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Bad Eilsen „Dodo des Monats“ verliehen
Schaumburg Eilsen Bad Eilsen „Dodo des Monats“ verliehen
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22:31 20.09.2009
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Bad Eilsen. Zwei Kirchengemeinden hatten sie auf ihrer Agenda (wir berichteten) und Dank des Internets wird die Kontroverse um das Für und Wider der Esoterik-Messe sogar deutschlandweit geführt. Während das „Esoterik-Forum“ seinen Fans wegen der „wunderbaren Aussteller“ die Fahrt nach Bad Eilsen empfiehlt, verleiht eine „Brights“ genannte Gemeinschaft von Esoterik-Gegnern Bürgermeisterin Christel Bergmann in einer Online-Abstimmung den „Dodo des Monats“. Besagter Dodo ist ein ausgestorbener Vogel, dessen Aussehen an einen Pleitegeier erinnert.
Bergmann bekommt das virtuelle und von einem Lorbeerkranz umrahmte Federvieh, „weil sie die Messe unterstützt“. „Hirn zu… Geldbeutel auf! Und das mit dem Segen der Bürgermeisterin. Schade… sehr schade“, heißt es dazu.
Skurrile Blüten treibt die Messe aber auch an den Veranstaltungstagen selbst: Während die Aussteller sie mit einem gemeinsamen Frühgebet beginnen, malen christliche Fundamentalisten einen mit Schwert, (Glaubens-)Schild und Bibelsprüchen bewehrten Rittersmann auf einen Spiegel, stellen ihn vor dem Kursaal auf. Dessen Botschaft indes wirkt ebenso abgehoben wie diejenige vieler Esoteriker im Inneren, die ihre Dienstleistungen dort gratis oder für ein Handgeld anbieten – wer die „Antenne“ nicht hat, schüttelt nur den Kopf.
Doch wie auch immer. Fakt ist: Elke Dralle, welche die von der Gemeinde verantwortete Messe mit Herzblut organisiert und die Aussteller von Hand verliest, lässt sich auch von Menschen, die sie am Telefon mit missionarischem Eifer zu einer Absage drängen, nicht beirren. Wenn sie sich dabei wirklich von einem „Engel-Medium“ den Rücken stärken lässt, wie manche spotten … Na ja.
Ungeachtet dessen ist die Esoterik-Messe in der Bilanz Dralles mit etwa 600 Besuchern nicht nur kommerziell ein Erfolg, sondern geht auch mit Blick auf die Außenwirkung auf: Bereits im Vorfeld werden Eintrittskarten für „Eilsen“ bei Ebay gehandelt. Zur Messe kommen dann nicht nur viele Schaumburger, sondern auch Menschen aus Bielefeld, Herford und Gütersloh. Letztere können einem allerdings leidtun, denn: „Die Messe ist wirklich schlecht ausgeschildert, der Kursaal für Auswärtige kaum zu finden“, wie die Organisatorin selbstkritisch einräumt.
Gleichwohl ist es am Wochenende im Kursaal im Großen und Ganzen so, wie es ein Bad Eilser in dem Esoterik-kritischen Internetblog beschwichtigend prophezeit hat: „Es wird keine Teufelsanbeter geben, kein Gläserrücken und keine schwarzen Messen – nur ein paar Bücher, Edelsteine, Tarot-Karten, Räucherstäbchen und jede Menge kurzhaarige Damen im mittleren Alter, die sich über Engel austauschen.“
In diesem Sinne sind viele der Esoterikangebote vom Wochenende Placebos. Sie wirken – an sich – nicht. Außer man hat den Glauben, der ja bekanntlich Berge versetzen soll – und das Geld, ihn sich zu leisten. tw

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