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Aus dem Landkreis Der Realität anpassen
Schaumburg Landkreis Aus dem Landkreis Der Realität anpassen
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00:21 28.01.2019
In Stadthagen ist bei großen Veranstaltungen und verkaufsoffenem Sonntag viel los. Quelle: rg
Landkreis

Verdi dagegen pocht auf Ruhezeiten am Sonntag. Aber auch die Kirchen befürchten eine weitere Aushöhlung des Sonntagsschutzes. Das Thema beschäftigt natürlich auch die Städte und Einzelhändler in Schaumburg.

Günter Raabe plädiert dafür, die vier gesetzlich möglichen verkaufsoffenen Sonntage weiterhin zu nutzen. Der Vorsitzende des Stadtmarketing Stadthagen kann sich vorstellen, dass sich auch ein oder zwei zusätzliche Termine tragen würden. Wie in anderen Städten ist der verkaufsoffene Sonntag immer mit großen Veranstaltungen wie Stadtfesten oder Krammarkt gekoppelt.

Konkurrenz durch Online-Geschäft

Da das Ladenöffnungsgesetz Ländersache ist, sieht Raabe einen deutlichen Wettbewerbsnachteil gegenüber dem Nachbarn Nordrhein-Westfalen. „In Niedersachsen ist es nicht erlaubt, die Läden an einem Adventssonntag zu öffnen. In NRW dagegen schon.“ Auch die Kriterien, dass anerkannte Ausflugsorte wie Bückeburg, die Möglichkeit für acht verkaufsoffene Sonntage haben, findet Raabe fragwürdig. Die Reaktion von Verdi könne er zwar nachvollziehen, allerdings sei Wochenendarbeit in anderen Berufen auch üblich. „Außerdem hat sich das Arbeitsleben in den vergangenen Jahren einfach verändert“, betont der Vorsitzende des Stadtmarketings. Die Konkurrenz durch das Online-Geschäft sei erdrückend und der stationäre Handel gefordert zu reagieren. „Wir müssen uns der Realität anpassen.“ In diesem Zusammenhang sei mehr mögliche Flexibilität bei den verkaufsoffenen Sonntagen angebracht.

Giovanni di Noto vom Bückeburger Stadtmarketing (BSM) sieht das Thema zwiespältig. Auf der einen Seite müsse man mit den anderen größeren Städten mithalten. Auf der anderen Seite hält er die Ruhephasen am Sonntag, gemeinsam mit der Familie, für enorm wichtig. Man müsse entscheiden, ob der Zufriedenheitsfaktor über dem Ertrag stehe. Bei di Noto bleiben die Ladentüren am Sonntag seit einiger Zeit geschlossen. Er habe das lange selbst mitgemacht, doch im Laufe der Zeit gemerkt, dass die Familienzeit wichtiger ist. Generell gebe es an den verkaufsoffenen Sonntagen keine Verpflichtung für die Inhaber, ihre Geschäfte zu öffnen. Di Noto könne beide Seiten nachvollziehen. Man müsse immer viele Faktoren bei einer solchen Entscheidung berücksichtigen.

Einkauf mit Parkbummel

Für den Kurort Bad Nenndorf gelten dagegen Sonderregelungen und dementsprechend mehr Möglichkeiten. Die nutzt der Rewe vor Ort – er hat bis auf wenige Ausnahmen jeden Sonntag geöffnet. Stadtdirektor Mike Schmidt hat festgestellt, dass dort während der Öffnungszeiten „richtig was los ist“. Viele erledigten am Sonntag mittlerweile ihren Wocheneinkauf. Da auch einige Kunden aus umliegenden Städten und Gemeinden anreisen, werde der Einkauf auch beispielsweise mit einem Besuch des Kurparks oder der Therme verbunden, andere gehen noch einen Kaffee trinken. Eine Belebung sei also zu spüren. An den vier verkaufsoffenen Sonntagen, wie etwa beim Parkfestival werde weiterhin festgehalten. Tendenziell sei der Plan, die Sonntagsaktivitäten eher zu steigern als zu senken.

Von Jennifer Minke-Beil