Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Aus dem Landkreis Mitglieder schwinden
Schaumburg Landkreis Aus dem Landkreis Mitglieder schwinden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:07 13.03.2013
Lücken klaffen in den Reihen von so manchem Sportverein – die Mitgliederzahlen sinken seit Jahren kontinuierlich.  Quelle: rg

Stadthagen. Der Kreissportbund Schaumburg (KSB) sieht die Ursachen für den Mitgliederschwund vor allem in Passivität: Sinkende Mitgliederzahlen erforderten Handlungsbedarf, der bei vielen Vereinen aber oft zu spät einsetze, heißt es.

„Mit dem 15. Lebensjahr beginnt in der Regel die Abwanderung der Jugendlichen aus den Vereinen“, sagt Dieter Fischer, Vorsitzender des KSB. Ausbildung, Studium, Familienplanung – diese Dinge hätten meist Priorität vor dem Sport.

Das zeigen auch die Mitgliederzahlen im KSB: Waren 2008 noch 5015 Jugendliche von 15 bis 18 Jahren sportlich in Vereinen aktiv, sind es 2011 nur noch 4732 gewesen. Die Gesamtmitgliederzahl ist von 65 195 (2002) auf 59 651 (2011) Mitglieder gesunken. Den demografischen Wandel als alleinige Ursache für sinkende Mitgliederzahlen zu sehen, reicht jedoch nicht, mahnt Fischer. Radfahren, Schwimmen oder Walken seien Sportarten, die auch ohne einen Verein in Gruppen ausgeübt werden könnten. Vor allem bei Berufen mit flexiblen Arbeitszeiten gehe der Trend nach Ansicht des KSB in die Selbstorganisation der sportlichen Freizeit.

Vereine scheinen diesbezüglich aber auch bei Berufstätigen mit geregelten Arbeitszeiten an Attraktivität verloren zu haben, da immer mehr Menschen die eigene Yoga-Matte oder das Fitnessstudio der Sporthalle vorziehen. Ursachen dafür sieht Fischer unter anderem in der mangelnden Organisation der Vereine: „Es wird immer schwieriger, Übungsleiter für die Angebote am Nachmittag zu finden.“

Fortbildungen durch den KSB könnten nicht regelmäßig durchgeführt werden, da sie kaum genutzt würden, kritisiert Fischer. Vereine müssten ihre Mitglieder dazu zu ermutigen, ein Amt zu übernehmen. „Gut qualifizierte Übungsleiter, die Lust machen auf das Vereinsleben, sind neben den Finanzen das Kapital eines jeden Vereins“, mahnt Referent Hagen Rank. Der Erfolg eines großen Vereins wie dem VfL Bad Nenndorf liegt seines Erachtens vor allem an der Qualität der Angebote. Viele Vereine würden sich jedoch in der Regel erst dann Hilfe suchend an den KSB wenden, „wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist“, so Fischer.

Aktiv nach Lösungen suchen sollte nach Ansicht des KSB die Devise für betroffene Vereine sein. Sei es die Modernisierung der Sportstätten oder die Gründung von Spielergemeinschaften – Vereine, die ihre Angebote nicht der Zeit anpassen oder personell umdenken, müssten sich nicht wundern, wenn es anderen Vereinen besser geht, urteilt Fischer. Es ist ihm wichtig, dass bei diesem Thema vor allem kritische und scharfe Töne angeschlagen werden, damit angeschlagene Vereine begreifen, wie wichtig es ist zu rechtzeitig handeln und die Probleme nicht erst auf sich zu kommen zu lassen.

Chöre suchen die 25- bis 45-Jährigen

„Es wird immer schwieriger, neue Sänger für Chöre zu finden.“ Das stellt Hans-Joachim Krause (Bild), stellvertretender Vorsitzender des Bezirks Hannover-Schaumburg im Niedersächsischen Chorverband fest. Viele früher große Chöre im Landkreis hätten binnen der vergangenen zwanzig Jahre die Hälfte der Mitglieder verloren.

