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Aus dem Landkreis Bei „Hahn in Ruh‘“ ist Schluss
Schaumburg Landkreis Aus dem Landkreis Bei „Hahn in Ruh‘“ ist Schluss
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16:10 27.11.2018
Jäger Hermann Platte weiß, wie der Hase, respektive das Wildschwein läuft.
Jäger Hermann Platte weiß, wie der Hase, respektive das Wildschwein läuft. Quelle: Boecker
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Drei Windräder, ein paar Senken und Hecken, dann hat er sein Jagdrevier grob umrissen. 450 Hektar misst es, eines der größeren in Schaumburg, gelegen rund um Antendorf.

Hermann Platte aus Rehren ist Vorsitzender der Jägerschaft Schaumburg. An diesem sehr sonnigen Herbstsamstagmorgen hat er zur Drückjagd geladen. „Nichts Großes“, sagt er, „sieben, acht Jäger aus der Umgebung.“ Die Jäger, alle mit orangefarbenen Warnwesten über den grünen und braunen Westen und Pullovern, hören sich an, was Platte zu sagen hat. „Erlaubt ist alles, was die Gesetze hergeben“, sagt er, „Wildschwein, Fuchs, Marderhund, Waschbär – ihr kennt das ja alles.“ Die Männer, langjährige Jäger, nicken. Wildschweine ja, das wissen sie, aber nur Frischlinge und Überläufer, keine führenden Bachen. „Frischlinge“ sind Wildschweine, die nach dem 1. März des aktuellen Jahres geboren sind, „Überläufer“ sind Einjährige und „führende Bachen“ sind weibliche Wildschweine, die die Rotte der Frischlinge und Überläufer anführen.

"Können nicht so viele schießen, wie wir wollen"

Die Männer stapfen los, aufgeregt bekläfft von drei Jagdhunden, die an den Leinen zerren. Es ist noch Zeit für einen gutmütigen Schnack über „die gelben Nummernschilder“, die schon schießen, wenn sie es irgendwo rascheln hören. „Gelbe Nummernschilder“ steht für „holländische Jäger“. Nahebei liegt ein Feld in der Sonne, dessen Krume Horden von Sus scrofa – lateinisch für Wildschwein – nachts aufgewühlt und zernarbt haben. Weil sie sich gern im Dickicht der Wälder verstecken, sind die Tiere, die Jäger eigentlich „Sauen“ nennen, schwer zu erwischen. Deswegen haben sie sich stark vermehrt, was üble Schäden an Vegetation und Boden zur Folge hat. „Wir können gar nicht so viele Wildschweine schießen, wie wir sollten“, sagt Platte. Wildschweine zu jagen, ist auch wegen der Afrikanischen Schweinepest wichtig geworden, die in Osteuropa um sich greift und auch schon in Belgien aufgeflammt ist. „Ist für den Menschen eigentlich ungefährlich“, sagt der Jäger-Vorsitzende Platte, „aber das Wort ‚Pest‘ macht jedes Fleisch unverkäuflich.“

Jetzt postiert Platte die Jäger-Truppe, sorgsam um Sicherheit bemüht, an einem Wäldchen, in dem Wildschweine vermutet werden. „Abends um 20 Uhr kommen sie raus“, hat Platte in den vergangenen Tagen beobachtet. Arndt Bredemeier aus Borstel und Thorsten Ackmann aus Kathrinhagen, die beiden Hundeführer, laufen zum hinteren Waldrand, der an Antendorf kratzt. Sie sollen Wildschwein, Fuchs und Co. durch das dichte Gestrüpp des Wäldchens „drücken“, sodass es aufs freie Feld – und damit vor die Gewehre der Jäger – flieht. Aber obwohl die Hunde ein-, zweimal hektisch bellen, kriegen die Jäger nur ein Reh zu sehen, das sie laufen und leben lassen, wie bei kleineren Drückjagden üblich.

