Corona-Lockdown in Schaumburg im Frühjahr und jetzt - der Vergleich
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Aus dem Landkreis Niedrigere Zahlen, schärfere Maßnahmen: So war der Lockdown im Frühjahr – und so wird er jetzt
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Corona-Lockdown in Schaumburg im Frühjahr und jetzt - der Vergleich

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18:00 15.12.2020
Ende März waren die Spielplätze in Niedersachsen gesperrt. Davon ist derzeit nicht die Rede.
Ende März waren die Spielplätze in Niedersachsen gesperrt. Davon ist derzeit nicht die Rede. Quelle: Christian Behrens
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Mitte März 2020 hatte die Pandemie in Deutschland endgültig Auswirkungen auf das öffentliche Leben: Schulen und Geschäfte mussten schließen, und nach und nach schränkten Bund und Länder das Leben ihrer Bürgerinnen und Bürger ein. Ähnliches passiert ab Mittwoch, 16. Dezember, wieder. Aber: Ist der zweite Lockdown ähnlich heftig wie der erste? Ein Vergleich.

Fallzahlen: Große Unterschiede

Situation im Frühjahr: Freitag, der 13. März war ein einschneidender Tag in Niedersachsen und anderswo – der Tag, an dem viele Einschränkungen beschlossen wurden, etwa die Schließung von Schulen und Kitas. Die Zahl nachgewiesener Infektionen mit dem Coronavirus lag in der Region Hannover an jenem Freitag bei 60 Fällen, in Niedersachsen bei 230. „Jetzt sehen wir eine massive Entwicklung seit gestern“, sagte Niedersachsens Gesundheitsministerin Carola Reimann (CDU).

Konstatierte im März 230 Corona-Fälle landesweit – und im Dezember mehr als 16 .000: Niedersachsens Gesundheitsministerin Carola Reimann. Quelle: JulianStratenschulte/dpa

Situation Mitte Dezember: Neun Monate später wäre man in Schaumburg und Niedersachsen froh über solche Zahlen. Am 14. Dezember lag die Zahl der aktuell Infizierten im Landkreis bei 237, in Niedersachsen bei 16 597.

Kontaktverbote: Nur zu zweit

Quelle: David Young/dpa

Situation im Frühjahr: Ab dem 23. März galt: Treffen von mehr als zwei Personen in der Öffentlichkeit waren in Deutschland verboten. Private Feiern waren nicht mehr gestattet.

Situation Mitte Dezember: Grundsätzlich gilt bereits jetzt und noch bis zum 10. Januar, dass sich maximal fünf Personen aus zwei Haushalten treffen sollen – Kinder unter 14 Jahren werden dabei nicht gezählt. Vom 24. bis zum 26. Dezember gibt es von dieser Regel eine Ausnahme.

Schulen und Kitas: Schließung vs. Freiwilligkeit

Quelle: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/

Situation im Frühjahr: Ab Montag, 16.  März, blieben Schulen und Kindertagesstätten in Niedersachsen zunächst für fünf Wochen geschlossen – darin waren auch die Osterferien enthalten. Ab dem 27. April kamen die Schülerinnen und Schüler sukzessive Jahrgang für Jahrgang wieder zurück. Manche hatten vor den Sommerferien kaum noch Präsenzunterricht. Für Kinder von Beschäftigten aus sogenannten systemrelevanten Berufen gab es eine Notbetreuung. Die Kitas blieben sogar bis 22. Juni geschlossen – außer für jene Kinder, die auch hier in die Notbetreuung durften.

Situation Mitte Dezember: Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne hat den Eltern freigestellt, ihre Kinder zu Hause zu behalten und von der Möglichkeit des Fernlernens Gebrauch zu machen. Am Montag aber deutete sich schon an: Zumindest in den Grundschulen machten davon die Wenigsten Gebrauch. Auch Kitas bleiben grundsätzlich offen, sollen aber ebenfalls ihren Präsenzbetrieb herunterfahren. Tonne appellierte an die Eltern, ihre Kinder möglichst nicht in die Kitas zu schicken.

