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Aus dem Landkreis Kreisbrandmeister: Landkreis im guten Mittelfeld
Schaumburg Landkreis Aus dem Landkreis Kreisbrandmeister: Landkreis im guten Mittelfeld
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21:55 25.07.2018
Kreisbrandmeister Klaus-Peter Grote im Gespräch mit SN-Redakteur Jan Peter Wiborg.
Kreisbrandmeister Klaus-Peter Grote im Gespräch mit SN-Redakteur Jan Peter Wiborg. Quelle: jpw
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Landkreis

„Die 111 Feuerwehren im Landkreis Schaumburg müssen bestehen bleiben.“ So lautete im Oktober 2001 das Credo des neu ins Amt gewählten Kreisbrandmeisters. Grote, der auch Vizepräsident des Niedersächischen Landesfeuerwehrverbandes ist, hat sich bereits in seiner Zeit als Gemeindebrandmeister in der Samtgemeinde Sachsenhagen gegen „von oben befohlene Zusammenschlüsse“ gewehrt. Würde die Zusammenlegung befohlen, quittieren nach Grotes Meinung viele Feuerwehrleute den Dienst. Doch angesichts des sich abzeichnenden demografischen Wandels schienen Fusionen die beste aller schlechtesten Lösungen, um weiterhin schlagkräftige Feuerwehren in Schaumburg zu erhalten.

Es gibt Beispiele im Landkreis: Seit 2011 haben sich die Feuerwehren Meerbeck und Niedernwöhren zusammengetan. Zwei Jahre später folgten Nordsehl und Lauenhagen. Weitere Brandschutzbedarfspläne wiesen den Weg. In der Samtgemeinde Lindhorst zog die Ottenser Feuerwehr nicht mit und löste sich zu Beginn des Jahres 2016 lieber auf, statt mit der Feuerwehr aus dem Nachbarort zu fusionieren.

Anforderungen haben sich geändert

Als Folge des Brandschutzbedarfsplanes in der Samtgemeinde Sachsenhagen hat es nun auch Grotes Heimatfeuerwehr Bergkirchen erwischt. Von der Öffentlichkeit nahezu unbemerkt, vereinbarten die Ortsfeuerwehren Wölpinghausen, Wiedenbrügge-Schmalenbruch und Bergkirchen mit der Zustimmung aller aktiven Feuerwehrleute die Fusion. Die Zustimmung der politischen Gremien gilt als Formsache, sodass der Zusammenschluss zügig vollzogen werden kann.

2019 hätte das 90-jährige Bestehen der Feuerwehr gefeiert werden können. Grote ist seit rund 40 Jahren dabei, er hat mehr als ein Drittel des Bestehens der selbstständigen Feuerwehr erlebt. Was hat sich aus seinen Augen grundlegend verändert?

Nicht nur in Bergkirchen, sondern überall hätten sich die Anforderungen für Feuerwehrleute in den Einsatzabteilungen stark verändert, meint Grote. Auch der demografische Wandel beeinflusse die Arbeit. Entscheidend ist aber für den Kreisbrandmeister: „Die Leute sind nicht mehr bereit, langfristig in einer Hilfsorganisation mitzuarbeiten.“

Im Gegensatz zu früher sei auch bei Führungskräften meist nach einer Amtsperiode von sechs Jahren Schluss, während früher zwölf bis 18 Jahre nicht unüblich gewesen seien. Aufgrund des „guten Unterbaues“ der Schaumburger Kreisfeuerwehr mit Jugend- und Kinderfeuerwehren schaut Grote trotzdem positiv in die Zukunft.

Anhebung der Altersgrenze

Ein „riesengroßes Problem“ sieht der Kreisbrandmeister beim Thema „Tagesverfügbarkeit“. Aufgrund immer weniger ortsnaher Arbeitsplätze für die Feuerwehrleute sei im Einsatzfall tagsüber kaum noch eine schlagkräftige Ortsfeuerwehr zusammenzubekommen. Immer mehr Ortsfeuerwehren werden deshalb zu Zügen zusammengefasst und gemeinsam alarmiert. Zudem setzt Grote auf die Anhebung der Altersgrenze für aktive Feuerwehrleute auf 67 Jahre. Das werde ein wenig helfen, könne aber nicht alleine das Problem beseitigen.

Mit einer emotionalen Kampagne „Keine Ausreden – Mitmachen!“ hat die Kreisfeuerwehr 2012 versucht, neue Mitglieder zu werben. Damals hatte Grote betont, dass es genüge, wenn die lokalen Feuerwehren mit Nachwuchswerbung in den Kinder- und Jugendabteilungen gegen den Mitgliederschwund ankämpften.

Nicht allein wegen dieser Imagekampagne, sondern wegen des Unterbaues an Kinder- und Jugendfeuerwehren ist Grote mit dem Mitgliederbestand „eigentlich zufrieden“. In den vergangenen beiden Jahren seien sogar steigende Mitgliederzahlen zu verzeichnen gewesen. Sein Resümee der vergangenen fünf Jahre: „Es hätte wesentlich schlimmer kommen können. Ich hatte mit Zahlen gerechnet, die in den Minusbereich gehen.“

Grote konstatiert: „Freiwillige Fusionen auf der Basis der Brandschutzbedarfspläne nehmen zu.“ Für den Kreisbrandmeister wächst damit die Einsicht in die Notwendigkeit. Diese Brandschutzbedarfspläne hätten in der ersten Zeit Angst hervorgerufen, meint Grote, weil befürchtet wurde, dass viele Feuerwehren wegfallen würden.

„Ganz das Gegenteil ist der Fall. Die Pläne bedeuteten eine Stärkung der Feuerwehren. Unter anderem werde das Material festgeschrieben, das in den nächsten Jahren benötigt würde. Wenn zusätzlich noch die Arbeit für die Kinder- und Jugendfeuerwehren verstärkt würde, müsse ein solcher Plan keine Ängste auslösen.

Kleine Feuerwehren als Kulturträger

Grote kennt aus der Perspektive des Vizepräsidenten des Landesfeuerwehrverbandes die Lage in Niedersachsen. Nach seiner Einschätzung steht der Landkreis Schaumburg in Sachen Fusionen „nicht ganz schlecht“ da. Andere Bereiche seien finanziell vielleicht noch ein bisschen besser aufgestellt, aber es gebe auch „gravierende Bereiche“ im Harz und Harzvorland und Lüchow-Dannenberg, wo es extrem schlechter aussehe und „hart an der Grenze“ sei. Grundsätzlich befinde sich der Landkreis im guten Mittelfeld, vielleicht sogar im oberen Drittel.

Kleine Feuerwehren als Kulturträger – dieser Aspekt darf nach Ansicht von Grote bei einer Fusion nicht unberücksichtigt bleiben. In seinem Heimatort Bergkirchen organisiert die Feuerwehr mit dem Erntefest die einzige Fete im Ort. Wie könnte es nach der Fusion weitergehen? Grote sieht hier die Führungskräfte der zukünftig fusionierenden Feuerwehren in der Pflicht, sich Gedanken zu machen. Seines Erachtens nach könnte das Thema Erntefest über den Vorstand des bereits bestehenden Fördervereins für die Feuerwehr in Bergkirchen geregelt werden. jpw