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Aus dem Landkreis Ein Star in Not
Schaumburg Landkreis Aus dem Landkreis Ein Star in Not
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00:23 03.03.2018
Der Bestand an Staren geht seit Jahren zurück – auch in Schaumburg.
Der Bestand an Staren geht seit Jahren zurück – auch in Schaumburg. Quelle: pr.
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Und nicht zuletzt ist er aufgrund des bekannten Kinderliedes „Alle Vögel sind schon da“ für viele ein vertrauter Zeitgenosse. In Wahrheit jedoch geht es dem Star hierzulande immer schlechter – vor drei Jahren wurde der Vogel sogar auf die Rote Liste für gefährdete Tierarten gesetzt. Eine Entwicklung, die auch im Landkreis Schaumburg ihren Ausdruck findet.

„Früher war der Star ein Allerweltsvogel“, erklärt Britta Raabe, Leiterin der Nabu-Regionalgeschäftsstelle Weserbergland. Dass auch die Bestände einer derart bekannten Vogelart zurückgingen, sei bezeichnend. Nicht umsonst hat der Naturschutzbund den Star in diesem Jahr zum „Vogel des Jahres“ gekürt, um auf dessen bedrohliche Lage hinzuweisen. Denn wie kaum eine andere Vogelart leidet der Star an der Vernichtung seines natürlichen Lebensraumes.

Wo früher Streuobstwiesen unzählige natürliche Nistplätze für den Höhlenbrüter boten, entstehen heute an selber Stelle vielerorts Baugebiete, in denen die Stare nur selten eine neue Heimat finden. Auch ältere Gebäude seien für die Vögel aufgrund der fortschreitenden energetischen Sanierung immer seltener attraktiv, weil jedes noch so kleine Schlupfloch in Dächern und Hauswänden versiegelt wird, erklärt Hans Arend vom Nabu Hameln-Pyrmont.

Darüber hinaus gehe dem Singvogel zunehmend auch die Nahrungsgrundlage verloren. Schuld daran, so hat es zumindest das Bundesumweltamt festgestellt, ist die konventionelle Landwirtschaft mit dem Einsatz von Pestiziden wie Glyphosat, die nicht nur Unkraut, sondern auch massenhaft Insekten vernichten. „Wenn die Stare nicht genug Futter finden, dann geben sie ihre Brut auf“, weiß Arend. Schätzungen zufolge ist die Zahl der Brutpaare allein zwischen 1998 und 2009 von 6,1 Millionen auf 3,5 Millionen gesunken – ein Rückgang von mehr als 40 Prozent. „Inzwischen sind seit 1998 sicher mehr als die Hälfte der Vögel verschwunden“, vermutet Thomas Brandt von der Ökologischen Schutzstation Steinhuder Meer (ÖSSM).

Der Leiter der Umwelteinrichtung sieht neben dem Einsatz von Unkrautvernichtern auch die Biogaswirtschaft in der Verantwortung. Immer mehr Grünland würde auch in Schaumburg in Maisfelder umgewandelt, um den immensen Bedarf der Biogasanlagen zu bedienen.

Beunruhigende Entwicklung

„Auf Wiesen und Weiden findet der Star, was er zu essen braucht“, erklärt Brandt. Maisfelder hingegen, die inzwischen acht Prozent der Fläche in Schaumburg einnehmen würden, seien totes Land für die Vögel. Zum Vergleich: Gerade einmal drei Prozent der Fläche entfallen auf Naturschutzgebiete.

„Es gibt Ecken, wo es schlimmer ist. Aber gut geht es dem Star hier noch lange nicht“, betont Brandt. Durch die Viehwirtschaft habe es der Vogel in Schaumburg immerhin noch etwas besser als andernorts – denn die Nutztiere würden Insekten und somit Nahrung für die Stare anlocken, erklärt Nick Büscher. „Insofern ist der Star nicht vom Aussterben bedroht“, betont der stellvertretende Landesvorsitzende des Naturschutzbundes in Niedersachsen. Beunruhigend sei die Entwicklung jedoch allemal – nicht umsonst sei die Vogelart 2015 auf die Vorwarnliste für bedrohte Tierarten gesetzt worden.

Von einer aussichtslosen Lage des Stares könne jedoch nicht die Rede sein, da sind sich die Naturschutz-Experten einig. „Jeder, der einen Garten hat, kann etwas für die Vögel tun“, betont Büscher. So könne dem Bruthöhlenmangel beispielsweise durch das Aufstellen von Nistkästen entgegengewirkt werden.

Unterstützung für Vögel notwendig

Auch wenn es derzeit sehr frostig ist: Weil durch die zunehmend wärmeren Winter mehr Vögel in Deutschland blieben, sei es wichtig, diese bei der Nahrungssuche zu unterstützen. „Von Kirschlorbeeren haben die Vögel nichts, die sind ökologisch wertlos“, sagt Büscher, der stattdessen empfiehlt, auf heimische Pflanzen wie Holunder, Hartriegel oder Schneebeeren zu setzen.

Das sieht Thomas Brandt von der ÖSSM ähnlich: „Wir neigen dazu, überall Steine hinzukippen und Friedhofsatmosphäre zu schaffen.“ Stattdessen sollten Wiesen, Bäume sowie heimische Beerensträucher stehen gelassen und Gärten naturbelassener gestaltet werden. „Man muss nicht jedes Gänseblümchen rausrupfen“, findet auch Hans Arend.

Dann, so die Hoffnung der Naturschützer, könnte es dem Star in unseren Breitengraden bereits in ein paar Jahren wieder besser gehen. lht