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Aus dem Landkreis Landvolk sieht kleine Betriebe in Gefahr
Schaumburg Landkreis Aus dem Landkreis Landvolk sieht kleine Betriebe in Gefahr
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20:21 10.09.2019
Das Landvolk Weserbergland schließt rechtliche Schritte gegen die neuen Düngeregeln nicht aus. Quelle: dpa
Landkreis

Landvolk-Pressesprecher Thomas Wille sieht „eine existenzielle Bedrohung gerade für kleinere Betriebe, die der Politik angeblich so am Herzen liegen“. Besitzer größerer Mengen Land könnten die verschärften Düngeregeln unter Umständen auffangen, weil sie auch auf Flächen anbauen, die nicht betroffen sind.

Als durch Überdüngung belastetes Gebiet gilt Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) und Umweltminister Olaf Lies (SPD) zufolge der Nordosten des Landkreises etwa vom Steinhuder Meer bis Haste. Hier stellt ein Entwurf der beiden, dem das rot-schwarze Kabinett in Hannover gestern zugestimmt hat, eine zu hohe Nitratbelastung fest.

Landvolk-Sprecher Wille zufolge könnten die für Nordschaumburg aufgezeigten Werte einem Brunnen entstammen, der gar nicht im Landkreis steht. Im infrage stehenden Gebiet müssten die Proben aus einem Brunnen in Altenhagen kommen, dessen Nitratwerte deutlich unter dem Richtwert lägen.

Schaumburg zu unrecht betroffen

Dem Landvolk gehe es nicht um eine grundsätzliche Verhinderung von Grenzwerten, sagt Sprecher Wille. „Im Emsland, wo es viel Tierhaltung gibt, gibt das ja Sinn.“ Schaumburg sei aber zu Unrecht betroffen. Das hiesige Landvolk will die Entscheidung aus Hannover nun prüfen und behält sich rechtliche Schritte vor.

Kritisch sieht die Nachricht aus der Landeshauptstadt auch Kreislandwirt Dieter Wilharm-Lohmann. „Mir fällt es schwer, nachzuvollziehen, wie dadurch die Werte absinken sollen.“ Entsprechende Studien oder Erfahrungswerte gibt es seines Wissens nach nicht.

Auswirkungen in Form von weniger Eiweiß werde es auf Gras geben und damit auf die Milch der Kühe. Später könnten auch die Tiere selbst betroffen sein, glaubt Wilharm-Lohmann. Ebenso würden Feldfrüchte weniger ertragreich wachsen als die von Kollegen.

Strafzahlungen drohen

„Wir müssen uns fragen, mit welcher Art von Produkt wir auf welchem Markt bestehen wollen“, so der Kreislandwirt. Von den schärferen Regeln betroffene Bauern befürchten einen erheblichen Wettbewerbsnachteil gegenüber lokalen, nationalen und internationalen Konkurrenten. Erst vor anderthalb Jahren habe es eine strengere Düngeverordnung gegeben. Die EU setze nun „einen drauf“, ohne Ergebnisse abzuwarten. Niedersachsen drohen hohe Strafzahlungen, werden die Anforderungen nicht umgesetzt. von Jan-Christoph Prüfer

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