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Aus dem Landkreis Hospiz- und Palliativnetzwerk Schaumburg feiert zehnjähriges Bestehen
Schaumburg Landkreis Aus dem Landkreis Hospiz- und Palliativnetzwerk Schaumburg feiert zehnjähriges Bestehen
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11:32 08.09.2019
Heidemarie Hanause (links) bedankt sich bei Christine Holitzner-Bade für ihren Einsatz. Quelle: jemi
Landkreis

Darf ausgelassen und fröhlich gefeiert werden, wenn das Thema Sterben indirekt der Grund dafür ist? Diese Frage warf auch Christine Holitzner-Bade in den Raum und lieferte gleich die Antwort dazu: „Ja, man soll. Das haben wir von den Menschen gelernt, die am Ende ihres Lebens waren.“ Die Vorsitzende des Hospiz- und Palliativnetzwerks Schaumburg freute sich jetzt beim Tag der offenen Tür und Markt der Begegnungen über zahlreiche Besucher.

Und es gab tatsächlich einige Anlässe, sich zu freuen: Zum einen besteht das Netzwerk nun bereits seit zehn Jahren. Aus einem losen Zusammenschluss von Ehrenamtlichen habe sich im Laufe der Jahre ein stabiles Netzwerk gebildet, das seit kurzer Zeit durch zwei hauptamtliche Mitarbeiter mit Kevin Schulz als Koordinator und Rita Jennemann (Verwaltung) verstärkt werde. Zum anderen präsentierte Holitzner-Bade die neuen Räume an der Gartenstraße. Dort stehe neben den Büroräumen nun auch ein Seminarraum zur Verfügung, der etwa auch für Schulungen genutzt werden könne.

Im Hier und Jetzt leben

Das sei möglich gewesen, weil sich die Gesetze zum Positiven verändert hätten. Vor einigen Jahren habe sie noch von Palliativmedizin im hiesigen Klinikum geträumt und von kompetenten Ärzten, die in dem Bereich geschult seien. Das alles sei geschehen. Holitzner-Bade dankte auch den Spendern, die ebenfalls erheblich für die positive Entwicklung verantwortlich seien. 

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Christine Göbel sei damals der Motor gewesen und habe das Netzwerk vorangetrieben, erinnerte sie. Die Arbeit habe ihr und den Mitarbeitern über die Jahre gezeigt, dass „es ein Geschenk ist, im Hier und Jetzt zu leben und den Moment zu genießen“, sagte die Vorsitzende. Vorstandsmitglied Heidemarie Hanauske betonte, dass Holitzner-Bade ebenso eine Triebfeder über all die Jahre gewesen sei und ein Garant für die Entwicklung.

Charta unterzeichnet

Nicht genug danken könne man den Ehrenamtlichen, die sich für das Hospiz- und Palliativnetzwerk engagieren, betonte Horst Sassenberg, stellvertretender Landrat. Gerade in Zeiten, in denen sich nur wenige Menschen mit dem Thema Krankheit und Sterben auseinandersetzen wollen. Der Abschied gehöre zum Leben dazu, doch die Gesellschaft vermittelt, so Sassenberg, dass der Mensch stets stark sein soll. „Außerdem sind wir Weltmeister im Verdrängen.“

Karl-Hinrich Manzke, Landesbischof der evangelisch-lutherischen Landeskirche, erklärte, dass eine liebevolle Begleitung wichtig sei, um einen Menschen würdig bis ans Ende zu begleiten. Und das habe jeder Mensch verdient. Die Gäste beim Tag der offenen Tür des Hospiz- und Palliativnetzwerks hatten außerdem die Gelegenheit, die Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen zu unterzeichnen. Das ließen sich dann auch die anwesenden Bürgermeister und Vertreter von Institutionen nicht nehmen. Rosemarie Fischer, Referentin vom Landesstützpunkt Hospizarbeit und Palliativversorgung Niedersachsen hatte vorab erläutert, was die Ziele sind. von Jennifer Minke-Beil

Das ist die Charta

Die Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen in Deutschland setzt sich für Menschen ein, die aufgrund einer fortschreitenden, lebensbegrenzenden Erkrankung mit dem Sterben und dem Tod konfrontiert sind. Die fünf Leitsätze der Charta formulieren Aufgaben, Ziele und Handlungsbedarfe, um die Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen in Deutschland zu verbessern. Seit Veröffentlichung der Charta im September 2010 ist es gelungen, viele weitere Akteure in den Prozess einzubeziehen, die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit den existenziellen Phänomenen Sterben, Tod und Trauer zu fördern und die Ziele der Charta stärker im öffentlichen Bewusstsein zu verankern. Seit Veröffentlichung der Charta haben sich 2168 Organisationen und Institutionen sowie 25 814 Einzelpersonen mit ihrer Unterschrift für die Charta eingesetzt.