Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Aus dem Landkreis Becker: Akzeptanz in der Gesellschaft nicht verspielen
Schaumburg Landkreis Aus dem Landkreis Becker: Akzeptanz in der Gesellschaft nicht verspielen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:48 23.04.2019
Protestschild in Verden: Jägerschaft und Kreisverwaltung beraten, was Wolfsrisse in der Nähe für Schaumburg bedeuten. 
Protestschild in Verden: Jägerschaft und Kreisverwaltung beraten, was Wolfsrisse in der Nähe für Schaumburg bedeuten.  Quelle: dpa
Anzeige
LANDKREIS

Wie Farr äußerte sich auch der hiesige SPD-Landtagsabgeordnete Karsten Becker auf der Jahresversammlung der Kreisjägerschaft zu dem Thema. Die Wölfe in Niedersachsen würden mehr, führte Becker aus. Allein im vergangenen Jahr seien 98 Angriffe von Wölfen auf Weidetiere gezählt worden, wobei insgesamt 240 Nutztiere getötet worden seien. Nicht alle Wolfsrudel sind laut Becker in dieser Weise auffällig. Es gebe aber „einige Problemtiere“, die man gezielt „entnehmen“ müsse, bevor diese Wölfe das Erbeuten von Nutztieren an ihren Wolfsnachwuchs weitergeben können.

Präventiv handeln

Becker betonte, es sei wichtig, diesbezüglich „präventiv handlungsfähig“ zu werden, „um die Akzeptanz nicht zu verspielen“, die es innerhalb der Gesellschaft für den Wolf gebe.

Die heimische SPD-Bundestagsabgeordnete Marja-Liisa Völlers wies auf die bestehenden Fördermöglichkeiten hinsichtlich der Anschaffung von wolfssicheren Zäunen und der Anschaffung von Herdenschutzhunden hin.

Die Polizei hat im vergangenen Jahr kreisweit 468 Wildunfälle aufgenommen, berichtete Andreas Tschirner, der Leiter Einsatz der Polizeiinspektion Nienburg-Schaumburg. Häufig würden sich derartige Kollisionen in den Monaten April/Mai und Oktober/November ereignen. Um das Risiko von Wildunfällen zu senken, empfahl er, die Geschwindigkeit in Waldgebieten auf maximal 80 Stundenkilometer zu begrenzen. Farr hatte zuvor sogar von insgesamt mehr als 800 Wildunfällen gesprochen, die sich nach seinen Informationen 2018 auf Schaumburger Straßen ereignet haben. Dass sich die Jägerschaft regelmäßig um die Beseitigung der jeweiligen Tierkadaver kümmert, bezeichnete der Landrat als eine „große Leistung“.

Sorge vor der Afrikanischen Schweinepest

Jürgen Ziegler, Vizepräsident der Landesjägerschaft Schaumburg, richtete den Blick auf das Schwarzwild und die damit verbundene Sorge vor der – bislang noch nicht nach Deutschland eingeschleppten – Afrikanischen Schweinepest. Bei allen Wildschweinen, die irgendwo verendet aufgefunden werden (einschließlich im Straßenverkehr getöteter Exemplare), sollten die Jäger nach Überzeugung von Ziegler Blutproben entnehmen und diese an das jeweilige Veterinäramt einsenden. Denn: „Es geht darum, flächendeckend nachzuweisen, dass die Afrikanische Schweinepest nicht da ist.“ Ziel sei es aber auch, möglichst früh einen Nachweis zu finden, wenn diese Tierseuche hierzulande ankommen sollte.

Die Afrikanische Schweinepest komme nicht auf vier Beinen, sondern auf Autoreifen, erklärte Clemens Hons, Justiziar der Landesjägerschaft Niedersachsen, in Anspielung auf den Lkw-Transitverkehr aus osteuropäischen Ländern. Insofern würde sich diese Tierseuche nicht nur mit einer Geschwindigkeit von zehn Kilometern pro Tag ausbreiten, sondern mit 80 Stundenkilometern. Von Michael Werk