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Aus dem Landkreis Kreisbehindertenrat gegen Neuregelung beim Mobilitätsservice
Schaumburg Landkreis Aus dem Landkreis Kreisbehindertenrat gegen Neuregelung beim Mobilitätsservice
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19:35 25.02.2019
Mit der Mobilitätsservice-Zentrale der Deutschen Bahn erhalten Menschen mit Beeinträchtigungen Hilfe beim Reisen. Dieser Service wird für Betroffene jetzt jedoch komplizierter. Quelle: pr.
Landkreis

Seit 1999 gibt es die Mobilitäts-Zentrale der DB, bei der Menschen mit Behinderungen nicht nur Hilfe bei der Planung und Buchung erhalten, sondern – viel wichtiger – kostenlos notwendige Unterstützung beim Ein-, Um- und Aussteigen. Bisher hat die DB diesen für die Kunden kostenlosen Service auch für alle Mitbewerber angeboten – ohne vertragliche Basis und kostenfrei. Bis jetzt.

Wie eine Bahnsprecherin mitteilt, sei in den vergangenen vier Jahren die Zahl der Reisenden, die eine Hilfeleistung in Anspruch genommen haben, um rund 50 Prozent gestiegen: von 564.000 im Jahr 2015 auf über 850.000 im zurückliegenden Jahr. Der unternehmensübergreifende Service der MSZ ist zum 1. Februar neu organisiert worden, „um eine gerechte Kostenteilung aller beteiligten Wettbewerbsunternehmen zu gewährleisten“. Dabei habe die DB allen Mitbewerbern einen Vertrag angeboten, um den Service für Reisende mit Beeinträchtigungen weiterhin aus einer Hand zu organisieren. Dabei gehe es um die reine Kostendeckung des Angebots, „wir wollen damit kein Geld verdienen, aber auch nicht draufzahlen“, betont die Bahnsprecherin.

Ein Rückschritt

„Mit den derzeitigen Vertragsabschlüssen deckt die MSZ über 90 Prozent aller durchschnittlich angefragten Hilfeleistungen ab“, erklärt die Bahnsprecherin. Mit weiteren Eisenbahnverkehrsunternehmen liefen bereits Verhandlungen, „wir rechnen hier mit kurzfristigen Vertragsabschlüssen“. Bisher haben 18 DB-Konkurrenten ihre Teilnahme erklärt. Die Unternehmen, die sich gegen eine Zusammenarbeit mit der MSZ entscheiden, müssen den Service für ihre Kunden künftig eigenständig organisieren.

„Die neue, absolut kundenunfreundliche Regelung, wurde auf der jüngsten Sitzung diskutiert und ist für den Kreisbehindertenrat Schaumburg indiskutabel“, betont deren Sprecherin Jutta Stenzel. Dies wirke der Integration und Inklusion von Menschen mit eingeschränkter Mobilität entgegen und führe zur Exklusion, sagt die Hagenburgerin, die selbst im Rollstuhl sitzt. „Ein Rückschritt im Miteinander auf Augenhöhe.“ Der Kreisbehindertenrat Schaumburg fordert die Rücknahme dieser Entscheidung.

Aus unternehmerischer Sicht ist die Einschränkung der DB AG, diese Serviceleistung nur noch für eigene Unternehmen anzubieten, nachvollziehbar, sagt der Deutsche Bahnkunden-Verband (DBV). Dieser sieht die Politik in der Pflicht. Es sei völlig indiskutabel, wenn sich Fahrgäste, die in ihrer Mobilität eingeschränkt und auf fremde Hilfe angewiesen sind, auch noch darüber informieren müssen, welches Verkehrsunternehmen sie benutzen. col