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Aus dem Landkreis Klinikum Schaumburg: Richtungsstreit unter Mitarbeitervertretern
Schaumburg Landkreis Aus dem Landkreis Klinikum Schaumburg: Richtungsstreit unter Mitarbeitervertretern
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17:48 26.06.2019
Die knapp 1000 Mitarbeiter des Klinikums wählen statt einem Betriebsrat eine „Mitarbeitervertretung“ (MAV). Quelle: pr.
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Vehlen

Die knapp 1000 Mitarbeiter des Schaumburger Klinikums wählen, da es sich um eine kirchliche Einrichtung handelt, eine sogenannte „Mitarbeitervertretung“ (MAV). Diese übernimmt in weiten Teilen die Rolle, die sonst ein Betriebsrat übernehmen würde, vertritt also die Interessen der Angestellten gegenüber der Geschäftsführung.

Seit dem 21. Mai steht diese Mitarbeitervertretung plötzlich kopflos da. Sowohl der Vorsitzende sowie seine Stellvertreterin legten ihre Ämter und Mandate nieder. Beide trennen sich nicht im Guten von ihren ehemaligen MAV-Kollegen.

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Hohe Verluste im Vorjahr - schwarze Zahlen ab 2020?

Das Schaumburger Klinikum hat wirtschaftliche Probleme. Der Zwölf-Millionen-Euro-Verlust im Jahr 2018 übertraf selbst die schlimmsten Befürchtungen (wir berichteten). Auch im laufenden Jahr dürfte die schwarze Null weit entfernt sein. Wie die Geschäftsführung nach Informationen dieser Zeitung in einer nicht öffentlichen Kreistagssitzung darlegte, könnte 2019 ein Minus von mehreren Millionen Euro winken. Ab 2020 will man aber schwarze Zahlen schreiben.

Die schwierige wirtschaftliche Entwicklung hat auch Auswirkungen auf das Personal. Hauptgrund für die explodierenden Kosten sind laut Geschäftsführerin Diana Fortmann vor allem die Personalkosten für die rund 1000 Mitarbeiter des Agaplesion-Klinikums. Diese schoben laut Mitarbeitervertretung im April 2019 bereits mehr als 19 000 Überstunden vor sich her.

In diesem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld scheint sich die Mitarbeitervertretung nach der Pensionierung des langjährigen Vorsitzenden Peter B. zunehmend kritisch gegenüber der Geschäftsführung aufzustellen. „Der hatte sein Gremium im Griff“, sagte ein Gesprächspartner dieser Zeitung über ihn. Ein anderer sah ihn als „einigende Figur in der MAV“. 25 Jahre lang führte er die Mitarbeitervertretung zunächst im Krankenhaus Bethel, danach im neuen Klinikum. Nach seinem Ruhestand im Oktober 2018 übernahm der nun zurückgetretene neue Vorsitzende, bevor er nach nur acht Monaten das Handtuch hinschmiss.

Mehr Mitbestimmung gefordert

Denn in diesen acht Monaten habe sich die Arbeit der Mitarbeitervertretung erheblich verändert, erzählen Insider. Man habe die vielen Überstunden verstärkt angeprangert, Mitspracherechte eingefordert und gerade beim Thema der Dienstpläne sei man auf Konfrontation gegangen.

Um die Mitbestimmung durchzusetzen, wurde nach dem Ruhestand von Peter B. sogar vor dem Kirchengericht geklagt. Die Verhandlung soll im Juli stattfinden.

Klage ein Grund für Rücktritte?

Diese Klage könnte einer von mehreren Gründen für den Rücktritt der zwei MAV-Vorsitzenden gewesen sein. In ihrer schriftlichen Stellungnahme gegenüber den Mitarbeitenden schreibt der scheidende Vorsitzende: „Die sich abzeichnende neue Ausrichtung der Mitarbeitervertretung konnte ich nicht mehr glaubhaft vertreten, ohne mich selbst unglaubwürdig zu machen.“ Seine Stellvertreterin schreibt: „Nach mehr als 20 Jahren Mitarbeitervertretungsarbeit sehe ich mein Verständnis dieser Arbeit im jetzigen Gremium nicht mehr erfüllt. Ich bedauere dies.“

Geschäftsführerin Diana Fortmann schreibt dazu an ihre Mitarbeiter: „Ich blicke auf eine vertrauensvolle und respektvolle Zusammenarbeit zurück und möchte mich bei den beiden dafür ausdrücklich bedanken. Unsere wirtschaftlich herausfordernde Situation können wir nur alle gemeinsam im Schulterschluss meistern.“

Von Jakob Gokl