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Aus dem Landkreis Kein Paradies für Schmetterlinge
Schaumburg Landkreis Aus dem Landkreis Kein Paradies für Schmetterlinge
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19:38 20.08.2018
Tagpfauenaugen gehören zu den verbreiteten Schmetterlingsarten. Nicht so in Schaumburg.
Tagpfauenaugen gehören zu den verbreiteten Schmetterlingsarten. Nicht so in Schaumburg. Quelle: dpa
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LANDKREIS.

 Folgt man der Meinung ausgewiesener Schmetterlingsexperten, dann sind die Bedingungen für die buntgeflügelten Insekten in diesem Jahr so gut wie lange nicht. Demnach hat vor allem die günstige Witterung dazu beigetragen, dass vielerorts auffallend mehr Schmetterlinge als sonst zu sehen sind. Für Schaumburg jedoch scheint das nicht zu gelten.

„Ich habe sogar das Gefühl, in diesem Jahr weniger Schmetterlinge gesehen zu haben“, erklärt Eckhard Marx vom Naturschutzbund (Nabu) Rinteln. Und das, obwohl Raupen und Puppen durch den kalten Winter ungestört von Nässe, Wärme und Parasiten ruhen konnten und ein warmes Frühjahr eigentlich traditionell dafür sorgt, dass mehr Falter als sonst schlüpfen.

Marx sieht sich selbst übrigens nicht als Schmetterlingsexperte. Allerdings fotografiert und bestimmt der Naturschützer die Insekten regelmäßig – und macht nebenbei ganz automatisch so manche Beobachtung. „Vor allem Kohlweißlinge habe ich dieses Jahr sehr viel gesehen“, berichtet Marx.

Dabei handele es sich jedoch um eine sehr verbreitete Art. Und beim besten Willen nicht jeder freut sich über das vermehrte Aufkommen dieser weiß-grau gefärbten Falter, die sich, wie der Name schon andeutet, gerne mal im Gemüsegarten durchfressen – und so die Antipathien von Landwirten und Hobbygärtnern sicher haben.
Überbewerten will Marx diese Sichtungen aber nicht: „Bestandsschwankungen hat es immer schon gegeben, das ist nicht der Rede wert.“ Viel auffälliger sei derweil, dass besonders farbenfrohe und seltene Schmetterlinge überhaupt nicht im Landkreis vorkämen. „Stattdessen sind es eher die Allerweltsarten“, sagt Marx.
Diesen Eindruck hat auch Rita Konrad.

Die 73-Jährige zieht mit Genehmigung des Landrats seit einigen Jahren bei sich zuhause in Lindhorst Schmetterlinge groß. Erst kürzlich hat sie auf Brennnesseln auf einem Grünstreifen am Wegesrand neue Eier entdeckt, die dort womöglich einem Rasenmäher zum Opfer gefallen wären. Bei Konrad zuhause dagegen können die Raupen schlüpfen, aufwachsen, sich in Puppen verkriechen und schließlich als ausgewachsene Schmetterlinge ausschwärmen.
 

Erst kürzlich hat Konrad 200 Tagpfauenaugen freigelassen. In freier Wildbahn seien die Falter trotzdem selten zu sehen. „Ich war neulich in Bad Nenndorf im Kurpark“, berichtet die 73-Jährige, „da war ein schöner Blühstreifen aber kaum ein Schmetterling zu sehen.“ Den Grund dafür sieht Konrad in dem geringer werdenden Blütenangebot durch Sommer- und Wiesenblumen. Aber auch im eigenen Garten täten viele Schaumburger den Schmetterlingen – und damit auch anderen Insekten – keinen Gefallen, wenn Brennnesseln rigoros weggeschnitten werden und lieber auf Tujahecken und Steinbeete als auf Sommerflieder und andere offene Blüten gesetzt wird. „Saubere Gärten sind für Schmetterlinge nichts“, erklärt Konrad.
 

Eckard Marx vom Nabu geht noch einen Schritt weiter. „Hier in Schaumburg gibt es überhaupt keine schönen Arten, weil die Biotope fehlen.“ Er müsste aber nicht weit über den Tellerrand blicken, um zu sehen, wo es sich für Schmetterlinge eher zu leben lohnt, so Marx. Zum Beispiel nach Höxter oder Holzminden. „Dort sieht die Welt schon etwas besser aus.“ lht