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Bad Eilsen Tumor-OP – Rückenmark verletzt
Schaumburg Eilsen Bad Eilsen Tumor-OP – Rückenmark verletzt
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23:18 28.06.2019
Unter Verwendung eines mit Schaumstoffkügelchen gefüllten Gummikissens, aus dem die Luft herausgesaugt werden kann, wird die Form für das für Nazar Bobre bestimmte Sitzkissen genommen. Mit auf dem Bild: Werkstattleiter Malte Beckamp (rechts), Nazars Mutter und Seats-Mitarbeiter Waldemar Neumann. Quelle: wk
BAD EILSEN

Zu den Kindern, die sich hier für ein paar Wochen erholen können, gehört auch der zehnjährige Nazar Bobre aus Gomel, dessen Schicksal die Arbeitsgemeinschaft besonders bewegt.

Wie von Bianca Meier-Heimstädt, einer der Ehrenamtlichen, zu erfahren ist, ist bei Nazar kurze Zeit nach der Geburt ein Tumor im Bereich der Wirbelsäule festgestellt worden, der dann operativ entfernt wurde; knapp ein Jahr war der Junge damals alt. Durch diesen Eingriff ist ihr zufolge jedoch dessen Rückenmark irreparabel verletzt worden, sodass Nazar seitdem querschnittgelähmt ist. Infolge der Operation habe sich zudem dessen Beckenkamm nicht richtig entwickelt, auch liege der linke untere Rippenbogen auf dem Beckenkamm auf. Und weil der Junge deswegen schief sitze, hätten sich dessen Organe im Bauchraum verschoben, was ebenfalls problematisch sei.

Alter Kinder-Buggy statt Rollstuhl

Die kirchliche Arbeitsgemeinschaft hat ihm daher bereits einen Rollstuhl besorgt, nachdem die Ehrenamtlichen bei einem 2018 erfolgten Besuch in Weißrussland gesehen hatten, dass Nazar lediglich einen alten Kinder-Buggy statt eines richtigen Rollstuhles zur Verfügung hatte: Mit den Händen habe sich der Junge vom Boden abgestoßen, um sich mit dem Buggy fortzubewegen, erzählt Meier-Heimstädt. Von einem dortigen Arzt hätten sie zudem gehört, Kindern wie Nazar könne in dessen Heimatland nicht geholfen werden.

Es gebe dort nicht solche Möglichkeiten wie hier in Deutschland, konkretisiert sie. Und für die weißrussischen Ärzte sei Nazar „austherapiert“. Bedeutet: „Der kriegt 80 Euro Invalidenrente und das war’s.“

Um dem Gastkind zu helfen, hat die Arbeitsgemeinschaft Kontakt mit der in Rinteln ansässigen Seats GmbH (Kreuzbreite 1) aufgenommen, die auf die Anfertigung von individuellen Sitzschalen für Rollstühle spezialisiert ist. Nachdem Manfred Schramke, ebenfalls Mitglied der Arbeitsgemeinschaft „Den Kindern von Tschernobyl“, der Geschäftsführung das Problem von Nazar geschildert hatte, erklärte sich das Unternehmen bereit, kurzfristig eine solche Sitzschale für den Jungen herzustellen – und dies zu einem stark rabattierten Preis: Statt für rund 3476 Euro (inklusive sieben Prozent Mehrwertsteuer) bot das Unternehmen der Kirchengemeinde die Sitzschale für lediglich 1926 Euro brutto an.

Den großzügigen Preisnachlass begründete Christian Engel, der Seats-Geschäftsführer, im Gespräch mit dieser Zeitung damit, dass es hier um eine „gute Sache“ gehe. Anlass des Gespräches war ein Termin, im Rahmen dessen Nazar eine Form angepasst wurde, auf Basis derer die aus einem Spezialschaumstoff gefräste Sitzschale gefertigt wird.

Oberkörper aufrichten, Schultergürtel ausrichten

Nach Information von Malte Beckamp (Seats-Werkstattleiter) wird die Sitzschale so geformt, dass Nazars Oberkörper in dem Rollstuhl aufgerichtet und ins Lot gebracht wird. Zudem werde der Schultergürtel in die Waagrechte gebracht, damit Nazar auch gut mit dem Rollstuhl fahren könne.

„Zwei, drei Jahre passt das dann“, ergänzt Beckamp. Nach dieser Zeit müsse die Sitzschale aufgrund des Körperwachstums des Kindes erneut angepasst oder möglicherweise komplett neu angefertigt werden.

Zur Finanzierung der Sitzschale bittet die Arbeitsgemeinschaft „Den Kindern von Tschernobyl“ um Geldspenden. Hierfür hat die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Bad Eilsen ein Spendenkonto bei der Sparkasse Schaumburg eingerichtet. Nähere Informationen dazu können Interessierte unter Telefon (05722) 84307 erfragen.

Hinsichtlich der Bezahlung der Sitzschale wird die Kirchengemeinde laut Schramke zunächst in Vorleistung treten. wk