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Aus dem Landkreis Neue Software für Krankenhaus und Leitstelle
Schaumburg Landkreis Aus dem Landkreis Neue Software für Krankenhaus und Leitstelle
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23:12 24.05.2019
Holger Finkemeier (links) und Marko Ellerhoff setzen auf die neue Software Ivena, die auf einem großen Bildschirm in der Notaufnahme rund um die Uhr läuft. Quelle: jak
Landkreis

Einen wesentlichen Schritt hat er am 1. April gemeinsam mit der Regionalleitstelle in Stadthagen getan: Als einer der ersten Landkreise in Niedersachsen setzt man hier nun auf die Software Ivena.

Die Initiative dafür ging von der Leitstelle aus. „Wir haben erkannt, dass das für uns eine Arbeitserleichterung ist“, erklärt der Leitstellendisponent Martin Buhr. Denn bisher musste jeder Patient telefonisch von einem Disponenten im Krankenhaus angekündigt werden. „Das war natürlich nicht standardisiert“, erklärt Finkemeier. Zwar habe eine Diagnosestellung dann schon mal „literarische Qualitäten“, für die Arbeitsabläufe sei der jetzt eingeführte standardisierte „Patientenzuweisungscode“ aber wertvoller. „Wir können jetzt noch strukturierter und schneller die Ressourcen bereitstellen, die benötigt werden.“

Etwa ein halbes Jahr lang arbeitete eine Arbeitsgruppe der Leitstelle in Stadthagen mit Martin Buhr an der Umsetzung. Ein Pilotprojekt in Hannover war zuvor als äußerst erfolgreich eingestuft worden. Das Land Niedersachsen wünscht sich eine flächendeckende Umsetzung. Schaumburgs Nachbarlandkreis Hameln-Pyrmont hinkt leider noch hinterher. Sonst könnten die Leitstellen auch direkt auf die benachbarten Krankenhäuser zugreifen.

Diagose als Code

Konkret bedeutet Ivena für Schaumburgs Bürger: Wenn etwa ein Patient mit Verdacht auf einen Herzinfarkt gemeldet wird, rückt sofort ein Rettungswagen an. Der stellt eine erste Diagnose, die er an die Leitstelle meldet. Die gibt die Diagose in Form eines Codes in den Computer ein und bekommt sofort ausgespuckt, welches Krankenhaus in der Region über die dafür notwendigen Ressourcen verfügt, oder ob diese möglicherweise gerade in Verwendung sind.

Früher hätte in der Zentralen Notaufnahme des Schaumburger Klinikums dann das Telefon geläutet und ein Disponent hätte den Rettungstransport angekündigt. Seit dem 1. April hängt in der Mitte der Notaufnahme ein großer Bildschirm, auf dem alle Rettungs- und Krankentransporte auf dem Weg in die ZNA dargestellt werden.

Enthalten sind die wichtigsten Kenndaten wie etwa Alter, Geschlecht, Diagnose und Zustand des Patienten. Eingeteilt werden die Transporte in drei Stufen, von halbwegs unkritisch (weiß), kritisch (gelb) bis zum absoluten Notfall (rot). Je nach Brisanz werden die Mitarbeiter der Notaufnahme auch direkt über unterschiedliche akustische Signale auf den Transport hingewiesen. „Etwa fünf mal am Tag werden wir derzeit auf einen ,roten‘ Transport hingewiesen“, erklärt Finkemeier.

In Minuten einsatzbereit

„Dadurch können wir sofort optimal reagieren.“ Das bedeutet etwa im Fall des angenommenen Herzinfarkts, dass in der Nachtschicht der jeweilige Arzt in Bereitschaft sich noch schneller auf den Weg machen kann. „Im Schnitt brauchen wir nachts momentan 20 Minuten, das ist ein wahrer Glücksfall, weil unsere Ärzte einfach günstig wohnen“, betont Finkemeier. Tagsüber sei man innerhalb weniger Minuten nach einer Alarmierung über Ivena einsatzbereit. Geschäftsführer Marko Ellerhoff verdeutlicht: „Der am besten geeignete Arzt soll quasi schon an der Türe stehen, wenn der Patient kommt.“

Bei schwer verletzten Patienten, etwa nach einem Autounfall, werden in der Notaufnahme sogenannte „Schockteams“ aus Spezialisten der jeweiligen Fachabteilung gebildet. „Hier kennt jeder seine Rolle“, so Finkemeier. „Dass wir alle Medizin können, davon darf man ausgehen. Aber optimierte Meldewege, das ist für den Patienten ein großer Schritt.“ So werden die meisten Bürger in Schaumburg zwar nicht merken, dass Leitstelle und Krankenhaus künftig auf Ivena setzen. Aber im Ernstfall kann es dazu beitragen, dass Leben gerettet werden.

Von Jakob Gokl

Jeder kann Ivena nutzen

Die neue Software trägt auch zur Transparenz bei“, betont Klinikum-Geschäftsführer Marko Ellerhoff. So melden sich die beteiligten Krankenhäuser – neben Schaumburg nehmen auch die Helios-Kliniken in Nienburg und Stolzenau teil – direkt bei Ivena ab. Wann welches Krankenhaus welche Station abgemeldet hat, kann jeder Bürger online verfolgen. Unter www.ivena-niedersachsen.de einfach die LeitstelleSchaumburg und Nienburg/Weser“ auswählen und auf die jeweilige Station klicken: Rot werden abgemeldete Stationen angezeigt, grün die aufnahmefähigen. Auch ob der Schockraum, das CT oder das MRT gerade bei der Leitstelle abgemeldet sind, lässt sich dort nachvollziehen. Die Liste der gerade erwarteten Rettungstransporte und sämtliche sensiblen personenbezogenen Daten werden nicht veröffentlicht. jak