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Aus dem Landkreis Drogeriemarkt Rossmann: „Die Frage war: Aufgeben oder kämpfen?“
Schaumburg Landkreis Aus dem Landkreis Drogeriemarkt Rossmann: „Die Frage war: Aufgeben oder kämpfen?“
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22:03 11.10.2019
Die sozialliberale Bundesregierung schaffte Anfang der siebziger Jahre die Preisbindung für Drogeriewaren ab. „Da wusste ich, das ist meine Chance“, sagt der Unternehmer Dirk Roßmann im Interview mit dieser Zeitung.  Quelle: Foto: dpa (Picture-Alliance)
LANDKREIS

Im Interview mit unserer Zeitung gibt der 73-jährige Einblicke in sein Leben und sein Credo als Unternehmer, sein Verhältnis zum Konkurrenten dm und sein finanzielles Engagement bei Hannover 96.

Herr Roßmann, weil Sie 1972 das erste Selbstbedienungsgeschäft für Drogeriewaren in Deutschland gegründet haben, werden Sie häufig als Erfinder und Pionier des Drogeriemarktes bezeichnet. Wie gefällt Ihnen dieser „Titel“?

An „Titeln“ hänge ich nicht. Wir waren die Ersten – und sehen Sie, wo wir jetzt stehen. Diese Entwicklung, das ist etwas, worauf ich stolz bin. Als ich 1972 mein erstes Geschäft eröffnete, hatte ich keinerlei Vorstellung, dass daraus einmal etwas so Großes erwachsen würde.

Was hat Sie damals auf diese Geschäftsidee gebracht?

Die sozialliberale Bundesregierung schaffte Anfang der siebziger Jahre die Preisbindung für Drogeriewaren ab. Da wusste ich, das ist meine Chance. Für Lebensmittel gab es bereits die Selbstbedienung, für Drogerieartikel nicht.

Welches war die bislang beste Entscheidung in Ihrem Berufsleben? Und welches die Schlechteste?

Gute und schlechte Entscheidungen liegen häufig nah beieinander. Ende 1996 sah es nicht gut aus: Wir hatten hohe Bankschulden, und dann bekam ich auch noch einen Herzinfarkt. In solchen Situationen im Leben stellt sich einem immer die Frage: aufgeben oder kämpfen? Die Entwicklung hinzunehmen, kam nicht infrage. Anders als die Ärzte empfohlen, habe ich nicht weniger, sondern mehr gearbeitet – aber für die richtige Sache. Ich war brutal offen gegenüber den Banken und habe auf zehn Seiten beschrieben, was ich falsch gemacht habe. Und auf weiteren zehn stellte ich dar, was jetzt anders werden sollte. Das zahlte sich letztendlich aus.

Aktuell gibt es in insgesamt sieben europäischen Ländern ungefähr 4000 Rossmann-Filialen – davon rund 2150 in Deutschland. Welchen Stellenwert hat demgegenüber der Versandhandel in Ihrem Online-Shop?

Versandhandel spielt für uns im Verhältnis zum stationären Handel nur eine untergeordnete Rolle. Vielmehr informieren sich unsere Kunden im Online-Shop über Produkte, um dann im Geschäft einzukaufen.

Wie groß ist der Online-Anteil am letztjährigen Gesamtumsatz von knapp 9,5 Milliarden Euro?

Zu Umsatzzahlen im Onlinehandel äußere ich mich nicht.

Im Landkreis Schaumburg betreiben Sie aktuell sechs Filialen zwischen Rinteln und Bad Nenndorf. In welchen dieser Filialen waren Sie schon mal persönlich vor Ort?

Deutschlandweit schaue ich mir viele Filialen im Jahr an. Wann ich zuletzt im Schaumburger Land unterwegs war, kann ich Ihnen daher gerade nicht sagen.

Wann und wo werden Sie Filiale Nummer 7 im Schaumburger Land eröffnen?

Bei rund 100 Neueröffnungen im Jahr habe ich nicht alle parat.

Welches sind Ihre drei Lieblingsartikel unter den insgesamt mehr als 21000 bei Rossmann erhältlichen Produkten? Und wie viele beziehungsweise welche Rossmann-Produkte befinden sich in Ihrem heimischen Badezimmer beziehungsweise in Ihrem Haus?

Auch wenn ich mich nur bei den Eigenmarken für drei entscheiden müsste, sprechen wir auch hier von mehr als 4600 verschiedenen Produkten. Zu Hause bei mir finden Sie viele ROSSMANN-Eigenmarken. Spontan fällt mir unsere Granatapfel-Handcreme unserer Naturkosmetikmarke Alterra ein.

Wie ist eigentlich Ihr Verhältnis zu dm-Gründer Götz Werner, zu dessen Sohn Christoph und zu Erich Harsch, dem jetzigen Vorsitzenden der dm-Geschäftsführung?

