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Bad Eilsen Eine der ersten Fahrlererinnen
Schaumburg Eilsen Bad Eilsen Eine der ersten Fahrlererinnen
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20:25 31.05.2018
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Bad Eilsen

Was heute völlig selbstverständlich ist, nämlich als Frau Fahrschulunterricht zu geben, war zu Beginn ihrer Karriere indes schon etwas Besonderes.

Damals musste man mindestens 23 Jahre alt sein, „alle Führerscheine außer Bus“ haben und eine mehrjährige Fahrpraxis nachweisen, um die Fahrlehrer-Ausbildung machen zu können, erzählt Everding. Sie selbst hatte zwar die erforderlichen Führerscheine und (seit 1982) obendrein sogar einen Bus-Führerschein, da sie im Reisebusunternehmen ihres Schwiegervaters als „zweiter Fahrer“ mit auf Tour ging, aber vom Alter her haperte es. Denn als sie sich für den Lehrgang anmelden wollte, war sie gerade erst 22 Jahre alt.

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Kuriose Begründung

Dank einer Sondergenehmigung des Landkreises Minden-Lübbecke habe sie die Fahrlehrer-Ausbildung aber trotzdem antreten dürfen, wobei die Begründung der Behörde schon kurios gewesen sei, verrät die heute 59-jährige Bad Eilserin. „Seitens der Verwaltung ist man nämlich davon ausgegangen, dass ich beim ersten Mal sowieso durch die Prüfung fallen würde.“ Dies vor dem Hintergrund, dass die Durchfallquote bei der Fahrlehrer-Prüfung bei rund 85 Prozent gelegen habe.

Tatsächlich bestanden von den damals 36 Absolventen nur fünf die Abschlussprüfung – und eine dieser erfolgreichen Kandidaten war Ruth Everding, die da inzwischen 23 Jahre alt war: „Wenn man keine Fahrschule im Rücken hatte, hatte man eigentlich keine Chance, die Prüfung zu schaffen“, erklärt Everding. Ihr Vorteil sei daher gewesen, dass ihr Schwiegervater außer dem Reisebusunternehmen eben auch eine Fahrschule hatte, sodass sie fachlich gut vorbereitet in die Prüfung ging.

Fahrlehrer war Männersache

Als Fahrlehrerin war sie damals, im Jahr 1983, allerdings insofern „ziemlich allein“ im Schaumburger Land, als dass der Fahrlehrer-Beruf noch eine Männerdomäne war. So gab es ihrer Erinnerung nach zu jener Zeit nur eine andere Frau, die im hiesigen Landkreis ebenfalls als Fahrlehrerin arbeitete. Heute gebe es dagegen fünf oder sechs Fahrlehrerinnen in der Region.

Akzeptanz-Probleme seitens der männlichen Kollegen habe sie als Fahrschullehrerin aber nie gehabt, wohingegen es mit den männlichen Busfahrern im internationalen Reiseverkehr „eher schwierig“ war, berichtet Everding. Und die „jungen Männer“ unter den Fahrschülern seien im Allgemeinen sogar „ganz stolz“ darauf gewesen, „mit einer jungen Frau zu fahren“.

Akzeptanz kommt durch Kompetenz

Fahrschüler aus anderen Kulturkreisen haben allerdings mitunter schon mal Probleme, Fahrschulunterricht bei einer Frau zu nehmen – dies sei damals so gewesen und komme auch heute noch vor. Als Fahrlehrerin geht Everding damit jedoch gelassen um, denn – das ist ihre Erfahrung – die Frage der Akzeptanz ist „immer auch eine Frage der Kompetenz“.

Und wenn die konservativ eingestellten Fahrschüler merken, dass bei ihr die Kompetenz vorhanden ist, „erkennen sie das auch an“. Bei Fahrschülerinnen aus patriarchisch geprägten Kulturkreisen sei es übrigens so, dass es diesen Frauen zu Beginn des Fahrschulunterrichtes häufiger als anderen Fahrschülerinnen an „Selbstsicherheit und Selbstständigkeit“ fehle.

Sportler fahren vorausschauender

Und was sie ebenfalls aus ihrer Berufspraxis zu berichten weiß: „Ich merke einen Unterschied, ob jemand Sport macht oder nicht.“ Denn wenn ein Fahrschüler beispielsweise Fußball oder Handball spiele, fahre der in der Regel auch viel vorausschauender.

Bleibt noch zu erwähnen, dass Ruth Everding nach wie vor in dem Familienunternehmen „Fahrschule Everding“ beschäftigt ist, das heute von ihrem Ehemann und ihrem Schwiegervater gemeinsam betrieben wird. wk