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Aus dem Landkreis 12 Millionen Euro Verlust: Hauptproblem Personalkosten
Schaumburg Landkreis Aus dem Landkreis 12 Millionen Euro Verlust: Hauptproblem Personalkosten
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00:22 08.04.2019
Kein Kinderspiel: Das Schaumburger Klinikum kam auch im Jahr 2018 nicht aus den roten Zahlen.  Quelle: jak
Landkreis

18.000 stationäre und fast 30.000 ambulante Patienten hat das Schaumburger Klinikum im Jahr 2018 mit seinen fast 1000 Mitarbeitern versorgt. Das sind sehr viele, aber dennoch viel zu wenige.

Entscheidend für die Abrechnung bei den Krankenkassen sind die sogenannten „Case-Mix-Punkte“ (CMP). Jede Behandlung und jede Operation hat einen gewissen CMP-Wert. Der wird pauschal von der Krankenkasse bezahlt, egal wie viel das Krankenhaus für die Behandlung des Patienten bezahlt. Arbeitet das Krankenhaus wirtschaftlich, mit einem geringen Personal- und Materialaufwand, verdient es auch mehr Geld. So soll die Gesundheitsbranche marktwirtschaftlichen Regeln folgen.

Geschäftsführer-Duo Diana Fortmann und Marko Ellerhoff.

Insgesamt hat das Klinikum etwa 19.000 dieser CMP-Punkte erreicht. Kalkuliert hatte das Krankenhaus mit 20.000. Jeder Punkt entspricht etwa 3500 Euro. Auf der Einnahmenseite fehlen dem Krankenhaus demnach gut 3,5 Millionen Euro gegenüber dem kalkulierten Verlust von einer Million Euro. Die Differenz – also 8,5 Millionen Euro – sind demnach der Ausgabenseite zuzuordnen.

Im ersten Halbjahr 2018 hatte das Krankenhaus in Vehlen einen Verlust von 2,5 Millionen Euro verbucht. Der größte Teil des 12-Millionen-Lochs entstand also im zweiten Halbjahr 2018.
Der Hauptgrund für die regelrecht explodierten Kosten sind laut Geschäftsführerin Diana Fortmann vor allem die Personalkosten. Außerdem nennt Fortmann noch nicht näher bezifferte Zusatzausgaben bei der Abwicklung der alten Standorte, die die Bilanz belasten.

Zwei Intensivstationen geschlossen

Insgesamt habe man 50 Vollzeitstellen im patientennahen Bereich (unter anderem Ärzte, Pflegefachkräfte, Funktionsdienst, Pflegehelfer) geschaffen. Allerdings hatte das Unternehmen zwischen 2015 und 2017 allein bei den Pflegefachkräften mehr als 60 volle Stellen abgebaut. Das wurde öffentlich von der Geschäftsführung immer bestritten, bis eine Recherche dieser Zeitung das Gegenteil beweisen konnte. Wie viele der 50 geschaffenen Vollzeitstellen examinierte Pflegefachkräfte sind, ist nicht bekannt.

Auf manchen Stationen fehlen für einen Betrieb nach Plan weiterhin Fachkräfte, erklärt die Geschäftsführerin. So ist etwa eine von zwei Intensivstationen zur Gänze geschlossen und auch die zweite Intensivstation betreibt meist nur einen Teil der Betten. Grund dafür sind fehlende Intensivpfleger. „Wir arbeiten daran, mehr zu gewinnen“, sagt Co-Geschäftsführer Marko Ellerhoff, „und wir versuchen außerdem Mitarbeiter weiterzubilden.“

Insbesondere die fehlenden Betten in der Intensivstation können sich als Nadelöhr für den Krankenhausbetrieb herausstellen. Stehen keine Betten auf der Intensivstation mehr zur Verfügung, können viele für das Krankenhaus lukrative Operationen nicht durchgeführt werden, für die Patienten danach ein entsprechendes Intensiv-Bett brauchen. So kann die Situation entstehen, dass ein komplettes Operationsteam nicht arbeiten kann, weil die Intensivstation voll ist. Bezahlt werden müssen die Mitarbeiter trotzdem. „Personalplanung ist bei uns nicht so einfach wie bei VW, wo man Mitarbeiter einfach in Kurzarbeit schicken kann“, verdeutlicht Ellerhoff. Außerdem habe man weiterhin massiv auf besonders teure Leiharbeiter setzen müssen.

Honorarärzte berechnen dem Klinikum nach internen Dokumenten, die der Redaktion vorliegen, Stundenlöhne von 125 Euro, also 1000 Euro am Tag. Aufschläge bis zu 100 Prozent sind durchaus möglich. Im ersten Halbjahr 2018 musste das Krankenhaus wegen Ärztemangels mehr als 860.000 Euro für Honorarärzte ausgeben, zeigen interne Abrechnungen von Agaplesion.

In zwei Jahren Schuldenberg abtragen

Das Krankenhaus müsse seine Stationen 24 Stunden besetzt halten. Egal, ob gerade viele oder wenig Patienten vorhanden sind. „Und das Aufkommen fluktuiert stark“, sagt Ellerhoff.
Außerdem sei man mit immer neuen, regelmäßig wechselnden gesetzlichen Bestimmungen konfrontiert. „Das ist eben die Herausforderung in der Gesundheitsbranche“, sagt Fortmann.

Das Geschäftsführer-Duo ist zuversichtlich, in zwei Jahren wieder „wirtschaftlich zu arbeiten“ und dann auch den aufgebauten Schuldenberg abzutragen. In den Jahren 2017 und 2018 hat das Klinikum insgesamt 20 Millionen Euro Schulden angehäuft. „Die werden wir auch nicht mal so eben abbauen“, ist sich Ellerhoff sicher. In der Gesundheitsbranche seien keine gigantischen Gewinnmargen möglich. Zu tief sei auch die „Alles-Kostenlos-Mentalität“ verankert. „Für einen VW sind die Leute bereit, ganz andere Summen zu bezahlen, als für ihre Krankenkasse.“ Daher könne ein Krankenhaus seinen Mitarbeitern leider auch nicht so hohe Löhne zahlen, wie das vielleicht bei einem Autobauer möglich sei.

von Jakob Gokl