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Aus dem Landkreis Mann stinksauer auf Jüttner
Schaumburg Landkreis Aus dem Landkreis Mann stinksauer auf Jüttner
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17:16 09.06.2009
Erika Mann: „Es gibt in der SPD keine Unterstützung für kompetente Frauen." Quelle: Archiv
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Kreis Schaumburg. Die langjährige EU-Parlamentarierin aus Bad Gandersheim, die in Straßburg seit 1994 auch Schaumburg vertreten hat, war bei der EU-Wahl am Sonntag knapp gescheitert. Die SPD wird mit 23 Abgeordneten ins neue Europaparlament ziehen – Mann hatte den 24. Listenplatz. Die Politikerin scheidet im tiefen Groll mit ihrer Parteiführung. Gegenüber dieser Zeitung beklagte sie im Nachgang der Wahl ihre schlechte Platzierung auf der SPD-Liste und eine „Postenklüngelei in der Landesspitze“.

Mann erklärte: „Es gibt in der SPD keine Unterstützung für kompetente Frauen. Sie werden einfach aus den Parlamenten hinausgegrault.“ Nur „um einen Mann aus Hannover“ zu protegieren, habe SPD-Landtagsfraktionsschef Wolfgang Jüttner als Vorsitzender des SPD-Bezirks Hannover indirekt dafür gesorgt, dass sie als „anerkannte Abgeordnete, die unendlich viel für die Region getan hat“, aus dem Europäischen Parlament herausfalle.

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Niedersachsens SPD hatte den eher als links orientiert geltenden Burgdorfer Bernd Lange auf Platz 6 der Bundesliste abgesichert. Für diese Bevorzugung gibt es nach Ansicht Manns keinen sachlichen Grund. Vielmehr handele es sich um „komische Deals einer sektiererischen Landespartei, der es an einer strategischen Führung fehlt“. Unklug würden alte „Links-Rechts-Klischees innerhalb der SPD bedient“.

Jüttner beschränkte sich gestern auf SN-Anfrage in seiner Reaktion auf zwei Sätze. Mann habe im EU-Parlament eine erfolgreiche Politik für Niedersachsen gemacht. Und: „Ich bedauere es außerordentlich, dass sie aufgrund des dramatisch schlechten Wahlergebnisses der SPD auf Bundesebene dem EU-Parlament nicht mehr angehört.“

Die langjährige Abgeordnete wird nun ihre Büros in Brüssel und Hannover auflösen. Sie strebe eine Stelle bei der Weltbank oder der Welthandelsorganisation (WTO) an. Anderenfalls könne sie wieder als Unternehmensberaterin arbeiten; durch ihre Tätigkeiten im Europaparlament habe sie umfassende Kenntnisse vor allem in den Bereichen Außenwirtschaft, Telekommunikation und Energiewirtschaft. Die Tätigkeit auf Europaebene sei faszinierend gewesen, und sie habe sehr viele Erfahrungen gewonnen, sagt Mann.

Das erwartet für sich auch der frisch gewählte EU-Parlametarier Burkhard Balz (Stadthagen), der zugleich sehr bedauert, „dass Erika Mann nicht mehr dabei ist“ – und das sei „nicht nur so daher gesagt“. Mann habe sehr viel für Niedersachsen geleistet. mafi, ssr

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