Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Aus dem Landkreis Internationaler Frauentag: Wie weiblich ist die Schaumburger Politik?
Schaumburg Landkreis Aus dem Landkreis Internationaler Frauentag: Wie weiblich ist die Schaumburger Politik?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:58 07.03.2019
Landkreis

In Politik und Wirtschaft wird über eine Quote gestritten, die Zahl der weiblichen Unternehmensvorstände und Aufsichtsräte ist nach wie vor gering. Und auch in politischen Ämtern sind Frauen unterrepräsentiert – trotz einer Bundeskanzlerin Angela Merkel. Mit dem Niedersächsischen Mentoring-Programm versucht das Land Niedersachsen, mehr Frauen in die ehrenamtlichen politischen Ämter zu bekommen. Zumindest in Schaumburg mit einigem Erfolg.

In kleinen Schritten

2016 haben 16 Schaumburgerinnen an dem Programm „Politik braucht Frauen!“ teilgenommen. Erfahrene Politiker begleiten sogenannte Mentees auf ihrem Weg in die Politik. Selbst Mentorin war auch schon mehrmals die stellvertretende Kreisrätin Helma Hartmann-Grolm, die seit 1996 im Schaumburger Kreistag sitzt. In all den Jahren habe es zwar einen Anstieg der Frauen in den Gremien gegeben, „aber die Anzahl hat sich nicht verdoppelt. Es geht in kleinen Schritten voran“, sagt die stellvertretende Landrätin. Für sie hängt dies mit den Lebensentwürfen zusammen. Bei Frauen käme sehr schnell der Gedanke auf: „Ich vernachlässige meine Familie.“ Hartmann-Grolm appelliert an die Frauenwelt: „Wir sollten nicht so denken.“ Sie sei in Zeiten der Studentenunruhen aufgewachsen, „mich hat das politische Bewusstsein der Zeit getrieben“.

Fragt man Nicole Wehner, wie sie die Situation der Frauen in der Politik einschätzt, fällt die Antwort kurz, aber eindeutig aus: „Schlecht.“ Das Mentoring-Programm, bei dem die Lauenauerin 2015 teilgenommen hat, bezeichnet sie als „gut ans reale Leben angelehnt“. Ihren Anfang haben Wehners politische Ambitionen in einer Bürgerinitiative gegen Windkraft in Feggendorf. „Ich musste jedoch schnell feststellen, dass man als Bürger wenig Einflussmöglichkeiten hat und man sich ins politische Getümmel stürzen muss.“ Die Wahlstimme werde mit dem Wurf in die Urne „begraben“ und am Ende von Ausschuss- und Ratssitzungen dürften Bürger gerade mal ein paar Fragen stellen.

"Krasses Missverhältnis"

Im Gegensatz zu den meisten ihrer Mentoring-Mitstreiterinnen habe sie sich keiner Partei zugehörig gefühlt. „Und als die Wahl anstand, wollte ich nicht auf Ochsentour durch Ortsvereine gehen.“ Deswegen hat Wehner eine Wählergemeinschaft gegründet, die direkt im ersten Anlauf zwei Sitze in Lauenau erhalten hat. Die 51-Jährige sitzt außerdem im Samtgemeinderat Rodenberg. Es hersche jedoch ein „krasses Missverhältnis“ in allen politischen Gremien.

Frauen haben bei der Kommunalwahl 2016 in den Kreistagen und kreisfreien Städten im Schnitt 26,5 Prozent der Sitze errungen, in den weiteren Stadt- und Gemeinderäten 23,5 Prozent. Das zeigt auch ein Blick auf die Kreisgremien. Von den 55 Mitgliedern des Kreistags sind nur 17 Frauen.
Zugespitzt fasst Wehner das Bild in den Gremien zusammen: „Überall alte Männer.“ Der Altersdurchschnitt liege bei 50 plus. Dies liege, gibt Wehner zu, an der Zeitintensität der ehrenamtlichen politischen Arbeit. „Ich wende bestimmt 20 Stunden in der Woche für die Kommunalpolitik auf.“ Dies sei mit Familie natürlich schwierig. Ihr Jüngster sei mittlerweile aber schon zwölf Jahre alt.

Frauenquote nicht sinnvoll

Und dennoch wendet sich Wehner klar gegen eine Frauenquote, wie sie etwa die SPD-Fraktion für den Bundestag fordert. Der Frauenanteil im Deutschen Bundestag ist 2019 mit 30,7 Prozent so niedrig wie seit knapp 20 Jahren nicht mehr, kritisiert die heimische SPD-Bundestagsabgeordnete Marja-Liisa Völlers. Wehner hingegen sagt: „Die Quote finde ich ganz schlimm.“ Schließlich habe es nichts mit Gleichberechtigung zu tun, eine weniger qualifizierte Frau einem Mann vorziehen zu müssen. Ihrer Meinung nach müsse sich vielmehr die Politik verändern, weniger ein Ort der „Selbstdarstellung“ sein und weniger schwerfällig.

Im Rahmen des Mentoring-Programms ist Anke Schmidt bei den Grünen eingetreten. Bis dato hatte sich die Auetalerin schon ehrenamtlich engagiert, beispielsweise beim Ferienspaß. Ihre Intention war klar: „Ich wollte vor Ort etwas bewegen.“ Und dies habe nicht unbedingt etwas mit der Bundespolitik zu tun. Sie sei von der Grünen-Kreisvorsitzenden Bela Lange angesprochen worden, die sie ermuntert habe, an dem Programm teilzunehmen.

Fehlendes Selbstbewusstsein?

Schmidt glaubt, dass vielen Frauen das Selbstbewusstsein fehlt, so nach dem Motto: „Das kann ich nicht.“ Männer hätten diesen Mangel nicht. „Es sollten sich viel mehr Frauen trauen.“ Auch wenn es ein undankbarer Job sei: „Am Ende steht keiner da, der dir sagt, ,das hast du toll gemacht‘.“ Im Auetaler Gemeinderat seien nur zwei von 18 Mitgliedern weiblich. „Es ist schade.“

Die ehemalige Teilnehmerin des Programms hätte sich im Anschluss einen Erfahrungsaustausch gewünscht. Zu abrupt sei es zu Ende gegangen.

von Mira Colic

Mentoring-Programm

Im Frühjahr 2019 startet in Niedersachsen das neue Mentoring-Programm zur Kommunalwahl im Jahr 2021 unter der Überschrift „Frauen.Macht.Demokratie“. Unterstützt werden sollen alle engagierten Frauen, die erste Schritte in Richtung Kommunalpolitik gehen wollen. Begleitet werden sie dabei von erfahrenen Mandatsträgern. Ziel ist es, mehr Frauen für die kommunalpolitische Arbeit zu gewinnen, und ihre Zahl in den Städte- und Gemeinderäten des Landes zu erhöhen. Der Landkreis Schaumburg wird erneut als Kopfstelle verschiedene Veranstaltungen für politisch interessierte Frauen anbieten.  Neben dem Austausch zwischen Mentor und Mentee bietet auch das Amt für Gleichstellung unterschiedliche Veranstaltungen wie etwa „Stadtentwicklung“ oder „Einführung in das Kommunalrecht“ an. Das ganze Jahr über haben die Nachwuchs-Politikerinnen Gelegenheit, an verschiedenen Seminaren teilzunehmen. col