Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Aus dem Landkreis Bundespolizist am Ende
Schaumburg Landkreis Aus dem Landkreis Bundespolizist am Ende
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:55 02.05.2017
Als der Angeklagte mit seinem Verteidiger Ralf Jordan den Gerichtssaal betritt, setzt Blitzlichtgewitter ein. Quelle: col
LANDKREIS

Dabei ging es nur um eine Rechtsfrage - Sollten die bei dem 41-Jährigen gefundene Waffe und die Munition als eine Tat gewertet werden? Angesichts der Vorwürfe und der bereits rechtskräftigen Urteile unter anderem wegen des Besitzes von Kinderpornografie gegen den zurzeit suspendierten Polizisten vielleicht wenig überraschend, wie auch Amtsrichterin Monika Pinski sagte. Schließlich sei hier eine Person angeklagt, „die uns eigentlich schützen sollte“. Das löse Ängste und Empörung aus.

Bundesweit in den Schlagzeilen

Rückblick: In der Nacht auf den 26. September 2014 hat der Polizist auf der Wache am hannoverschen Hauptbahnhof einen Flüchtling, der ohne Fahrschein in einer Bahn aufgegriffen worden war, zu Boden gebracht und fotografiert. Mit den Worten „der Bastard hat gequiekt wie ein Schwein“ hat er das Foto an einen Kollegen weitergeleitet. Wegen Foltervorwürfen, die sich nicht erhärteten, war der Fall bundesweit in die Schlagzeilen geraten. Innerhalb von einen Monat hat es bei dem Polizisten zwei Wohnungsdurchsuchungen gegeben. Am 15. April 2015 war in einem Tresor eine Zigarrenkiste voll mit Munition gefunden worden, am 15. Mai fanden die Beamten in einem Gartenschuppen außerdem eine Pumpgun und weitere Patronen.

Neben den Waffen und der Munition, für die er keine Besitzerlaubnis hatte, wurden bei dem Polizisten auf vier Laptops und CDs 300 kinder- und jugendpornografische Bilder und Videos gefunden. Diese Bilder hießen beispielsweise „Inzest Vater und Tochter im Garten“ oder „4-year-old pedo-sex“.

Das Amtsgericht verurteilte den mittlerweile suspendierten Polizisten am 19. Juli 2016 zu einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten auf Bewährung, zu 150 Tagessätzen á 30 Euro sowie 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit. Das Oberlandesgericht Celle hob das Urteil bezüglich des Waffen- und Munitionsbesitzes auf und gab den Fall zurück nach Hannover.

Staatsanwaltschaft forderte neun Monate und zwei Wochen

Die Beweisaufnahme war gestern nach 20 Minuten abgeschlossen, der 41-Jährige äußerte sich nicht weiter zu den Vorwürfen, die er eingeräumt hatte. Sein Anwalt forderte eine Gesamtstrafe von acht Monaten. Den Vorwurf der Staatsanwältin, nach der die Waffe im Schuppen zu einer Gefahr für Dritte hätte werden können, wollte er so nicht gelten lassen. Schließlich hätten erfahrene Beamte des Landeskriminalamtes die Waffe erst bei der dritten Durchsuchung gefunden. Die Staatsanwaltschaft hatte neun Monate und zwei Wochen gefordert.

Die Richterin entschied auf acht Monate und drei Wochen auf Bewährung, die Kosten der Revision muss der Schaumburger tragen. Aber das gesamte Verfahren hat „katastrophale Auswirkungen auch in persönlicher Hinsicht“, wie Richterin Pinski sagte. Vom Dienst ist er aktuell suspendiert, seinen Beamtenstatus wird er wohl ebenso verlieren wie seine Pensionsansprüche. Außerdem hat sich seine Frau von ihm getrennt. Bereits im Mai 2015 hatte das Amtsgericht Stadthagen den Schaumburger zu einer Geldstrafe von 2400 Euro verurteilt, weil er einer 14-Jährigen ein pornografisches Bild von sich geschickt hatte. col

Mehr zum Thema
Aus dem Landkreis Misshandlung von Flüchtlingen in Hannover - Beschuldigter Polizist kommt aus Schaumburg

Bei dem Polizeibeamten, der im Verdacht steht, Flüchtlinge in einer Gewahrsamszelle schwer misshandelt zu haben, handelt es sich nach Informationen der Schaumburger Nachrichten um einen Familienvater aus dem Landkreis Schaumburg.

20.05.2015
Aus dem Landkreis Reaktionen auf Vorwürfe gegen Polizisten aus dem Landkreis - Schaumburger sind fassungslos

Der Schock ist groß im Landkreis, seitdem klar ist, dass der deutschlandweit in den Schlagzeilen stehende Bundespolizist ein Schaumburger ist. Ein ganzer Berufszweig bangt um seinen Ruf.

20.05.2015

Bei einer Hausdurchsuchung in den Räumen eines Schaumburger Unternehmers hat die Polizei kinderpornografisches Material sichergestellt.

20.03.2016