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Aus dem Landkreis Debatte um Martinshorn: Kreisbrandmeister Grote verteidigt Einsatz
Schaumburg Landkreis Aus dem Landkreis Debatte um Martinshorn: Kreisbrandmeister Grote verteidigt Einsatz
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13:43 15.08.2019
Über den Einsatz von Martinshörnern in der Nacht wird immer wieder diskutiert.  Quelle: Symbolbild, dpa
Landkreis

Morgens um vier mit dem Martinshorn durch die Straßen der Stadt: Muss das sein? Zumal bei Schaumburger Verhältnissen, in eher kleinen Städten, in denen es um die Zeit doch so gut wie keinen Verkehr gibt? Das Thema ist nicht neu, erhält aber wie so vieles Auftrieb durch die Diskussion in den sozialen Medien.

So sah sich Kreisbrandmeister Klaus-Peter Grote kürzlich genötigt, bei Facebook in einem Post Stellung zu beziehen. Das Martinshorn, schrieb er, dürfe „nur verwendet werden, wenn höchste Eile geboten ist“. Wer meckert, solle bedenken, dass wirklich jeder einmal auf eine Hilfsorganisation angewiesen sein könnte.


Häufig unsachliche Züge im Netz

Grote nennt in seinem Post keinen konkreten Anlass, allerdings hatte sich kurz zuvor eine entsprechendes Gedanke unter einem Beitrag der Schaumburger Nachrichten entsponnen. In dem Artikel ging es um das Feuer in einem Flüchtlingsheim in Bad Nenndorf in den frühen Morgenstunden.


Wie bei vielen anderen Dingen auch nehme die Auseinandersetzung dazu im Netz oft „unsachliche“ Züge an. Aber: Die Frage nach Sinn und Unsinn des Martinshorns begleitet Grote nach eigenen Angaben schon seine gesamte Feuerwehrkarriere hindurch, und die umfasst inzwischen mehr als vier Jahrzehnte.

Martinshorn ist kein Freibrief

Zuerst einmal, sagt der Kreisbrandmeister, bedeute das Blaulicht allein verkehrsrechtlich eigentlich gar nichts. Das sogenannte Wegerecht entsteht durch die Kombination mit dem Martinshorn. Der Einsatzwagen darf erst dann also über rote Ampeln brausen und „Rechts vor links“ ignorieren, andere Fahrer müssen Platz machen.

Ein Freibrief ist das übrigens nicht. „In eine Kreuzung müssen wir trotzdem vorsichtig einfahren“, sagt der Kreisbrandmeister. Passiert ein Unfall, droht Feuerwehrmann oder Rettungssanitäter in der rechtlichen Bewertung zumindest eine Teilschuld.

Debatte gab es bereits in den Neunzigern

Trotzdem sehen aufmerksame Autofahrer öfter mal Blaulicht ohne Martinshorn. Hört man sich in Feuerwehrkreisen um, geht es in diesen Fällen genau darum – Bürger nicht mit dem Tatütata zu nerven. Aber streng genommen, sagt Grote, „ist das nicht in Ordnung“. Schon Anfang der Neunziger allerdings, in seiner Zeit als Samtgemeindebrandmeister in Sachsenhagen, habe es die Debatte gegeben. Sogar die Politiker im Rat machten das Martinshorn zum Tagesordnungspunkt.

 „Wir machen das nicht, weil es so toll ist"

Damals wie heute gehe es potenziell immer um Menschen in Gefahr. „Wir machen das nicht, weil es so toll ist“, erklärt Grote. Im Gegenteil. „Macht man das Ding an, versteht man sein eigenes Wort nicht mehr.“

Im nordrhein-westfälischen Mettmann hat die Feuerwehr Mitte Juli eine E-Mail zum Thema Martinshorn erhalten. Der Verfasser drohte mit einer Anzeige wegen Körperverletzung. von Jan-Christoph Prüfer

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