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Heeßen Vom kleinsten Chronometer bis zur Turmuhr
Schaumburg Eilsen Heeßen Vom kleinsten Chronometer bis zur Turmuhr
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23:09 26.04.2019
Der Uhrmacher am Arbeitsplatz in seiner Werkstatt.
Der Uhrmacher am Arbeitsplatz in seiner Werkstatt. Quelle: sig
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HEEßEN.

In der Regel ist ein Berufsleben nach 45 Jahren beendet. Manchmal dauert es auch ein paar Jahre länger. Diese Zahlen interessieren den Optikermeister und Uhrmacher Hans Willen nicht. Das Reparieren und Restaurieren der Zeitmesser ist für ihn immer noch eine echte Leidenschaft.

Offensichtlich spielen in diesem Fall auch die Gene eine nicht unwichtige Rolle. Der Vater besaß als Uhrmachermeister in Cloppenburg ein Geschäft, und der Großvater hatte eine ungewöhnliche berufliche Kombination. Er war Goldschmied und zugleich Dentist. Er konnte wohl gut mit Zangen umgehen.

Hans Willen, der vor fast 75 Jahren in Cloppenburg das Licht der Welt erblickte, schaute schon als kleiner Knabe dem Vater in der Uhrmacherwerkstatt über die Schulter und zeigte sein wachsendes Interesse an diesen handwerklichen Fähigkeiten. Unmittelbar nach der Schulzeit begann die Ausbildung zum Uhrmacher im elterlichen Betrieb. Anscheinend war der damalige Berufsanfänger schon nach kurzer Zeit so versiert in seinem Beruf, dass ihm alle Uhren im Cloppenburger Museumsdorf anvertraut wurden.

Feines Händchen und scharfes Auge

Nach Abschluss der ersten Ausbildung begann Willen eine zweite Lehre zum Augenoptiker bei der Firma Hilgenfeldt in Stadthagen. Seine berufliche Laufbahn setzte er nach der Bundeswehrzeit bei dem Optiker Wehmeyer in Bückeburg als Optikermeister fort. Später übernahm er die Filiale in Bad Eilsen und machte sich damit Anfang 1992 selbstständig.

Es sprach sich schnell herum, dass der Heeßer Neubürger ein feines Händchen und ein sehr scharfes Auge für die kompliziertesten und filigranen Auftragsarbeiten hat. Das gilt auch noch heute, denn er darf sich auf sein in diesem Alter noch erstaunlich gutes Sehvermögen verlassen. Nur für die Montage der kleinsten Einzelteile greift er zur Lupe.

Im Laufe der Zeit wurde er nicht nur zu einem Fachmann für die kleinen Uhren, die man am Handgelenk trägt, sondern auch für wesentlich größere Chronometer. So kennt er sich auch gut mit Kirchturmuhren aus, wie die Obernkirchener wissen, denn dort brachte er sogar die alte Uhr der Stiftskirche wieder richtig zum Laufen. Heute ist dieses historische Exemplar ausgebaut, aber noch funktionsfähig im Kirchenraum zu bewundern.

Keine Aufgabe scheint zu schwer

Wer eine alte Wand- oder Standuhr sein Eigen nennt, und nicht auf sie verzichten will, der wendet sich bei notwendigen Reparaturen noch immer an Hans Willen. Und das gilt nicht nur für die Schaumburger, sondern darüber hinaus für Kunden aus einem weit größeren Umkreis. Sogar aus zahlreichen deutschen Großstädten wie Berlin und Hamburg suchen die Eigentümer wertvoller Zeitmesser den Kontakt zu dem Heeßer. Er kennt sich auch mit Uhren aus, die im Laufe der vergangenen Jahrhunderte entstanden sind und mit einer unterschiedlichen Technik funktionieren. So kann er seine Kunden und andere Interessenten beim Ankauf beraten und auch notwendige Instandsetzungen vornehmen.

Für Willen sind selbst im fernen Amerika hergestellte Chronometer keine böhmischen Dörfer. Und wenn es keine Ersatzteile gibt, dann verfügt er über die nötigen Geräte, wie zum Beispiel eine kleine und eine große Werkbank, um fehlende Teile herzustellen. Es liegt auf der Hand, dass es für Uhrwerke aus dem 17. oder 18. Jahrhundert keinerlei Ersatzteile mehr gibt. Für den neutralen Betrachter ist es kaum nachvollziehbar, dass der erfahrene Chronometer-Fachmann in der Lage ist, solche alten Uhrwerke komplett auseinanderzunehmen und wieder zusammenzusetzen.

Die heutige Mechanik ist wesentlich einfacher. Es werden Batterien und Elektronik eingesetzt. Und nur noch vereinzelt übernehmen in Deutschland Berufsschulen die duale Ausbildung zu diesem Beruf. Hans Willen bedauert diese Entwicklung, aber sie lässt sich leider nicht mehr aufhalten. sig