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Aus dem Landkreis Holz bleibt in den Wäldern liegen
Schaumburg Landkreis Aus dem Landkreis Holz bleibt in den Wäldern liegen
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22:40 21.09.2018
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LANDKREIS

Auch die Forstämter des Landkreises hatten in den vergangenen Monaten viel Arbeit mit der Beseitigung der entstandenen Schäden.

Lothar Seidel ist Förster und Leiter des Kreisforstamtes. „Friederike“ sei niedersachsenweit das bestimmende Thema im laufenden Jahr gewesen. Schaumburg habe trotz seiner Lage am nördlichen Rand des Schadensgebiets mit immensen Zerstörungen zu kämpfen gehabt. Gerade das Gebiet Brandshof sei betroffen gewesen. Auch der Schaumburger Wald und der Mittellandkanal hätten einiges abbekommen.

Bis Mitte August sei man mit der Beseitigung der Schäden beschäftigt gewesen, erläutert Seidel. Das Fachpersonal habe am Limit gearbeitet, der Druck sei immens gewesen. „Es war ein schwieriges Jahr für alle Beteiligten. Wir haben eine Art Katastrophenarbeit geleistet.“

Hunderte Käfer sind nötig, um einen Baum zu durchfressen

Nun steht in Gestalt des Borkenkäfers gleich das nächste große Problem vor der Tür. Der Parasit, der in jedem Jahr, allerdings nicht in gefährdender Anzahl zu finden ist, verlangt den Fichten momentan einiges ab. Unter den gegebenen Umständen – gerade durch die monatelange Trockenheit hervorgerufen – hat er sich rasend schnell vermehrt.

Hunderte Käfer sind nötig, um einen Baum zu durchfressen. Nach Befall färben sich die Blätter eines Baumes zunächst gelb, dann rot-braun. Ihm wird Wasser entzogen und er verhungert. „Ein vitaler Baum kann sich dem Borkenkäfer widersetzen, aber dieses Jahr gibt es nun einmal viele geschwächte Bäume“, erklärt Seidel. Es ginge jetzt darum, die vom Borkenkäfer befallenen Bäume schnellstmöglich zu fällen und aus dem Wald zu schaffen. Nur so könne verhindert werden, dass weitere Bäume angegriffen werden. Gleichzeitig seien viele Sägewerke ausgelastet und nicht mehr in der Lage, weiteres Holz aus dem Wald zu tragen, weshalb unzählige Stapel liegenblieben.

Spätestens ab der dritten Generation von Borkenkäfern werde es kritisch für den Bestand, so Seidel weiter. Er nennt einen Fall aus dem Harz. Dort wurde vor einigen Jahren eine Fläche von mehreren tausend Hektar kahl gefressen. Die Waldbrandgefahr sei inzwischen zur Nebensache geworden. „Irgendwo anders besteht sie sicherlich noch, aber in Schaumburg ist sie niedrig“, berichtet der Förster. Das kühlere Wetter, die nächtliche Feuchtigkeit und der morgendliche Tau hätten die Gefahr gebahnt.

Verwüstungen können entstehen

Die anstehende Sturmsaison ist dagegen schon längst wieder Thema. „Der Waldbestand ist destabilisiert. Es sind neue Waldränder entstanden, die besonders gefährdet sind“, erklärt Seidel. Mit jedem Sturm steige das Risiko für weitere Verwüstungen. „Aber darauf sind wir vorbereitet.“

Der Bevölkerung möchte Seidel seinen Dank aussprechen. Das Verständnis für den Zustand der Wälder – nicht ausreichend freigelegte Wege, anhaltende Unruhe durch die Maschinen und teils bis in die Nacht durchgeführte Arbeiten – sei groß gewesen. Die Bauarbeiten hätten störungsfrei durchgeführt werden können. Das sei keine Selbstverständlichkeit und daher besonders erfreulich.

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Was tun gegen den Borkenkäfer?

Durch die Bildung von Harz können sich die Fichten gegen den Borkenkäfer wehren. Zur Harzbildung wird allerdings Wasser benötigt, welches momentan den Bäumen aufgrund der anhaltenden Trockenheit nicht zu Verfügung steht. Gleichzeitig profitieren die Borkenkäfer von den hohen Temperaturen des Sommers und können sich gut vermehren. Zur Bekämpfung der Borkenkäfer werden auch Pestizide im Rahmen der sogenannten Polterspritzung eingesetzt, wobei im Wald lagerndes, geerntetes Holz mit einem Insektizid behandelt wird. Nabu