Götz Werner und ich kennen uns schon lange: seit Herbst 1972. Wenige Monate, nachdem ich meinen ersten Laden eröffnet hatte, kündigte er seinen Besuch bei mir in Hannover an. Über die Jahre entwickelte sich – trotz unserer Konkurrenz – sogar ein freundschaftlicher Kontakt. Heute sehen wir uns nur noch selten, seit sich Götz aus dem operativen Geschäft zurückgezogen hat und sein Sohn Christoph nachgefolgt ist. Aber auch hier gibt es immer mal wieder gemeinsame Aktionen. So sind wir mit dm im Rezyklat-Forum, um uns für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft und den Einsatz von Altplastik einzusetzen.

Welche dm-Produkte hätten Sie auch gerne bei sich im Rossmann-Sortiment?

Die Frage stellt sich mir nicht. Wir schauen auf unser Sortiment und unsere Entwicklung. Wenn wir unser Sortiment erweitern wollen, tun wir es.

Wie denken Sie darüber, dass Discounter wie Aldi und Lidl immer mehr klassische Drogeriemarken wie Nivea, Pantene, Pampers, OB, Ariel oder Priel fest ins Sortiment aufnehmen und damit einen immensen Preiskampf auslösen?

Preiskämpfe im Lebensmitteleinzelhandel sind uns nicht fremd. Doch müssen Sie auch bedenken, dass wir nicht nur Marken führen, sondern sehr starke Eigenmarken, die regelmäßig von Stiftung Warentest und Ökotest ausgezeichnet werden.

Lässt sich der Preiskampf noch einmal zurückdrehen? Oder dürfen sich die Verbraucher über anhaltend niedrige und weiter fallende Preise freuen?

Ich habe keine Glaskugel, um Ihnen einen Blick in die Zukunft zu geben. Aber generell hat auch der Preiskampf seine Grenzen. Handel ist Wandel – da ist vieles möglich.

Bekanntermaßen halten Sie seit 2012 knapp 20 Prozent der Anteile der Profifußballabteilung von Hannover 96. Steckt dahinter ein echtes geschäftliches Interesse? Oder handelt es sich bei diesem finanziellen Engagement um reine Liebhaberei? Oder anders gefragt: Hätten Sie sich auch als Gesellschafter bei Hannover 96 engagiert, wenn NICHT Martin Kind in seinen Funktionen als Präsident und Aufsichtsrat Sie darum gebeten hätte?

Schon in meiner Kindheit war ich Fußballfan und ging regelmäßig zu den Spielen von Hannover 96. Das war schon immer der Verein, für den mein Herz schlug. Ich hätte es selbst nicht für möglich gehalten, mal Anteile an diesem Verein zu besitzen. Martin Kind und mich verbindet eine enge Freundschaft: Beide begeistern wir uns für 96, da geht es weniger um die Funktion meines Freundes im Verein als vielmehr um die Leidenschaft, die wir teilen.

Beim Schaumburger Handwerkertag am 25. Oktober in Bückeburg wollen Sie sich als Gastredner dem Thema „Führen mit Leidenschaft – Unternehmertum zwischen Wagemut und Personal-Verantwortung“ widmen. Welche zentrale Botschaft werden Sie Ihren Zuhörern dann mit auf den Weg geben?

Mein unternehmerisches Ziel ist es, dass meine Mitarbeiter gerne zur Arbeit kommen. Nur so kann ein Unternehmen auf Dauer erfolgreich sein. Zu einer guten Arbeitsatmosphäre gehört vor allem der offene und ehrliche Umgang miteinander. Das schafft Vertrauen – auch im Umgang mit Fehlern. Fehler können passieren – davor ist niemand gefeit. Doch wenn ich diese offen anspreche, lassen sie sich künftig verhindern. Und wenn man sie analysiert, tragen sie sogar dazu bei, dass das große Ganze besser wird.

Abschließende Frage: Wie lange wollen Sie persönlich noch als verantwortlicher Geschäftsführer der Dirk Rossmann GmbH tätig sein? Oder anders gefragt: Wie schwer fällt es Ihnen, loszulassen und sich bei geschäftlichen Entscheidungen überhaupt nicht mehr einzumischen?

Diese Frage bekomme ich häufig gestellt. Sie dürfen sich meine Rolle im Unternehmen nicht so vorstellen, dass ich der alleinige Entscheider bin. Jeder hat seinen Part. Wir ergänzen uns gut in der Geschäftsführung und diskutieren Fragestellungen. Mein Sohn Raoul und ich sind beide noch nicht an dem Punkt, daran etwas ändern zu wollen.

Interview: Holger Buhre

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Der Handwerkstag findet am 25. Oktober ab 18 Uhr auf Schloss Bückeburg statt. Ausrichter sind die Kreishandwerkerschaft, die Schaumburg Lippische Landeskirche und der Kirchenkreis Schaumburg.