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Aus dem Landkreis Neuer Kurs bildet Tagesmütter in Schaumburg aus
Schaumburg Landkreis Aus dem Landkreis Neuer Kurs bildet Tagesmütter in Schaumburg aus
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14:39 09.07.2019
Birgit Schaper-Gerdes vom Kinderschutzbund Schaumburg (links) fungiert bei einigen der Kurse als Dozentin. Ihr Thema für die Runde ist unter anderem „Kinder sind verschieden“.  Quelle: col
Landkreis

18 Frauen haben sich im Raum 1.08 in der Volkshochschule Stadthagen versammelt. Sie alle eint ein Ziel: Sie wollen Tagesmutter werden. Deswegen absolvieren sie die von der Kinderbetreuungsagentur angebotene 180-stündige Qualifizierungsmaßnahme.

So wie Janine Wilkening. Die vierfache Mutter erzählt, dass sie sich nach einer gescheiterten Eingewöhnung in der Kita für ihr jüngstes zu dem Schritt entschlossen habe, Tagesmutter zu werden. Die gelernte Zahnarzthelferin wünscht sich einen kleinen familiären Rahmen, „denn in einer großen Gruppe kann man nicht auf die Bedürfnisse jeden einzelnen eingehen“.

500 Kinder werden in Schaumburg durch Tagespflege betreut

Im Landkreis arbeiten durchgängig rund 120 sogenannte Tagespflegepersonen, erklärt Hans-Ulrich Born, Leiter des Jugendamtes. Diese Zahl sei über Jahre stabil geblieben. Sie arbeiten entweder von zu Hause aus, in einer der 17 Großtagespflegestellen des Kreises wie beispielsweise der „Schnullerbacke“ in Stadthagen oder als sogenannte Kinderfrau – also im Haushalt der Eltern. 500 Kinder werden auf diese Art zur Zeit betreut. „Dies ist nur ein ergänzendes und kein ersetzendes Angebot“, betont Born.

Gerade bei über-Dreijährigen sei dies die absolute Ausnahme. Der Jugendamtsleiter spricht von etwa 20 Fällen, die aufgrund von besonderen pädagogischen Gründen oder weil noch ein Geschwisterkind betroffen ist, in der Tagespflege sind – von 6000 Kita-Kindern kreisweit. Zudem gebe es in Schaumburg keinen Fall, indem Erziehungsberechtigte auf einen Kita-Platz geklagt hätten und ihr Kind deswegen in die Tagespflege gehe.

Als Tagesmutter neu durchstarten

Die Qualifizierung absolviert aktuell auch Zehra Fadai. Sie „will beruflich noch einmal völlig neu durchstarten“. Die 42-jährige Nenndorferin hat zwei Kinder (neun und 13 Jahre alt) und erklärt ihre Motivation so: „Ich möchte beides sein, Mutter und voll berufstätig.“

Zuständig für die Fortbildung auf Kreisseite ist Jessika Otto von der Kinderbetreuungsagentur (Kiba), die nicht nur als Fachberatungsstelle fungiert, sondern auch die Fachaufsicht hat. „Wir erteilen die Eignung des Tagespflegepersonals“, erklärt Otto.

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Landkreis überprüft Gegebenheiten vor Ort

Die Erlaubnis werde nach erfolgreicher Fortbildung für fünf Jahre bewilligt. Zusätzlich zur Qualifizierung müssen die Teilnehmerinnen – in diesem Jahr ist kein Mann dabei – ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen sowie einen Erste-Hilfe-Kurs am Kind absolvieren. Bevor sie den Kurs antreten, schaut sich der Landkreis während eines Hausbesuchs die Gegebenheiten vor Ort an. „Wir möchten schließlich nicht, dass die Menschen hier die Maßnahme absolvieren, in die Möblierung investieren und wir dann hinterher feststellen, dass die Räumlichkeiten die Voraussetzungen nicht erfüllen“, so Otto. Zudem könnten kleinere Änderungen, wie zum Beispiel ein Zaun um das Grundstück herum, schon im Vorfeld angemerkt werden.

So wie bei Tabea Schüttenberg. Die Heesenerin hat beispielsweise einen neuen Zaun aufstellen lassen. Die 32-Jährige hat selbst eine zweijährige Tochter, die sie gerne noch so lange wie möglich bei sich zu Hause behalten möchte. Deswegen habe sie sich entschlossen, in ihrem Haus eine Kindertagespflege zu eröffnen. Die studierte Erziehungswissenschaftlerin hat in der Jugendhilfe gearbeitet, bevor sie in Elternzeit gegangen ist. Nun möchte sie etwas Neues anfangen – zumal in ihrer Straße jede Familie ein Kind im Alter bis zu zwei Jahren habe. „Ich weiß durch meine eigene Suche nach einer Tagesmutter, dass der Bedarf da ist.“

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Kinderbetreuungsargentur überprüft Kindersicherheit regelmäßig

„Im Idealfall jährlich“ stattet die Kiba allen Betreuenden einen Besuch ab. Otto erklärt: „Die Kindersicherheit im Haus und im Garten muss gegeben sein.“ Zwar brauche es nicht zwingend einen Garten, wenn sich in der Nähe ein Spielplatz befindet. Ein Richtwert für die Großtagespflege sei drei Quadratmeter pro Kind und dies werde auch beim Tagespflegepersonal zugrunde gelegt. Alle Vorgaben würden zudem bei der ersten Informationsveranstaltung im Vorfeld bekannt gegeben. Dazu gehört auch, dass alle 24 Fortbildungsstunden im Jahr nachweisen müssen.

Die Qualifizierungsmaßnahme läuft bis Ende März und kostet jeden Teilnehmer 160 Euro. „Es wird vom Land bezuschusst, um attraktiv zu sein für die Interessierten“, so Otto. Die Ausbildung wird in Kooperation mit der Volkshochschule Schaumburg durchgeführt. Am Ende stehen eine schriftliche Hausarbeit, die das Konzept für die eigene Tätigkeit umfasst, sowie ein Fachgespräch über die Arbeit.

Eltern tragen Kosten selbst

Eltern müssen einen Teil der Kosten für die Betreuung selbst tragen, der Landkreis rechnet dies mit dem Land ab. Die Regelbetreuungszeit umfasst fünf Stunden. Pro Kind und Stunde liegt der Satz bei vier Euro – könne individuell aber auch höher ausfallen.

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