noch einen „Paten“ suche.

Geschenke und Spendengelder

Nach einem Halt in der Stadt Gomel, wo ebenfalls Geschenke und Spendengelder an Familien übergeben wurden, erreichte die Reisegruppe das Patendorf der Kirchengemeinde: Swonez. Dort besuchten die fünf Schaumburger unter anderem den Kindergarten und das „Ambulatorium“ (ärztliches Behandlungszentrum) der Gemeinde.

„Hier war die Dankbarkeit besonders hoch. Wir hatten für den Zahnarzt und die Station viel mitgebracht. Die Ärztin berichtete über viele Patienten mit zu hohem Blutdruck, Abwehrkräfte-Mangel und Nierenproblemen“, so Bergmann. „Die Schule und der Kindergarten erhielten außer den Spendengeldern auch Geräte für den Sportunterricht.“

Zu guter Letzt ist der Bad Eilserin noch wichtig, eines zu erwähnen: „Unsere privaten Kosten hielten sich in Grenzen.“ Und an die hiesigen Spender adressiert betont die Ehrenamtliche: Alle Gelder seien zweckmäßig und sinnvoll eingesetzt worden und allesamt bei den bedürftigen Stellen angekommen. wk