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Spielplätze: Nichts ging mehr

Trostloses Frühjahr: Die Spielplätze waren während des ersten Shutdowns gesperrt. Quelle: Christian Behrens

Situation im Frühjahr: Wochenlang konnten die Kinder im Landkreis ab Mitte März nicht auf die Spiel- und Bolzplätze, sie waren gesperrt. Erst am 6. Mai wurden sie wieder freigegeben – auch der Zoo in Hannover öffnete wieder.

Situation Mitte Dezember: Bisher ist von einer Sperrung der Spielplätze noch nicht die Rede – sie sind weiter offen.

Einkaufen: Leere in der City

Leere hannoversche Cit Quelle: Michael Thomas

Situation im Frühjahr: Am 16. März schloss Niedersachsen, wie auch die meisten anderen Bundesländer, die Geschäfte – bis auf Supermärkte und ähnliche Läden.

Situation Mitte Dezember: Genau neun Monate später, am Mittwoch, 16. Dezember, schließen bundesweit wieder sämtliche Läden – abgesehen von denen, die Waren des täglichen Bedarfs anbieten. Die Liste der Ausnahmen ist recht lang.

Gastronomie: Nur noch außer Haus

Die Klickmühle in der Altstadt ist geschlossen – wie schon im Frühjahr. Quelle: Ilona Hottmann

Situation im Frühjahr: Am 20. März schloss das Land Niedersachsen Restaurants und Bars, nur Außer-Haus-Verkauf war gestattet. Am 11. Mai durften sie wieder öffnen.

Situation Mitte Dezember: Seit gut einem Monat sind gastronomische Betriebe wieder geschlossen – Ende offen. Ausnahme wieder: Der Außer-Haus-Verkauf.

Bibliotheken und Museen: Stille im Haus

Einsame Leiterin: Carola Schelle-Wolf im April in der geschlossenen Stadtbibliothek. Quelle: Katrin Kutter

Situation im Frühjahr: Mitte März mussten sie alle schließen.

Situation Mitte Dezember: Nach einer Phase der Entspannung im Sommer sind all diese Einrichtungen seit Wochen wieder geschlossen.

Hotels: Nur für Verwandte und Geschäftsreisende

Direktor Michael Schlabritz im März vor seinem Hotel Plaza in Hannover. Quelle: Christian Behrens

Situation im Frühjahr: Hoteliers durften ab dem 17. März für mehrere Wochen. keine Gäste mehr unterbringen. Monteure und Geschäftsreisende durften jedoch übernachten.

Situation Mitte Dezember: Hotels sind seit Anfang November wieder geschlossen – allerdings gelten in manchen Bundesländern noch Ausnahmen für Menschen, die Verwandte besuchen, etwa in Niedersachsen, Berlin, Hessen, Sachsen-Anhalt und Sachsen. Auch Geschäftsreisende sind erlaubt.

Reisen: Geschlossene Grenzen

Grenze zu Polen in Sachsen im März. Quelle: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbil

Situation im Frühjahr: Mitte März schloss Deutschland seine Grenzen zu Dänemark, Frankreich, Österreich, Luxemburg und der Schweiz. Gleichzeitig riegelten die norddeutschen Küstenländer die Inseln in der Nord- und Ostsee ab. Urlaubsreisen ins In- und Ausland wurden verboten. Später wurden sämtliche nicht notwendigen Reisen auch im Inland untersagt.

Situation Mitte Dezember: Von Reisen ins Ausland wird abgeraten, sie sind aber nicht verboten. Wer in ein ausländisches Risikogebiet reist, muss sich vor seiner Rückkehr bei einreiseanmeldung.de digital anmelden und nach der Rückkehr zehn Tage in Quarantäne begeben. Diese Quarantäne kann durch einen negativen Corona-Test verkürzt werden, der aber frühestens fünf Tage nach Rückkehr gemacht werden darf. Als Risikogebiet zählen Länder oder Regionen, in denen der Inzidenzwert über 50 liegt – also aktuell fast jedes Land in Europa und viele Länder weltweit.

Masken: Späte Einsicht

Quelle: Julian Stratenschulte/dpa

Situation im Frühjahr: Um die Maskenpflicht gab es ein längeres Hin und Her. Während große Teile des öffentlichen Lebens schon seit Mitte März lahm lagen, kam die Maskenpflicht etwa für Geschäfte und den öffentlichen Nahverkehr erst am 27. April.