Die Jagdgesellschaft zieht weiter zum Nachbarwäldchen. Den besten Platz bekommt Klaus Röhrkasten aus Westerwald zugeteilt. Er stellt sich in eine feuchte, sonnige Senke, die mit einem Zaun abgeriegelt ist. „Der hat zwei Löcher, durch die sie eigentlich kommen müssen“, sagt Klaus Röhrkasten. Er horcht in das Wäldchen hinein, aber die Hunde sind nicht zu hören. „Schlechtes Zeichen“, sagt Röhrkasten, „wenn Arndts und Thorstens Hunde nix finden, liegt auch nix drin.“

Schlaue Schweinchen

„Man sieht die Tiere manchmal erst im allerletzten Augenblick, bevor sie aus der Deckung brechen“, sagt Klaus Röhrkasten. „Als junger Jäger kann man dabei schon mal heißes Blut bekommen“, sagt er, „ich bin jetzt allerdings seit 40 Jahren dabei.“ Er ist vor allem auf die Frischlinge und Überläufer aus, weil sie noch nicht geschlechtsreif sind. Das macht ihre Bejagung besonders effektiv, was den Bestand betrifft „Die laufen meist mittendrin in der Rotte, aber man erkennt sie an der Größe.“ Ältere Keiler bekommt er dagegen selten vors Gewehr: „Die türmen, wenn sie uns hören, die sind zu schlau.“

„Beim Wildschwein-Fleisch mag ich den Rücken am liebsten“, sagt Klaus Röhrkasten. „Meine Frau wirft aber nichts weg, wir machen auch Wurst und Mett.“ Selbst die Bolognese wird in dem Westerwälder Haushalt mit Fleisch vom heimischen Sus Wildschwein angedickt.

Schnell und plötzlich töten

Da! Aus den Augenwinkeln hat Röhrkasten eine Bewegung in dem Gestrüpp gesehen. Ein Fuchs springt über eine Wiese, allerdings ist sein Kopf in dem hohen Gras nur für ein paar Zehntelsekunden zu sehen. Röhrkasten legt an und schießt. Der Fuchs erschrickt, flieht aber weiter. Der Jäger legt noch einmal an, aber da ist der Fuchs schon hinter Bäumen verschwunden. Mindestens zwei Kilometer fliegen die Teilmantel-Geschosse, die der Jäger mit seinem Gewehr abfeuert. Sie sollen schnell und plötzlich töten, um das Tier nicht leiden zu lassen. Unter Jägern heißt es: Es darf den Knall des Schusses eigentlich schon nicht mehr mitbekommen. Ein Zielfernrohr sitzt auf Röhrkastens Gewehr. „Bei mehr als 70 Metern Entfernung wird das Ziel allerdings zu klein, um zuverlässig zu treffen“, sagt der Jäger. Schließlich klingelt sein Handy, nein, natürlich klingelt es nicht, sondern es ertönt ein Jagdhorn. „Hahn in Ruh‘“, gibt Jagdherr Platte die Parole aus. Im Klartext: Feuer einstellen!

An diesem Tag muss in Antendorf kein Wildschwein sein Leben lassen. „Tja, so geht Jagd“, sagt Schaumburgs Jägerschafts-Vorsitzender mit einem Achselzucken. „Die meiste Zeit ballern wir ohnehin nicht in der Gegend rum, wie manche meinen, sondern betreiben Revierpflege.“ Bestand beobachten, Hochsitze richten, Zäune reparieren, solche Sachen. Er könne aber alle Wildgericht-Gourmets beruhigen, sagt Platte: „Es wird auch in dieser Saison genug gesundes, bekömmliches Wildbret aus Schaumburg auf den Tellern liegen.“ Von Arne Boecker

Wildwochen

Seit dem 13. Oktober (bis zum 16. Dezember) laufen die „Schaumburger Wildwochen“, die traditionell ihren Abschluss mit dem Weihnachtsmarkt am Forsthaus Halt finden. 23 heimische Restaurants beteiligen sich an der Aktion, die vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband in Schaumburg, der Schaumburger Jägerschaft, der Fürstlichen Hofkammer und dem Kreisforstamt Spießingshol organisiert wird.
 Kommende Woche wird es in der dreiteiligen Serie rund um die Wildwochen ums Essen gehen: Ein Teller Wild in der Liekweger „Waldklause“.