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Aus dem Landkreis Bewusster Umgang mit Antibiotika gefordert
Schaumburg Landkreis Aus dem Landkreis Bewusster Umgang mit Antibiotika gefordert
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00:23 28.02.2018
Die Rasse Deutsch Angus wird vor allem in der Mutterkuhhaltung zur Fleischproduktion gehalten.
Die Rasse Deutsch Angus wird vor allem in der Mutterkuhhaltung zur Fleischproduktion gehalten. Quelle: pr.
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Bückeburg/Harderode

Marita und Harald Vahlbruch betreiben schon seit Jahren einen Biohof in Harderode im Landkreis Hameln-Pyrmont. Dem Bioland-Verband für organisch-biologischen Landbau e. V. angeschlossen, haben sich die Vahlbruchs unter anderem auf die Rindfleischproduktion spezialisiert und halten eine Herde Deutsch Angus. Diese Rasse wird vor allem in der Mutterkuhhaltung zur Fleischproduktion gehalten.

Wie Harald Vahlbruch berichtet, werden die Tiere bei ihm robust auf der Weide ohne Stress und ohne den Leistungsdruck wie beispielsweise reine Milchkühe gehalten. Die Folge: „Wir brauchen überhaupt keine Antibiotika“, versichert Biolandwirt Vahlbruch. Und sollte es bei Geburten doch mal zu Schwierigkeiten kommen, würden homöopathische Mittel angewandt und ausreichen, versichert der Harderoder. Denn der Bioland-Verband, nach dessen Regeln die Vahlbruchs ihr Fleisch produzieren, war bei Medikamenten immer schon besonders streng: Bestimmte in Deutschland generell für Tiere zugelassene Antibiotika sind bereits seit über 20 Jahren verboten, da sie als Reserveantibiotika in der Humanmedizin gelten. Damit haben die Bioland-Bauern die Problematik der zunehmenden Resistenzen mit als Erste erkannt – und entsprechend gehandelt. Und das lange bevor dieses Thema wie derzeit über Antibiotika-Eintragungen in Gewässer in der öffentlichen Debatte angekommen war.

Bückeburger setzt auf Eigenproduktion

Werden in einem Bioland-Betrieb dennoch Tierarzneimittel verabreicht, müssten die Biobauern die konventionell angegebenen Wartezeiten verdoppeln, weiß Vahlbruch zu berichten. Auch dürften Bioland-Tiere nur maximal dreimal pro Jahr mit konventionellen Arzneimitteln behandelt werden. Tiere, deren Lebenszeit kürzer als ein Jahr ist, sogar nur einmal.

Werner Dehne ist Besitzer von rund 80 Rindern. Der Biolandwirt aus Bückeburg nutzt zur Fütterung seiner Tiere nur eigens produziertes Futter, um eine „artgerechte Haltung zu gewährleisten“. Doch auch bei dieser Ernährungsweise kann ein Rind durchaus erkranken. Gesundheitliche Probleme sind im Tierreich genauso üblich wie beim Menschen. Handelt es sich dabei um eine bakterielle Infektion, wird dem infizierten Exemplar vom Veterinär zumeist ein Antibiotikum verabreicht. Diese Vorgehensweise bei Mast- und Nutztieren steht allerdings in der Kritik.

Laut einer aktuellen Umfrage halten rund 80 Prozent der Deutschen Antibiotika in der Fleischerzeugung für gefährlich. Das größte Gesundheitsrisiko sehen die meisten Befragten überwiegend in der Gefahr einer Antibiotikaresistenz. „Grundsätzlich wird ein Antibiotikum dem Tier nur verabreicht, wenn eine konkrete Infektion festgestellt wurde“, erklärt Dr. Norbert Bachmann, Veterinär und Kleintierarzt aus dem Auetal. Ein Antibiotikamissbrauch in Form einer vorbeugenden Maßnahme oder zur Steigerung des Fleischanteils eines Masttieres führe tatsächlich zur Bildung von Resistenzen. Das wiederum steigere das Risiko von multiresistenten Keimen, gegen die kaum noch ein Antibiotikum wirke, so Bachmann weiter.

Homöopathie als unbedenkliche Alternative

Auf dem Biohof Dehne wird deshalb versucht, weitestgehend auf Antibiotika zu verzichten. Stattdessen setzt der Landwirt bei nicht sonderlich schwerwiegenden Infektionen auf homöopathische Behandlung. „Meine Frau hat eine medizinische Weiterbildung auf dem Gebiet der Homöopathie, sodass wir diese Behandlungsmethode selber anwenden können“, erläutert Dehne. Dennoch sei ein vollständiger Verzicht auf Antibiotika in bestimmten Sonderfällen einfach nicht möglich. Das Leben der Tiere müsse im Notfall geschützt werden.

Damit nach einem Einsatz des Wirkstoffs bei einem kranken Tier trotzdem keine Rückstände im Fleisch zu finden sind, gilt eine Wartezeit nach der Verabreichung bis zur Schlachtung. Diese falle je nach Medikament unterschiedlich aus und werde mit dem Veterinär abgesprochen, beschreibt Bachmann die Richtlinien. Die Einhaltung dieser Regularien sei enorm wichtig, denn „der Betroffene eines möglichen Antibiotikamissbrauchs ist nicht zwangsläufig das eine kranke Tier, sondern wir alle“, nennt Bachmann die Gefahren einer Resistenz. Zusätzlich muss zur Kontrolle und Überwachung jeder Medikamenteneinsatz bei einem Nutztier dokumentiert und an das Landesamt für Verbraucherschutz übermittelt werden.

Medikamente sinnvoll einsetzen

Für Dieter Wilharm-Lohmann, Kreislandwirt des Landkreises Schaumburg, wäre es „eine mittlere Katastrophe“, sollte versehentlich eines seiner Tiere mit Restbeständen von Medikamenten zur Schlachtung angemeldet werden. „Antibiotikarückstände dürfen auf keinen Fall im Fleisch oder in der Milch zu finden sein“, mahnt der Milchbauer. Daher seien Kontrollen und Tests extrem wichtig.

Um weitere Verbreitungswege des Präparats auszuschließen, stehen behandelte Rinder bei Werner Dehne während ihrer Wartezeit dauerhaft im Stall. Dadurch will er verhindern, dass belastete Ausscheidungen der Tiere in die Umwelt gelangen. Dem Landwirt liegt der bewusste Umgang mit Medikamenten besonders am Herzen: „Die heutigen Möglichkeiten in der Tiermedizin sind ein großer Fortschritt. Es ist wichtig, dass Medikamente sinnvoll eingesetzt werden“, betont Dehne.

Die Statistiken bestätigen ihn. Seit dem gesetzlichen Verbot einer prophylaktischen Antibiotikavergabe 1996 ist die Abgabemenge in Deutschland stark zurückgegangen. So registrierte das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) im Jahr 2016 eine Menge von 742 Tonnen Antibiotika, die von den Pharmaunternehmen an Tierärzte verkauft wurden.

Dagegen waren es zu Erfassungsbeginn 2011 noch 1706 Tonnen. Die Entwicklung im Landkreis Schaumburg deckt sich mit der des Bundes: Für die Postleitzahl-Region 03, der auch der Landkreis Schaumburg angehört, verzeichnete das BVL im Verlauf von 2011 bis 2016 einen enormen Rückgang von über 70 Prozent. Mit weniger als fünf Tonnen verkauftes Antibiotika im Jahr 2016 liegt die Region damit im Bundesdurchschnitt. Von Niklas Könner und Joachim Zieseniß