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Bad Eilsen Eine ausweglose Situation
Schaumburg Eilsen Bad Eilsen Eine ausweglose Situation
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20:35 10.05.2017
Mehr als nur enttäuscht: Markus und Kathleen Beißner haben gehofft, dass ihr Sohn Maximilian einen Platz im Hort der Kindertagesstätte „Emmaus“ (hinten im Bild) bekommt. Quelle: wk
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EILSEN

Seit Maximilian zwei Jahre alt ist, besucht er die kirchliche KindertagesstätteSinai“ in Heeßen, in der seit zwei Jahren auch dessen Schwester Katharina (3) betreut wird. Diese Ganztagsbetreuung ermöglicht es Markus und Kathleen Beißner, dass sie selbst beide in Vollzeit berufstätig sind.

„Unsere Arbeitszeiten verlangen es, dass wir unsere Kinder bis 17 Uhr betreuen lassen“, berichtet der Familienvater. Daher hätten sie ihren Sohn auch frühzeitig für eine Nachmittagsbetreuung in dem direkt neben der Heeßer Grundschule gelegenen Hort der – ebenfalls unter der Trägerschaft der Kirchengemeinde Bad Eilsen stehenden – Kindertagesstätte „Emmaus“ angemeldet. Dass es diesbezüglich Probleme geben könnte, damit hatten sie indes nicht gerechnet.

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Eltern wurde versichert, es gebe genug Plätze

Zumal dieses Thema auch während der in der Kindertagesstätte ausgerichteten Informationsabende angesprochen wurde, an denen den Eltern das weitere Vorgehen bis zur Einschulung erklärt wurde. Dort sei ihnen nämlich gesagt worden, dass die Schule nach dem Unterricht noch eine Betreuung bis 12.45 Uhr bietet; ergänzend gebe es die Möglichkeit, das Kind im Hort der Kindertagesstätte „Emmaus“ betreuen zu lassen, so Markus Beißner. „Wir sollten uns darum jedoch keine Gedanken machen. Es wurde explizit darauf hingewiesen, das es genug Plätze gebe. Sollten es doch nicht genug sein, würden die Kinder der dann vierten Klassen gegebenenfalls Platz machen.“

Vor ein paar Wochen erhielten sie jedoch ein Schreiben, in dem ihnen mitgeteilt wurde, dass Maximilian keinen Hortplatz bekommen hat: „Eine Welt ist für uns zusammen gebrochen“, sagt Markus Beißner. Auf ihre Nachfrage hin seien sie dann noch darüber informiert worden, dass man Maximilian auf eine Warteliste setze und dass es in der Umgebung einige Tagesmütter gebe, die ältere Kinder betreuen würden. Doch eine Alternative ist dies in seinen Augen nicht, denn: „Vereinzelt gibt es wohl wirklich Tagesmütter, die Schulkinder betreuen, jedoch sind die Plätze entweder seit Langem besetzt, oder die Preise sind so hoch, das meine Frau nur noch für die Betreuung der Kinder arbeiten gehen würde.“

Einen anderen Schülerhort gibt es nicht

„Wir befinden uns in einer ausweglosen Situation“, resümiert Markus Beißner. Denn wie sollen er und seine Ehefrau denn nun Beruf und Familie miteinander vereinbaren, da sie keine Nachmittagsbetreuung für ihren Sohn haben? In diesem Zusammenhang weist er darauf hin, dass auch noch andere Kinder, die in diesem Jahr an der Grundschule Heeßen eingeschult werden, keinen Hortplatz in der Kindertagesstätte „Emmaus“ erhalten haben. Ein Problem, das sich nun von Jahr zu Jahr weiter entwickeln werde, weil etliche Kinder auf der Warteliste stehen und mit jedem zukünftigen Einschulungsjahrgang weitere Mädchen und Jungen in dem Hort angemeldet werden. Einen anderen Schülerhort in der Samtgemeinde Eilsen gibt es übrigens nicht.

Strottmann: Das Personal ist am Limit

„Die Not der Eltern kann ich durchaus verstehen“, sagt Stephan Strottmann, der für die beiden Kindertagesstätten (einschließlich Hort) zuständige „Kindergartenbeauftragte“ der Kirchengemeinde Bad Eilsen. „Insgesamt sieben Kinder haben leider eine Absage erhalten.“ Aber das Problem sei eben, dass alle 40 Hortplätze in der Kindertagesstätte „Emmaus“ – davon 20 mit einer Betreuung bis maximal 17.30 Uhr – belegt sind. Und die Einrichtung zusätzlicher Hortplätze sei nicht möglich, da im Frühjahr 2018 die Anzahl der Krippen- und Kindergartenplätze ausgeweitet werden soll, womit die beiden Kindertagesstätten dann jedoch räumlich und personell „am Limit“ seien. Eine Ausweitung der Hortplätze sei somit „unter unserem Dach nicht leistbar“.

Hierzu ergänzt Pastor Strottmann, dass Eltern gegenüber der Kommune zwar gemäß dem Kinderförderungsgesetz einen Rechtsanspruch auf einen Krippen- oder Kindergartenplatz für ihre Kinder haben, nicht jedoch auf einen Hortplatz. Lediglich in Sachen Krippen- und Kindergartenbetreuung hat die Kommune also eine „Bringschuld“, zu deren Erfüllung sich die Samtgemeinde Eilsen die Kirchengemeinde als Träger der beiden Kindertagesstätten „Emmaus“ und „Sinai“ gesucht hat.

Eltern könnten sich privat unterstützen

Auf Nachfrage räumt der Theologe ein, dass man in dem mit drei Kirchenvertretern, drei Samtgemeindevertretern und einem Elternvertreter besetzten Kindergartenausschuss schon „seit Jahren“ immer wieder darüber gesprochen habe, dass es mit den Hortplätzen „eng“ werde. Doch derzeit stoße man diesbezüglich halt an Grenzen. Denn um mehr Hortplätze anbieten zu können, bräuchte man ein neues Gebäude. „Ich sehe leider im Moment keine Lösung“, bedauert Strottmann. Außer vielleicht die, dass sich die betroffenen Eltern privat untereinander unterstützen, indem sie sich wechselweise um die Nachmittagsbetreuung der Kinder kümmern. wk