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Heeßen Schule: Druck der Eltern auf ihre Kinder steigt
Schaumburg Eilsen Heeßen Schule: Druck der Eltern auf ihre Kinder steigt
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00:25 18.11.2018
In den Augen des scheidenden Rektors hat sich die Grundschule in Heeßen in den vergangenen Jahren überaus positiv entwickelt. Quelle: wk
Heeßen

Der elterliche Druck auf die Kinder habe in den vergangenen Jahren zugenommen, resümiert der Pädagoge. Und es mache der Lehrerschaft „viel Mühe“, den Kindern diesen Druck wieder zu nehmen.

Wechsel aufs Gymnasium: "Unser Schulsystem ist keine Einbahnstraße"

Vor diesem Hintergrund appelliert er, dass Eltern ihre Kinder nach der 4. Klasse bitte nur auf eine für das jeweilige Kind passende Schule schicken mögen, in der es nicht überfordert wird – also nicht unbedingt auf ein Gymnasium, sondern vielleicht besser auf eine Integrierte Gesamtschule oder Oberschule. „Unser Schulsystem ist keine Einbahnstraße“, betont der 63-Jährige. Auch später sei durchaus noch ein Wechsel auf die gymnasiale Oberstufe möglich.

Was Preuß ebenfalls festgestellt hat, ist, dass die Anzahl der Grundschüler mit sprachlichen Auffälligkeiten und/oder einer schlechten Feinmotorik im Vergleich zu früher größer geworden ist. Über die Gründe für diese Entwicklung kann er nur mutmaßen. Aber seines Erachtens ist dies unter anderem eine Folge davon, dass den Kindern daheim weniger vorgelesen wird und in den Familien weniger Gesellschaftsspiele gespielt werden.

Das bekannte Spiel „Mensch ärgere Dich nicht“ beispielsweise fördere bei Kindern die Fähigkeit, zu zählen und Mengen zu erfassen, erklärt er. Darüber hinaus würden Kinder lernen, mit Frustrationen umzugehen – nämlich dann, wenn sie bei diesem Spiel mal verlieren.

Es mangelt an Durchhaltevermögen bei Kindern

Aufgefallen ist Preuß außerdem das: Die Anstrengungsbereitschaft und das Durchhaltevermögen der Kinder haben abgenommen. Dies dürfte wohl auch an der Erziehung seitens der Eltern liegen, meint er. Etwa indem Eltern ihre Kinder nicht dazu anhalten, ein einmal begonnenes Hobby auch über eine längere Zeit auszuüben, anstatt immer wieder ein neues Hobby zu beginnen.

Verändert hat sich überdies die Arbeit im Bereich der Schulleitung: „Die Aufgaben haben massiv zugenommen, ohne dafür eine Zeitvergütung zu erhalten“, berichtet Preuß. Dies im Einzelnen aufzuschlüsseln, würde jedoch den Rahmen dieses Beitrages sprengen, verdeutlicht er. Exemplarisch geht er aber auf das Thema „Eigenverantwortliche Schule“ ein, ein Konzept, im Rahmen dessen den Schulen vom Land Niedersachsen mehr Zuständigkeiten übertragen worden sind.

Mehr als zwei Jahrzehnte war Joachim Preuß Rektor der Grundschule Heeßen. Jetzt ist er in den Ruhestand verabschiedet worden.

Seit dessen Einführung muss sich die Grundschule Heeßen selbst um die Auswahl von Bewerbern für etwaige dort zu besetzende Lehramtsstellen kümmern; ebenso um die gegen Ende der jeweiligen Probezeit anstehende Beurteilung der neuen Lehrkräfte. Ferner ist die „Lernmittelverwaltung“ (Ausleihe von Schulbüchern) in den Zuständigkeitsbereich der Schule gewandert.

Überdies sorgt die 1998 eingeführte „verlässliche Grundschule“ für administrative Mehrarbeit, etwa indem lange Zeit die Schule die benötigten pädagogischen Mitarbeiter suchen und mit diesen Arbeitsverträge schließen musste.

Nicht direkt auf jeden neuen Zug aufgesprungen

Diesbezüglich habe die Niedersächsische Landesschulbehörde jetzt zwar die „Personalhoheit“ an sich gezogen, dafür dauere das ganze Verfahren nun aber länger, wobei die Grundschule weiterhin für die Personalsuche zuständig sei, ergänzt Preuß. Und nicht zuletzt habe auch das Thema Inklusion einen Mehraufwand zur Folge – beispielsweise wegen erforderlicher Gespräche mit Eltern sowie mit Jugendhilfeeinrichtungen.

Zu den Vorzügen des Schulleiterpostens gehört laut Preuß indes, dass man in dieser Funktion „viele Gestaltungsmöglichkeiten“ hat. Dabei sei es allerdings wichtig, die Menschen mitzunehmen und diese für geplante Veränderungen (etwa Digitalisierung) zu begeistern. Bewusst sei man an der Schule jedoch nicht immer gleich auf den sprichwörtlichen ersten Zug aufgesprungen. Vielmehr habe man beschlossene Neuerungen „sehr bedächtig“ umgesetzt.

In diesem Kontext merkt Preuß an, dass er und das Kollegium schon stolz darauf seien, wie positiv sich die aktuell circa 200 Schüler zählende Grundschule in dieser Hinsicht entwickelt habe – „auch, was den Ruf nach außen hin anbelangt“.

von Michael Werk