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Aus dem Landkreis Der Busch-Preis geht an Ralf König
Schaumburg Landkreis Aus dem Landkreis Der Busch-Preis geht an Ralf König
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00:15 14.03.2017
Wird für sein Lebenswerk mit dem Wilhelm-Busch-Preis geehrt: Ralf König.
Wird für sein Lebenswerk mit dem Wilhelm-Busch-Preis geehrt: Ralf König. Quelle: dpa
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Wohl kein anderer deutscher Comic-Zeichner hat – auch international – mehr Preise einheimsen können als König. Der 56-Jährige wurde unter anderem auf den renommierten Comic-Festivals in Angoulême (Frankreich) und Lucca (Italien) ausgezeichnet. Und gleich viermal erhielt er den Max-und-Moritz-Preis auf dem Internationalen Comic-Salon Erlangen.

Seinen Durchbruch erzielte der im westfälischen Soest geborene Zeichner 1987 mit dem Comic „Der bewegte Mann“. Das Werk wurde sieben Jahre später von Regisseur Sönke Wortmann mit Til Schweiger, Joachim Król und Katja Riemann in den Hauptrollen verfilmt und avancierte mit 6,5 Millionen Zuschauern zu einem der erfolgreichsten deutschen Filme der Kinogeschichte. Er wurde in 47 Ländern gezeigt und 1995 mit dem Bundesfilmpreis ausgezeichnet.

Mit Kurzgeschichten brilliert

König setzte in dem Buch konsequent auf ein langes Erzählformat, das mit über 100 Seiten weit von dem entfernt ist, was das deutsche Publikum bis dato aus Comic-Heften oder -Alben mit ihren Standardumfängen gewohnt war. Damit wurde der Wahl-Kölner zu einem wichtigen Pionier der sogenannten Graphic Novels. Zuvor hatte König zumeist mit Kurzgeschichten brilliert, die er seit Anfang der 1980er Jahre etwa in seinen „Schwul-Comix“ veröffentlicht. Seit dieser Zeit wird er wahlweise als „wichtigster Chronist“ oder „bedeutendster Sympathieträger“ der Schwulenbewegung bezeichnet.

Bis heute behält sich König eine große formale Flexibilität vor, die immer nur den Inhalten verpflichtet ist – ganz so, wie es schon Wilhelm Busch bei seinen Werken hielt. Dieser Pionier des Comics erweckte Ralf Königs Interesse an Bildergeschichten bereits in ganz jungen Jahren, als er im elterlichen Haushalt „Das große Wilhelm Busch Album“ entdeckte, das ihm bis heute ein wichtiger Wegbegleiter auf seiner künstlerischen Karriere geblieben ist, wie er selbst sagt.

Pointierte Auseinandersetzung mit Religionsthemen

„Ganz auf Wilhelm Buschs Spuren wendet sich Ralf König gegen jegliche Versuche, das freie Denken einzuschränken, und betont stattdessen das Streben nach Selbstentfaltung – auch und gerade gegen gesellschaftliche Widerstände“, heißt es in der Begründung der Jury. Immer wieder habe König durch seine pointierte Auseinandersetzung mit Religionsthemen von sich reden gemacht, so in dem zweibändigen Werk „Dschinn Dschinn“, seinen zum Karikaturenstreit entstanden Cartoons oder seiner „Bibel-Trilogie“.

Mit diesen Arbeiten, die neben ihrer unbändigen Komik auch pointierte Gesellschaftskritik beinhalten, steht König nach Auffassung der Jury in direkter Nachfolge von Wilhelm Busch, der sich selbst aufgrund der Geschichte „Der heilige Antonius von Padua“ zu seiner Zeit der „Herabwürdigung der Religion“ bezichtigt sah. Es war wohl auch diese geistige Nähe, die Ralf König veranlasste, auf seine ganz eigene Weise Buschs bekannteste Figuren Max und Moritz für das Ausstellungs- und Buchprojekt „Wilhelm Busch und die Folgen“ zu interpretieren. Anlass war im Jahr 2008 der 100. Todestag des berühmten Wiedensahlers.

Verleihung alle zwei Jahre

Der Wilhelm-Busch-Preis wird alle zwei Jahre verliehen. Gemeinsame Stifter sind die Schaumburger Landschaft, die Sparkasse Schaumburg und die Schaumburger Nachrichten. Überreicht wird die mit einem Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro verbundene Auszeichnung am 1. November bei einem Festakt im Ratskeller Stadthagen. Frühere Preisträger sind unter anderem Robert Gernhardt (2006), Loriot alias Vicco von Bülow (2007), Franziska Becker (2013) und Hans Traxler (2015). mf

Best of König

Schwul-Comix – 4 Bände, Rosa Winkel, Berlin 1981-1986.
Der bewegte Mann – Rowohlt, Reinbek 1987.
Konrad und Paul – Comic-Serie ab 1990 für das Magazin „magnus“ (Buchausgabe zuletzt als „Konrad und Paul – Ist der Ruf erst ruiniert ...“, Egmont/ECC, Köln 2013).
Dicke Dödel – Teil 1: „Bullenklöten“ (1992) & Teil 2: „Super-Paradise“ (1999), Männerschwarm, Hamburg.
Roy & Al – Comic-Serie ab 2003 für die Website „GayRoyal.de“ und das Magazin „Männer aktuell“ (Buchausgabe bei Männerschwarm, Hamburg 2004).
Dschinn Dschinn – Teil 1: „Der Zauber des Schabbar“ (2005) & Teil 2: „Schleierzwang im Sündenpfuhl“ (2006), Rowohlt.
Bibel-Trilogie – Teil 1: „Prototyp“ (2008), Teil 2: „Archetyp“ (2009) & Teil 3: „Antityp“ (2010), Rowohlt.
Elftausend Jungfrauen (2012), Rowohlt.
Pornstory (2015), Rowohlt.
Im Juni 2017 erscheint ebenfalls im Rowohlt-Verlag Königs neuestes Buch „Herbst in der Hose“.

Die Jury

Prof. Dr. Hans-Georg Bögner (Sparkassenstiftung Kultur/SK-Stiftung Jugend und Medien, Köln-Bonn)
Prof. Dr. Dietrich Grünewald (Universität Koblenz-Landau, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Comicforschung)
Martin Jurgeit (Kurator und Redakteur, JNK Verlag Berlin)
Dr. Gisela Vetter-Liebenow  (Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst, Hannover).