Es fehle zunehmend die Generation der 25- bis 45-Jährigen, sagt Krause. Das liege vor allem an einer immer größeren Belastung in Beruf und Alltag, speziell in der Phase der Familiengründung. Dazu komme die immer breitere Palette an Freizeitangeboten.
Mit Blick auf Kinder und Jugendliche verweist Krause auf längere Schulzeiten durch den Ganztagsbetrieb. Nach seiner Beobachtung spiele zudem das Musische im Schulunterricht eine im Vergleich zu früher geringere Rolle, wodurch weniger junge Leute zum Chorsingen motiviert würden. Der Chorverband reagiere darauf unter anderem mit dem Programm „Caruso“, bei dem Angebote zum Singen in Kindertagesstätten gemacht werden.

Eine gute Chance, neue Sänger zu gewinnen, liege in der zeitgemäßen Anpassung des Liedgutes. „Gut geleitete Gospel- und Popchöre erfreuen sich durchaus wachsender Beliebtheit“, weiß Krause und nennt als ein Beispiel den „Pop- und Gospelchor“ in Lindhorst.
Möglichst alle Altersgruppen anzusprechen, ist Ziel größerer Chroanbieter wie der Stadtkirchengemeinde Bückeburg. Kantor Siebelt Meier betont, es werde auf ein generationsübergreifendes Angebot geachtet. Und: „Unsere Chöre sprechen Menschen quer durch die Gesellschaft an.“

Nachwuchsarbeit einziges Mittel“

„Kontinuierlich leicht nach unten gegangen“ ist die Zahl der aktiven Mitglieder der Feuerwehren in Schaumburg. Waren es 2007 kreisweit noch 3454 Brandschützer, sank diese Zahl bis Ende 2012 auf 3379. „Das ist noch nicht besorgniserregend, aber ich befürchte in den kommenden Jahren einen weiteren Rückgang“, betont Kreisbrandmeister Klaus-Peter Grote.

Gründe dafür seien unter anderem der Geburtenrückgang, Abwanderungen, ein geändertes Freizeitverhalten, immer zeitaufwendigere Ausbildungen und Übungen sowie die Neigung vieler Ehrenamtlicher, sich lieber für kurzfristige Projekte einzusetzen als sich langfristig zu binden.

Von Imagekampagnen zur Gewinnung von „Seiteneinsteigern“ hält Grote nicht allzu viel. „Das einzige Mittel, nachhaltig Mitglieder zu gewinnen ist, eine gute Kinder- und Jugendarbeit“.

Mit erheblichem Erfolg praktizieren dies, fachlich kreisweit anerkannt, zum Beispiel Jugendfeuerwehrwart Dennis Winter und sein Team in Möllenbeck. In dem 1200-Einwohner-Dorf kümmern sich zwölf ehrenamtliche Betreuer um insgesamt 70 junge Leute in Kinder- und Jugendfeuerwehr. „Total engagierte Betreuer und ein abwechslungsreiches Programm“, nennt Winter als Rezept für eine attraktive Nachwuchsarbeit. Einige Stichworte der Palette: Zeltlager, Ausflugsfahrten, Kinobesuche, Fußball, Spielabende, Fahrten und unterhaltsam arrangierte Übungen. Auch das Vermitteln von Erfolgserlebnissen durch leistungsstarke Wettkampfteams wirke anziehend, weiß Winter.

Hauptproblem der Nachwuchsarbeit sei, erzählt Winter, dass immer wieder junge Betreuer zwecks Studium oder Ausbildung den Landkreis verlassen. „Meistens sind die dann weg.“ Kreisbrandmeister Grote fügt seine Hauptsorge hinzu. Mit kreisweit 61 Kinder- und 88 Jugendgruppen seien die Feuerwehren derzeit zwar gut aufgestellt. Aber: „Die Zahl der Geburten nimmt ab, in manchen Dörfern sind es für Nachwuchsarbeit schon jetzt zu wenig Kinder. Wenn das so weitergeht, wird es auf Dauer für die Feuerwehren ganz eng werden.“