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Aus dem Landkreis Feind im Schaumburger Muffelterritorium
Schaumburg Landkreis Aus dem Landkreis Feind im Schaumburger Muffelterritorium
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15:42 29.06.2019
Der Wolf wird zur Gefahr für das wertvolle Schaumburger Muffelwild. 
Der Wolf wird zur Gefahr für das wertvolle Schaumburger Muffelwild.  Quelle: pr
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Die Bundesregierung will die Jagd auf Wölfe erleichtern (wir berichteten). Das Problem für das Muffelwild auf dem Bückeberg ist dadurch aber nicht gelöst, wie Bernhard Michel, Vorsitzender der Hegegemeinschaft Schaumburg, und Lothar Seidel, Geschäftsführer der Hegegemeinschaft und Kreisforstamtsleiter, erklären. Das Gesetz beziehe sich zum einen lediglich auf Haus- und Nutztiere und zweitens zielt es auf einzelne Wölfe, die Tiere gerissen haben.

„Die Bejagung ist gebunden an den wirtschaftlichen Schaden“, sagt Seidel, „wenn der Wolf Wildtiere frisst, ist das grundsätzlich etwas, das von ihm erwartet wird.“ Und hier besteht aus Sicht der Hegegemeinschaft Bedarf für eine Anpassung des Gesetzes. „Es geht darum, eingreifen zu können und der zuständigen Naturschutzbehörde Handlungsfähigkeit zu geben“, erklärt Michel. Wie das funktionieren kann, zeige sich in anderen Ländern wie zum Beispiel Schweden. Dort habe man sich entschlossen den Wolfbestand auf etwa 300 bis 350 Tiere zu begrenzen und jährlich 30 bis 40 Wölfe zum Abschuss frei zu geben.

Regulierung muss sein

Es bedarf eines Konzeptes, das langfristig tragfähig sei, betont Seidel, sowohl aus Sicht des Wolfes, der in seiner natürlichen Form erhalten werden müsse als auch in der Realität, wo es eben dicht besiedelte Flächen gebe. „Die Tiere finden hier Bedingungen vor, die sie sonst nirgendwo haben.“ Daher müsse der Wolfbestand grundsätzlich reguliert werden.

Durchziehende Wölfe würden keine große Gefahr darstellen, aber wenn sich ein Rudel ansiedele, gerate das Muffelwild in Not. Im Gegensatz zu anderen Wildtieren wie Rehen oder Wildschweinen sei das Mufflon besonders gefährdet, da es auf dem Bückeberg wie auf einer Art Insel lebe, erklärt Seidel. Wenn es bejagt werde, könne es nicht fliehen, sondern sei leichte Beute.

Michel zufolge würde es Sinn machen, bestimmte Regionen in der Bundesrepublik festzulegen, in denen sich der Wolf nicht dauerhaft ansiedeln dürfe und Territorien in denen Rudel zugelassen sind. Gebiete mit Deichen oder eben der Bückeberg, wo das Muffelwild lebt, könnten nur so geschützt werden. tbh

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Wolfsberater: Jagd durchaus sinnvoll

Der Vorstoß der Bundesregierung kann aus Sicht des Schaumburger Wolfsberaters Florian Brandes durchaus sinnvoll sein. Brandes betont: „Das Gesetz ist grundsätzlich darauf ausgerichtet, das Überleben des Wolfes zu sichern.“ In Schaumburg seien die Tiere bislang auch noch kein Problem.

Vorgesehen sei, dass nur bestimmte Wölfe entnommen werden. Das Problem: „In der Praxis funktioniert es nicht, zu sagen, welcher Wolf das Schaf gerissen hat“, erklärt der Schaumburger Wolfsberater und Leiter der Wildtier- und Artenschutzstation Sachsenhagen. Deswegen sei „aus der Not heraus“ dieses Gesetz eine mögliche Lösung. Ein wie Brandes sagt „weit reichender Eingriff“, da ganze Rudel entnommen werden. Unter dem Gesichtspunkt des Problems, im Freiland den Wolf zu erkennen, der zugebissen hat, jedoch nachvollziehbar und sinnvoll.

„Das ist auf jeden Fall ein Fortschritt“, sagt auch Schafzüchter Christoph Höller aus Friedrichswald. Die Lösung des Problems sei es jedoch nicht. Aus seiner Sicht gehöre der Wolf ins Jagdrecht: „Wenn der Wolf den Wald verlässt und sich Siedlungen und Schafherden nähert, muss er merken, dass er nicht erwünscht ist.“

Wolfsberater Brandes nennt noch eine weitere Gefahr: Für den Fall, dass die Jungen gelernt hätten, Nutztiere zu reißen, würde es nicht ausreichen, nur das Leittier zu töten. Es könne nicht Ziel sein, die gesamte Population auszurotten, ein paar Entnahmen würden den Wolf jedoch auch nicht in Gefahr bringen. Wichtig sei aber, dass nicht ein Riss ausschlaggebend ist, um die Jagd zu eröffnen, stellt der Wolfsberater klar. Problematisch werde es erst bei wiederholten Angriffen auf Nutztiere.