Situation Mitte Dezember: Die Maskenpflicht gilt seit Ende April durchgängig – und ist in der Zwischenzeit in Niedersachsen noch auf weitere Bereiche ausgedehnt worden, etwa auf Fußgängerzonen und Supermarktparkplätze.

Unternehmen: Die Bänder standen still

Stillstand in Wolfsburg: Leere Parkplätze vor dem VW-Werk Ende März. Quelle: imago images/Jan Huebner

Situation im Frühjahr: Mitte März stellte Continental seine Produktion ein, VW zog einige Wochen später nach. Darüber hinaus erging der Appell an Unternehmen und Arbeitnehmer, so weit wie möglich das Arbeiten im Homeoffice zu ermöglichen.

Situation Mitte Dezember: Die meisten Unternehmen arbeiten, so weit möglich, nach wie vor ganz oder teilweise im Homeoffice – viele Arbeitnehmer haben ihren Arbeitsplatz seit März nicht mehr betreten. Die Industrieproduktion bei Conti und VW dagegen läuft derzeit.

Altenheime und Krankenhäuser: Keine Besuche

Hoher Besuch: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn Ende April in der Medizinischen Hochschule Hannover. Quelle: Ole Spata/dpa

Situation im Frühjahr: Wie auch bundesweit wurden Mitte März in Niedersachsen alle planbaren Operationen verschoben, um die Krankenhäuser für Patienten mit dem Coronavirus freizuhalten. Die hannoverschen Kliniken untersagten Besuche. Ende März verhängte Niedersachsens Sozialministerin Carola Reimann einen Aufnahmestopp für Pflegeheime.

Situation Mitte Dezember: Das Krankenhaus in Vehlen muss aufgrund der vielen belegten Intensivbetten nicht dringende Operationen verschieben. Damit gehört die Klinik zu einer Ausnahme in Niedersachsen. Noch wird in den Krankenhäusern der Region Hannover operiert. Besuche sind stark eingeschränkt – meist darf nur eine immer gleiche Person für einen kurzen Zeitraum am Tag kommen. Dasselbe gilt in Alten- und Pflegeheimen.

Fußball-Bundesliga: Frühjahrspause

Geisterspiele nach dem Re-Start: Zweitligaspiel Hannover 96 gegen Heidenheim Anfang Juni. Quelle: Friedemann Vogel/epa/Pool/dpa

Situation im Frühjahr: Kurz vor dem 26. Spieltag der Fußball-Bundesliga, der am Wochenende um den 14. März hätte stattfinden sollen, setzte die Bundesliga ihren Spielbetrieb aus. Ende Mai ging es mit Geisterspielen wieder los, zwischendurch wurden in einigen Städten auch wieder Zuschauer zugelassen – wenn auch sehr begrenzt.

Situation Mitte Dezember: Zurzeit läuft der Spielbetrieb wieder, allerdings ohne Zuschauer. Auch Europapokal- und Länderspiele finden statt – nicht selten kehren Spieler mit Corona-Infektionen zurück.

Gottesdienste: Nur mit Abstand

Gottesdienst in Uetze im November. Quelle: Martin Lauber

Situation im Frühjahr: Zunächst wurden die Konfirmationen abgesagt, dann, Mitte März, sämtliche Gottesdienste und Andachten. Betroffen waren auch die wichtigen Feiertage Karfreitag und Ostern.

Situation Mitte Dezember: Die Teilnahme am Gottesdienst am Heiligen Abend oder an den Weihnachtstagen ist grundsätzlich möglich, allerdings unter den bekannten Einschränkungen: Besucher müssen mindestens 1,50 Meter Abstand voneinander halten und auch am Platz Maske tragen. Einzelne Personen etwa am Altar dürfen singen, die Gemeinde nicht.

Großveranstaltungen und Konzerte: Nichts geht mehr

Sein Hannover-Konzert fiel aus: Superstar Paul McCartney. Quelle: imago/UPI Photo

Situation im Frühjahr: Im März wurden Großveranstaltungen verboten, zwischendurch konnten sie stark eingeschränkt und mit deutlich weniger Besuchern stattfinden.

Situation Mitte Dezember: Derzeit sind Großveranstaltungen nicht gestattet, Theater und Kinos sind geschlossen.

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Von Felix Harbart