Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Aus dem Landkreis Dirk Roßmann zu Gast beim Schaumburger Handwerkstag
Schaumburg Landkreis Aus dem Landkreis Dirk Roßmann zu Gast beim Schaumburger Handwerkstag
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:53 27.10.2019
Drogerieunternehmer Dirk Roßmann (rechts) im Gespräch mit Marc Fügmann.
Drogerieunternehmer Dirk Roßmann (rechts) im Gespräch mit Marc Fügmann. Fotos: wk Quelle: wk
Anzeige
LANDKREIS

Bei der Veranstaltung las der 73-Jährige vor rund 300 Zuhörern eine Passage aus seiner Autobiografie „... dann bin ich auf den Baum geklettert!“ Dabei ging es um eine 1990 von ihm organisierte Hilfsaktion, im Rahmen derer von seinem und einigen anderen Unternehmen gespendete Lebensmittel im Wert von rund zwei Millionen Deutschen Mark nach Moskau gebracht worden waren – in der bittere Not leidenden Sowjetunion. Eine beeindruckende Schilderung, die auch etwas darüber verriet, warum Roßmann zu einem der erfolgreichsten Unternehmer Deutschlands geworden ist.

So berichtete er von langen Diskussionen mit sowjetischen Grenzbeamten. Diese Verhandlungen waren nötig, um die 19 Sattelschlepper starke Hilfslieferung durchführen zu können, wie von ihm mit den Behörden besprochen. Aus Sorge, die Güter könnten „in dunklen Kanälen versickern“, hatte er nämlich im Vorfeld darauf bestanden, die für Alten- und Behindertenheime bestimmten Lebensmittel persönlich abzuliefern.

Wie Weihnachten

In einem dieser Heime hatte Roßmann eine Begegnung mit einer mehr als 70 Jahre alten Bewohnerin, die ihn umarmt und dabei heftig geweint habe. Eine damals anwesende Dolmetscherin habe ihm erklärt, dass die verarmte, alte Frau schon seit Jahrzehnten keinen Kaffee und keine Schokolade mehr genossen habe. Die Spenden aus Deutschland seien daher „wie zehnmal Weihnachten“ für sie.

Jahresumsatz von rund 9,5 Milliarden Euro

Moderiert wurde der Schaumburger Handwerkstag von Marc Fügmann, Chefredakteur der Schaumburger Nachrichten. Roßmann sei „der Prototyp eines erfolgreichen Unternehmers“, hatte Fügmann bei der Vorstellung des Gastredners erklärt. Schon als Zwölfjähriger habe der Gast des Abends Geld mit dem Verkauf von um zehn Prozent vergünstigten Drogerieartikeln verdient, die er sogar frei Haus geliefert habe. Die von Roßmann aufgebaute Drogeriemarktkette zählt inzwischen mehr als 4000 Ladengeschäfte, insgesamt beschäftigt das Unternehmen circa 56.000 Arbeitnehmer und hat – 2018 im Konzern – einen Jahresumsatz von rund 9,5 Milliarden Euro erzielt.

Ergänzend merkte Fügmann an, dass Dirk Roßmann für sein soziales Engagement viele Auszeichnungen erhalten habe, unter anderem das Bundesverdienstkreuz.

Auf eine aus dem Publikum gestellte kritische Frage zum Thema Expansion meinte Roßmann, diese müsse sein. Der Unternehmer begründete das mit den ständig steigenden Kosten, wobei auch die Mitarbeiter mehr Geld haben wollten. Zudem vertrat Roßmann die Positionen „Geben und Nehmen müssen immer in der Balance stehen“ und „Wer Menschen nicht mag, der sollte auch kein selbstständiger Unternehmer sein“.

Runde aus Firmenchefs und Theologen

Um Unternehmertum ging es auch in der Podiumsdiskussion, an der neben Roßmann drei Jungunternehmer aus der Region mitwirkten: Marcel Fehse (Metallbau Stehr), Frederik Oltrogge (Dachdecker Oltrogge) und Mareike Schankin-Reiter (Fleischerei Hardekopf). Zudem beteiligte sich ein Kirchenvertreter aus dem Auetal, Pastor Robert Dierking, an der ebenfalls von Fügmann moderierten Gesprächsrunde. Auf Fügmanns Frage, warum er, Dierking, in diese Runde passe, antwortete der Theologe: „Wir arbeiten gern eigenverantwortlich und mit vollem Elan und können auch einen Werkstolz entwickeln.“

Kirche unterstützt

Zu Beginn der Veranstaltung hatte Landesbischof Karl-Hinrich Manzke erklärt, die Landeskirche und deren Kirchengemeinden stützten das regionale Handwerk, so gut man könne. Dabei bezog er sich auf die Sanierungen von Kirchengebäuden, die immer auch ein finanzieller Kraftakt seien. Veranstaltungen wie den Schaumburger Handwerkstag bezeichnete Manzke als „selbstverständliche Handlungsfelder der Kirche“.

Nach Information von Kreishandwerksmeister Dieter Ahrens sind im Schaumburger Land aktuell rund 1800 Handwerksbetriebe mit insgesamt circa 10000 Beschäftigten. Mehr als 700 davon seien Auszubildende. Von Michael Werk

Lesen Sie auch das Interview mit Dirk Roßmann