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Aus dem Landkreis Gefährliche Hitze: Zahl der Patienten im Klinikum Vehlen steigt an
Schaumburg Landkreis Aus dem Landkreis Gefährliche Hitze: Zahl der Patienten im Klinikum Vehlen steigt an
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07:25 30.07.2019
Alarm für den Notarzt – nach Angaben der Integrierten Rettungsleitstelle Schaumburg hat es aufgrund der ungewöhnlich hohen Temperaturen vermehrt Einsätze für den DRK-Rettungsdienst gegeben. Quelle: leo
Landkreis

Notarzt- und Rettungswagen sind häufiger unterwegs als sonst. Nach Angaben der Integrierten Rettungsleitstelle Schaumburg gab es „aufgrund der ungewöhnlich hohen Temperaturen vermehrt Alarme für den DRK-Rettungsdienst“. Viele Patienten hätten über Kreislaufprobleme geklagt, sagte ein Disponent auf Anfrage. „Wir hatten auch Einsätze in Altenheimen und in Schwimmbädern. Dort ging es um Personen, die einen Hitzeschock erlitten hatten.“

Auch die Menschen im Landkreis Schaumburg haben in diesem Sommer mit der Hitze zu kämpfen. Kein Wunder: Dieser Sommer knackt schon jetzt Rekorde. Am 25. Juli wurden nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes in Bückeburg 37,6 Grad gemessen. „Das ist Stationsrekord“, sagte Diplom-Meteorologe Andreas Friedrich aus Offenbach im Gespräch mit dieser Zeitung.

Kein Beweis für Hitzetote im Landkreis

Hat es bereits witterungsbedingte Todesfälle gegeben? Die Polizei kann nicht mit Sicherheit ausschließen, dass es Hitzetote gegeben hat. Einen Beweis dafür gibt es allerdings nicht. Das Arbeitsfeld 1, das für Todesursachen-Ermittlungen zuständig ist, hat eigenen Angaben zufolge Todesfälle untersucht, bei denen Menschen an Erkrankungen gestorben sind. „Es ist nicht auszuschließen, dass Hitze bei diesen Sterbefällen eine Rolle gespielt hat. Das ist aber nicht nachweisbar“, sagte Polizeihauptkommissar Matthias Auer im Gespräch mit dieser Zeitung.

Ausschließen können die Ermittler jedoch, dass Menschen ausschließlich durch die große Wärme beziehungsweise in Verbindung mit dem Wetter durch Fremdverschulden gestorben sind. „Es gab keine Hitzetoten aufgrund eines Hitzschlages oder durch Überanstrengung – oder, weil Menschen vom Pflegepersonal vorsätzlich oder aus Versehen der Sonne ausgesetzt wurden“, erklärte Auer.

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Auch Personal leidet unter Hitzewelle

In der Notaufnahme des Klinikums Schaumburg leidet auch das Personal unter der Hitzewelle. „Alle Mitarbeiter in der Pflege und im ärztlichen Dienst, denen die Temperaturen ja auch zu schaffen machen, haben in den vergangenen Tagen ihr Bestes gegeben, um die vielen Patienten zu versorgen“, sagte Dr. Lobo Johnsdorf, Oberarzt der Zentralen Notaufnahme: „Wir haben in den letzten Tagen und Wochen aufgrund der Hitze deutlich mehr Patienten behandelt, als es sonst während der Sommerferien üblich ist. Das Sommerloch fällt dieses Jahr definitiv aus.

Außer Patienten mit typischen hitzebedingten Erkrankungen wie Exsikkose (Austrocknung, Anmerkung der Redaktion), Kreislauf-Dysregulationen (Regulationsstörung) und Hitzeerschöpfung, die wir auf fünf bis zehn pro Tag schätzen, mussten wir auch viele Menschen mit chronischen internistischen Erkrankungen behandeln, die aufgrund der Hitzebelastung eine Verschlechterung oder eine Komplikation ihrer Grunderkrankung erlitten hatten.“ Besonders betroffen davon seien vor allem ältere Patienten mit chronischen Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems und der Nierenwege.

So viele Lungenentzündungen wie im Winter

Auch Lungenkranke leiden besonders unter der Hitze. „Wir verzeichneten eine auffällig hohe Zahl an Patienten mit Lungenentzündungen, was sonst eher in der kalten Jahreszeit zu erwarten wäre.“ Der Arzt vermutet, dass es einen Zusammenhang mit der aktuellen Extrem-Wetterlage gebe, weil viele Menschen durch die Hitze geschwächt gewesen seien. Auch Patienten mit allergischen Reaktionen nach Insektenstichen müssten im Sommer vermehrt behandelt werden. „Die Wespenzeit geht wieder los, und es kann nach einem Wespenstich zu schweren allergischen Reaktionen bis hin zu einem Kreislaufschock kommen“, so Johnsdorf.

Bei Symptomen wie Erbrechen, akuter Luftnot oder Kreislaufkollaps sollte sofort der Rettungsdienst über Notruf 112 verständigt werden. „Dann besteht nämlich akute Lebensgefahr“, erklärte der Notfall-Mediziner. Kleinere allergische Reaktionen nach Mückenstichen und dergleichen könnten dagegen, wenn zusätzliche Zeichen einer sekundären Infektion wie starke Rötung, Schwellung, Überwärmung und Schmerzen bestünden, problemlos vom Hausarzt oder vom kassenärztlichen Notdienst behandelt werden. „In solchen Fällen ist der Gang in die Notaufnahme in aller Regel nicht erforderlich.“

Körperliche Belastung reduzieren

Johnsdorf empfiehlt: „In den heißen Tagen sollten besonders ältere Patienten nach Möglichkeit jede körperliche Belastung auf ein Minimum reduzieren. Auf eine ausreichende Trinkmenge muss stets geachtet werden. Ein Aufenthalt in der direkten Sonne oder zur Mittagszeit im Freien, also zwischen 13 und 17 Uhr, sollte vermieden werden. Jüngere Menschen sollten ihre sportlichen Aktivitäten in die ganz frühen Vormittagsstunden oder die späten Abendstunden verlegen.“

von Leonhard Behmann

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