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Bad Eilsen Pflege ist ein anspruchsvoller Job
Schaumburg Eilsen Bad Eilsen Pflege ist ein anspruchsvoller Job
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20:15 27.08.2018
Auch durch das Gespräch mit Ina Markgraf-Lehmann (von links) und Stephan von Kroge erhielt die SPD-Bundestagsabgeordnete Marja-Liisa Völlers einen Einblick in den Pflegealltag. Quelle: wk
Bad Eilsen

Dabei durfte sie in dem Altenheim der Übergabe der Nacht- an die Frühschicht beiwohnen und anschließend zwei Pflegefachkräften bei der morgendlichen Versorgung (etwa Waschen, Eincremen und Ankleiden) zweier Bewohner zuschauen. Zudem hatte die Politikerin die Gelegenheit, Gespräche mit Mitarbeitern des Hauses zu führen, um sich auch auf diese Weise über den Arbeitsalltag in der Pflegebranche zu informieren. Und zu guter Letzt konnte sie sich mit der Heimleiterin Ina Markgraf-Lehmann sowie mit dem – ebenfalls zu diesem Termin angereisten – niedersächsischen Landesbeauftragten des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste (BpA), Stephan von Kroge, austauschen.

Als „sehr einfühlsam“ im Umgang mit den Heimbewohnern habe sie die beiden von ihr begleiteten Pflegefachkräfte empfunden, berichtete Völlers. In den Gesprächen mit mehreren Mitarbeitern des Hauses habe sie ferner erfahren, dass diese den Pflegeberuf allesamt „sehr gerne“ und „mit Hingabe“ ausüben – und dass die Pflege alter Menschen „ein anspruchsvoller Job“ sei.

Entsprechend wichtig sei es laut Markgraf-Lehmann, den Beschäftigten ein angemessenes Gehalt zu zahlen und ihnen auch sonst attraktive Arbeitsbedingungen zu bieten. So achte das Unternehmen etwa darauf, dass die Mitarbeiter möglichst keine Überstunden anhäufen. Anders formuliert: Wenn überhaupt, würden die Mitarbeiter „nur wenige Überstunden“ leisten und diese dann gleich „im nächsten Monat“ wieder abbauen. Möglich sei dies, weil das Unternehmen auf eigene Kosten mehr Pflegefachkräfte eingestellt habe, als mit der Pflegekasse ausgehandelt sei. In Zahlen ausgedrückt: Nachzuweisen habe man, dass der Anteil der examinierten Altenpfleger an der Gesamtzahl aller im Haus beschäftigten Pflegekräfte mindestens 50 Prozent beträgt. Tatsächlich betrage der Anteil der examinierten Altenpfleger im Seniorat Bad Eilsen aber 54 Prozent.

Eine große Schwierigkeit ist nach Auskunft von Markgraf-Lehmann allerdings, für etwaige zu besetzende Stellen gute Fachkräfte zu bekommen. Denn der Markt sei derzeit praktisch leer gefegt. Die Ausbildung von Flüchtlingen oder beispielsweise Migranten aus Afrika zu Pflegefachkräften sei zwar eine Option, das Problem seien jedoch oftmals deren mangelnde deutsche Sprachkenntnisse.

Um eine Ausbildung zum examinierten Altenpfleger absolvieren zu können, müsse die jeweilige Person ein bestimmtes Sprachniveau beherrschen, bestätigte von Kroge. Gefordert seien konkret deutsche Sprachkenntnisse entsprechend dem sogenannten Niveau B2 des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens für Sprachen (GER).

Um mehr Menschen für die Ausübung eines (Alten-)Pflegeberufes zu interessieren, ist es nach Meinung des BpA-Landesbeauftragten notwendig, in der öffentlichen Debatte die positiven Aspekte dieses Berufsbildes in den Vordergrund zu stellen. So etwa, dass in dieser Branche examinierten Pflegefachkräften im Schnitt Monatsgehälter in Höhe von 2500 bis 3000 Euro brutto gezahlt werden, was im Vergleich zu vielen anderen Berufen durchaus attraktiv sei.

Darüber hinaus plädiert von Kroge dafür, dass private Pflegeheimbetriebe vonseiten des Staates genauso gefördert werden wie die mit diesen Unternehmen konkurrierenden freien Wohlfahrtsbetriebe. Die Politik müsse zudem wertschätzend hervorheben, was hierzulande für eine „tolle Pflege“ geboten werde. wk