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Bad Eilsen Vizebürgermeister als Baumfrevler?
Schaumburg Eilsen Bad Eilsen Vizebürgermeister als Baumfrevler?
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16:21 11.03.2018
Auf dem gemeindeeigenen Schlammteich-Areal zeigte Bad Eilsens Bürgermeisterin, Christel Bergmann, die unterhalb des Baugrundstücks gefällten fünf Laubbäume. Quelle: wk
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BAD EILSEN

Missverständnis oder Dreistigkeit? Das ist eine der vielen Fragen, die sich angesichts von fünf alten Laubbäumen stellt, die im Bereich der zum Bad Eilser Kurpark gehörenden Schlammteiche auf öffentlichem Grund und Boden auf Veranlassung eines Privatmanns gefällt worden sind. Die Polizei ermittelt bereits. Brisanz auf politischer Ebene hat der Vorfall außerdem. Was ist passiert?

Vor einigen Tagen wurde Bürgermeisterin, Christel Bergmann (SPD) darauf aufmerksam gemacht, dass an einem Sonnabend Motorsägenlärm in dem besagten Areal zu hören gewesen sei. Gemeinsam mit dem örtlichen Bauhofleiter Bertram Meyer nahm sie das Gelände deshalb in Augenschein und war in Anbetracht dessen, was sie dort sah, entsetzt: Fünf mächtige alte Bäume – ein Walnussbaum, ein Ahorn, eine Esche und zwei Säuleneichen – lagen gefällt am Boden. Allesamt hatten sie zuvor an einem kleinen Hang, der der Gemeinde Bad Eilsen gehört, unterhalb eines bislang noch unbebauten Grundstücks gestanden.

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Dieses Grundstück gehört dem 1. stellvertretenden Bürgermeister Rolf Prasuhn (CDU). Auf seinem Grundstück sollen ausweislich eines Baustellenschildes „6 exklusive Eigentumswohnungen“ entstehen. In den dazu erstellten Exposés, die auf den Immobilien-Seiten der Homepage der Volksbank in Schaumburg zu finden sind, werden diese Eigentumswohnungen „mit einer herrlichen Fernsicht im Kurort Bad Eilsen“ beworben.

Jetzt, da die fünf Bäume gefällt sind, ist die besagte Fernsicht zweifelsohne gegeben. Zuvor dürfte dies nicht der Fall gewesen sein, wie ein Blick auf Nachbargrundstücke verrät. Unterhalb dieser stehen nämlich am selben Hang ähnlich große Bäume wie die gefällten.

Wegen der umgesägten Baumriesen erstattete die Bürgermeisterin Anzeige bei der Polizei. Weil die Schlammteiche in einem Landschaftsschutzgebiet liegen, wurde auch das Amt für Naturschutz des Landkreises Schaumburg informiert. Wer die Baumfällung möglicherweise zu verantworten hat, dazu wollte Bergmann im Gespräch mit unserer Zeitung keinen Namen nennen. Allerdings merkte sie an, dass der Stacheldraht auf dem rund zwei Meter hohen Maschendrahtzaun, der das Baugrundstück von dem Schlammteiche-Areal trennt, zerschnitten sei – mutmaßlich weil der oder die Täter über diesen Zaun auf das der Gemeinde Bad Eilsen gehörende Gelände gestiegen seien.

Polizeisprecher Matthias Auet: „Die ausführenden und handelnden Personen stehen schon alle fest.“ Man prüfe nun, wie das Ganze rechtlich zu beurteilen sei.

Samtgemeindebürgermeister Bernd Schönemann behauptete zunächst, dass Prasuhn gedurft habe. Schönemann korrigierte in einem weiteren Gespräch mit dieser Zeitung. So sollte es sich angeblich um kleine Bäume auf dem Baugrundstück – und nicht auf Gemeindeboden handeln. So sei die Gemeindedirekorin Svenja Edler informiert worden.

Im Raum stehen noch mehrere Ungereimtheiten. Der stellvertretende Bürgermeister und Bauherr Rolf Prasuhn mochte sich auf Nachfrage nicht äußern – wegen des laufenden Verfahrens. Er wolle sich zunächst anwaltliche Hilfe holen.

wk